Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Stillprobleme, Stillhütchen, Zungenbändchen

Frage: Stillprobleme, Stillhütchen, Zungenbändchen

Mgh92

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Hallo liebe Biggi, unser Sohn ist morgen 5 Wochen alt. Ab der Geburt hat das stillen nicht direkt geklappt. Er hat ein stärker ausgeprägtes fliehendes Kinn. Es wurde vermutet, dass es daran liegt. Eine Ärtzin hatte sich die Lippen- und Zungenbändchen angeschaut und keine Verkürzung festgestellt. Wir haben die ersten Tage ihn per Ausstreichen und Fütterung per Spritze ernährt. Dadurch hat er jedoch bis zur U2 knapp 10% seines start Gewichtes von rund 3600g verloren. Daraufhin hat meine Frau eine Pumpe bekommen und sie hat angefangen abzupumpen, damit der Milcheinschuss nicht gefährdet ist. Das Anlegen hat auch in den darauffolgenden Tagen nicht funktioniert, sodass ein Stillhütchen vorgeschlagen wurde, welches das Anlegen auch ermöglichte. Mit Stillhütchen hat er sein Startgewicht am 14. Tag auch wieder erreicht. Wir hatten dort die Hoffnung, dass das Stillhütchen erstmal ausreicht und wir es dann langsam abgewöhnen können. Durch die Feiertage rund um Weihnachten und Silvester wurde er dann 14 Tage nicht gewogen, sodass danach die Ernüchterung kam, dass er nicht genug zugenommen hat, nur knapp 150g pro Woche. Daraufhin sollte Milch abgepumpt werden und zugefüttert werden. Was wir jetzt seit knapp einer Woche tun. Zudem wurde doch ein verkürztes Zungen- und Lippenbändchen diagnostiziert, welches wir bei einer Kieferchirurgin durch trennen ließen. Wir haben das Gefühl, dass er seit dem besser trinkt, müssen jedoch noch zu füttern (10-15ml alle 2-3 Stunden zu jedem Anlegen), da er sonst sehr quengelig an der Brust ist, wenn wir nicht zufüttern. Uns ergeben sich jetzt mehrere Fragen: 1. Wie lange dauert es bis er nach der OP erfahrungsgemäß "richtig" trinkt? Sodass wir das zu Füttern dann langsam aus schleichen lassen können? Er wird jetzt auch immer wieder ohne hütchen angelegt, da die Hoffnung noch besteht, dass ohne ausgekommen werden kann. Wir sind quasi den ganzen Tag mit Stillen, füttern, Abpumpen, säubern beschäftigt. Aktuell geht es noch, aber in ein paar Wochen muss ich wieder arbeiten und wir sehen da nicht, wie wir das aufrechterhalten sollen. 2. Aktuell scheint er zu Clustern. Sollen wir in dieser Phase trotzdem zu füttern? 3. Eine Brust hat eine deutlich besseren MSR, sodass er an dieser Brust gut trinkt. Bei der anderen geht es ihm anscheinend nicht schnell genug, sodass er dort schnell frustriert ist und wir daher nur an dieser Brust zu füttern. Machen wir das so richtig?  Wir stoßen langsam an unsere Grenzen, wollen die Stillbeziehung jedoch ungern aufgeben und würden uns daher um jeden Rat freuen. Liebe Grüße  Alco


Biggi Welter

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Liebe Alco,   zunächst würde ich die Flasche verbannen und mit einer alternativen Fütterungsmethode zufüttern. Das Saugen an einem künstlichen Sauger unterscheidet sich grundlegend vom Saugen an der Brust. Der künstliche Sauger ist bereits vorgeformt und relativ steif. Die Brust ist weich und nachgiebig. Ein Schnuller kann in den geschlossenen Mund eines Babys gesteckt werden. Um die Brust zu erfassen, muss das Baby den Mund weit öffnen, die Brustwarze reicht dann weit nach hinten in den Mund, wo die Bewegungen des Kiefers und der Zunge nicht stören. Auch die Bewegungsmuster der Muskeln von Mund, Gesicht und Zunge, sind am künstlichen Sauger ganz anders, als an der Brust. Mit der Saugtechnik, die das Baby beim Trinken an einem Flaschensauger oder beim Nuckeln an einem Beruhigungssauger anwendet, kann es kaum Milch aus der Brust bekommen. Ein Baby, das mit der Flasche gefüttert wurde, hat einen sofort einsetzenden, gleichmäßigen Milchfluss kennengelernt. An der Brust reagiert es dann frustriert, weil nicht der von ihm erwartete, sofortige und stetige Milchfluss einsetzt. Oft ist es dann so, dass ein Baby „stundenlang“ saugt und nicht satt wird. Da hilft es dann auch nicht, viel und oft anzulegen. Wenn das Baby dann gut trinkt, könnt Ihr damit beginnen, auf die Stillhütchen zu verzichten und die zusätzliche Nahrung zu reduzieren. Auch solltet ihr unbedingt die Clusterphasen ausnutzen, denn so wird die Milchmenge gesteigert. Die Vorstellung, dass die Brust (ähnlich wie eine Flasche) nach dem Stillen leer ist und erst wieder aufgefüllt werden muss, ist so nicht richtig. Zwar wird zwischen den Stillmahlzeiten Milch produziert, der Hauptanteil der Milch wird jedoch erst während des Stillens gebildet. Das Saugen des Kindes gibt das entsprechende Signal zur Milchbildung, der Milchspendereflex wird dann ausgelöst. Ich würde dazu raten, auch die andere Seite anzubieten oder wenigstens abzupumpen, damit die Milchmenge sich nicht reduziert. Alle Stillexperten sind sich schon seit sehr langer Zeit einig: bei einem gesunden, voll ausgetragenen und gut gedeihenden Baby ist Stillen nach Bedarf das Optimale. So wird sichergestellt, dass das Kind die Nahrung, die es braucht, immer dann bekommt, wann es sie braucht. Eine Ausnahme stellen schlecht zunehmende Kinder oder kranke Kinder dar, da kann es sein, dass die Mutter regulierend eingreifen muss und das Baby eventuell zum Stillen wecken muss. Muttermilch ist innerhalb von 60 bis 90 Minuten verdaut und der Organismus eines Babys ist auf häufige Mahlzeiten eingestellt. Bitte wendet Euch auch unbedingt an eine kompetente Kollegin vor Ort, die Euch sehen kann und so sehr viel gezielter beraten kann! Sie kann das Saugverhalten beurteilen und Euch Tipps geben, wie deine Frau das Baby an die Brust führen kann. Adressen von Stillberaterinnen findest du im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). Auch ich bin jederzeit für Euch da und stehe Euch gerne zur Seite! Lieben Gruß Biggi


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