Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Stückiger Brei und Fingerfood

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Ich würde so langsam mal mit stückigem Brei beginnen, selbstgekocht. Auch mit fingerfood am Nachmittag. Aber meine Kleine kann noch nicht ohne Hilfe sitzen, besser noch warten? Sie wird in 3 Tagen 8 Mon.

Bei den hipp Gläschen gibts auch Menüs mit Spaghetti bolognese und Risotto etc.
Wie kann ich sowas selbst kochen? Bislang gabs nur Gemüse-Kartoffel-Fleisch bzw. Getreidebrei. Für Bolognese müsste man ja Fleisch backen anstatt kochen.. ..
Sind Nudeln/Reis überhaupt schon sinnvoll?

von Mondfee85 am 10.03.2021, 16:26 Uhr

 

Antwort auf:

Stückiger Brei und Fingerfood

Hallo Mondfee85
setze deine Tochter im Hochstuhl sicher und aufrecht hin. Staffiere die Seiten ggf etwas mit Kissen aus, so dass deine Tochter wirkich gut und sicher, für die Dauer der Mahlzeit, sitzen kann. Ansonsten kannst du sie auf deinen Schoß nehmen. Wichtig ist bei stückigerer Kost bzw bei festeren Speisen via self-feeding-Methode, dass deine Kleine leicht nach vorn gebeugt sitzt, damit sie im Falles eines Falles alles besser abhusten kann.

Du kannst den Brei einfach, also das weich gegarte Gemüse und die Kartoffeln mit der Gabel zerdrücken. Öl dazu, ggf Fleisch/Fischbrei und Saft.

Die Idee, dass man ab dem 8. Lm keine fein pürierten Breie mehr gibst und stattdessen grobstückigere Breie geben solle, basiert auf theoretischen Überlegungen. Babys sollen durch das neue Mundgefühl, welche der gröbere Brei bietet, sensibilisiert werden und sich umgewöhnen. Es soll bewirken, dass sie durch das neue Mundgefühl zum Kauen animiert werden. Das solle die orale Toleranz fördern, was langfristig durch Gewöhnung an dieses Mundgefühl zu einer besseren Akzeptanz von stückiger Nahrung führen solle. Es soll das Baby zum Kauen anregen und die Kaumuskulatur stimulieren. Soweit die theoretische Überlegung dazu. Manche Babys finden das auch ganz prima. Doch ebensoviele Babys haben damit mehr oder weniger Schwierigkeiten und kommen damit überhaupt nicht zurecht. Fütter einen soclhen Brei eher langsam und mit Bedacht.
Die Erklärung:
Beim Breiessen ist dein Baby nur passiv agierend. Du platzierst den Brei im Mund deines Babys. Reflexartig wird der Brei geschluckt. Sind hier nun Stcückehn enthalten, so ist das für dein Kind sehr irritierend und löst ebenso reflexartig einen Würgereiz aus. Das sind Sicherheitsvorkehrungen. Und das ist auch gut so.
Beim (selbständigen) Stückchenessen spürt dein Baby zunächst die Konsistenz der Speise und beginnt die Speise im Mundraum zu kauen, zu zerquetschen, zu fühlen usw. Es kann sich darauf einstellen und die zu schluckende Stückgröße bewerten. Ist sie zu groß oder sonstwie nicht akzeptabel, so wird das Stückchen einfach ausgespuckt bevor es geschluckt würde.
Das ist der Unterschied.
Du könntest dein Baby von einem gröberen Brei probieren lassen, vielleicht - gib ihr dabei jedoch Zeit, damit sie die Konsistenz im Mundraum selbst auf Eignung prüfen kann. Beobachte deineTochter Baby immer und agiere entsprechend ihren Bedürfnissen.

Ganz allgemein noch diese Zeilen:
Würgen und Husten passiert, wenn der Würgereflex ausgelöst wird. Das kennst du sicher selbst von Arztbesuchen - die Sache mit dem Holzstäbchen... Bei Babys sitzt der Reflex noch sehr weit vorne, d.h. nicht so tief im Rachen wie bei uns Erwachsenen. Das ist sinnvoll, denn das verhindert ein echtes Verschlucken ( Beim echten Verschlucken gerät Essen in die Luftröhre statt in die Speiseröhre. ) . Bei manchen Babys ist die Region im Rachen/Mundraum noch obendrein ganz besonders sensibel agierend.

Ob Nudeln/Bolognese sinnvoll sind? ja und nein - es kommt drauf an:
Im Sinne der Geschmacksvielfalt auf jeden Fall.
Während man vor ein paar wenigen Jahren noch davon abgeraten hat, Nudeln und Co als Basis für den Mittagsbrei zu verwenden, wird heute sogar dazu geraten. Statt Kartoffeln darf/sollte auch einmal die Woche Couscous, Reis, Bulgur, kleine Nudeln o.ä. verwendet werden, um Geschmacksvielfalt zu zeigen und um Babys sanft daran zu gewöhnen.
Da Beikost heutzutage in vielen Familien sehr individuell gehandhabt wird, gibt es inzwischen eine größere Menge an Rezepten für Mittagsbrei ohne Kartoffeln und dafür mit Getreide wie Couscous und Co.

Du kannst die bisher gewohnten Breie, wenn du und dein Baby möchten, mit weich gekochten kleinen Nudeln oder Reis oder bspw auch weich gegarten Couscous oder Bulgur oder bspw auch Graupen ergänzen, einfach druntermischen.
Du kannst etwa einen (gekocht) EL in eine 190g Portion mischen.

oder so:
100 g Möhre, 30g Rindfleisch, 50 g gekochte kleine bzw klein geschnittene Nudeln, 1 EL Öl

oder
30g Reis, 100g Gemüse nach Wahl, 25g Fleisch oder Fisch, 20 ml Obstsaft
1 EL Öl
den Reis nach Anleitung in Wasser sehr weich kochen, mit den übrigen gegarten Zutaten pürieren, ggf Wasser und auch Saft und Öl zufügen.

Du kannst Rezepte nach Belieben kreiieren. Behalte die Mengenverhältnisse der einzelnen Zutaten im Auge.
Achte immer darauf, dass dein Baby alle Breie gut und gefahrenfrei essen und schlucken kann.


Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 12.03.2021

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