Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Wie kann meine Freundin mehr Milch bekommen?

Frage: Wie kann meine Freundin mehr Milch bekommen?

Mamafatima

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Sehr eehrte Frau Wrede und Frau Weller, Meine Freundin (44) hat gestern ihr Baby bekommen, nach 12 Jahren einen "Nachzügler". Sie ist mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen (15 und 12) aus Syrien geflohen. Das Kind kam einen Monat zu früh aufgrund eines Blasensprungs, und muss nun im Wärmebettchen überwacht werden, da es ab und zu das Atmen "vergisst". Nun hat meine Freundin leider keine Milch, als sie es heute morgen anlegte, kam nichts. Leider bekam sie gestern nach der Geburt (23 Uhr) keine Möglichkeit, das Kind kurz anzulegen, sie nahmen es ihr gleich weg auf die Kinderstation. Heute morgen versuchte sie dann, das Kleine anzulegen, aber es kam kein Tropfen, und beim Abpumpen auch nicht. Dabei ist doch gerade für ein Frühchen (2258 g) das Stillen so wichtig. Was kann sie tun, damit sie mehr Milch bekommt? Nun mag man einwenden, beim dritten Kind wisse man, wie es geht, aber sie sagt, sie hätte alles vergessen. Allerdings ´wurden, die anderen beiden Kinder auch voll entwickelt geboren und nicht zu früh. Auch verlief die Schwangerschaft nicht einfach aufgrund eines mehrfachen Bandscheibenvorfalls, prekärer Wohnungssituation und vielem anderen mehr. Die Wohnsituation hat sich gebessert, der Bandscheibenvorfall leidern noch nicht... Mit freundlichen Grüßen, Mamafatima


Biggi Welter

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Liebe Mamafatima, es ist ganz wichtig, dass Ihre Freundin jetzt möglichst oft anlegt oder abpumpt. Zu allererst wäre es sehr gut, wenn Ihr Euch schnell nach einer Stillberaterin in Eurer Nähe schaut. Denn sie kann Euch punktgenau unterstützen und ggf. auch beim Stillen mal beobachten, um gezielte Verbesserungsvorschläge zu machen. Adressen von Stillberaterinnen finden Sie im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). Ganz kurz kann man die wichtigsten Punkte für den Grundstein einer erfolgreichen Stillbeziehung auf die folgenden Schlagworte zusammenfassen: Bald stillen, oft stillen, nur stillen; keine Flüssigkeit oder andere Nahrung dazugeben außer bei medizinisch begründeten Fällen; keine Schnuller oder künstliche Sauger in den ersten Lebenswochen. Das Baby sollte so bald wie möglich nach der Geburt zum ersten Mal angelegt werden und dann jederzeit und ohne zeitliche Einschränkung an die Brust dürfen, wenn es das will. Bei eher schläfrigen Kindern oder Babys mit verstärkter Neugeborenengelbsucht muss die Mutter unter Umständen den Takt angeben und dafür sorgen, dass das Kind mindestens acht bis zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden an der Brust trinkt. Tee, Glukoselösung oder Wasser sind überflüssig und vor allem bei einer eventuell verstärkten Neugeborenengelbsucht sogar kontraproduktiv. Das Bilirubin (der gelbe Farbstoff, der für die Gelbfärbung der Haut bei der Neugeborenengelbsucht verantwortlich ist) wird nur zu zwei Prozent über den Urin ausgeschieden, der Rest wird durch den Darm ausgeschieden. Daher ist es unsinnig, die Gelbsucht "ausschwemmen" zu wollen. Wichtig ist, dass der Darm mit Nahrung versorgt wird und die Verdauung angeregt wird, das Mekonium möglichst rasch ausgeschieden wird. Das Kolostrum, die wichtige erste Milch wirkt abführend und begünstigt damit die Ausscheidung des Bilirubins. Der Organismus eines Neugeborenen ist auf viele, kleine Mahlzeiten eingestellt. Sein Magen hat etwa die Größe eines Teebeutels. Kleine Mengen an Muttermilch sind also absolut richtig und in Ordnung. In den ersten Wochen stillt ein Baby etwa 10-12 Mal in 24 Stunden. Wichtig ist, dass das Baby ab dem zweiten, dritten Tag mindestens drei bis vier Darmentleerungen hat und ausreichend Urin ausscheidet. Eine Gewichtsabnahme von etwa sieben Prozent des Geburtsgewichtes innerhalb der ersten Tage ist normal, bis zehn Prozent sind bei einem ansonsten gesunden Kind tolerierbar. Spätestens mit drei Wochen sollte das Baby sein Geburtsgewicht wieder erreicht haben. Ich wünsche Euch von Herzen alles Gute! LLLiebe Grüße Biggi


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