Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

sehr wenig Milch

Frage: sehr wenig Milch

Käfer007

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Hallo Frau Welter, meine Tochter hat vor 2 Monaten entbunden. Sie hat gestillt allerdings mit Stillhütchen, da ihr im Krankenhaus empfohlen wurde dies zu benutzen da sie zu flache Brustwarzen hat. Ihre Milchbildung ging zurück. Sie pumpt auch ab. Da ihre Tochter an der Brust nicht so viel erwischt zum trinken. Sie hatte kurzzeitig von ihrem Mann etwas erfahren und sich aufgeregt. Danach hat sie kaum noch Milch in der Brust gehabt. Sie will aber weiterhin ihrer Tochter die Muttermilch geben mindestens bis zum 6. Lebensmonat. Sie hat auch von dem Hormon Prolaktin gehört, das es die Milchbildung wieder anregt. Gibt es das zu kaufen. Sie ist sehr traurig darüber, das sie kaum noch Milch aus der Brust abpumpen kann.( Am Tag zwischen 50 und 150 Gramm bei 3 bis 4 Mal abpumpen). Sie weis auch. das die Menge 3 bis 4 Mal abpumpen zu wenig ist. Sie muss mindestens 6 bis 8 Mal abpumpen. Das weiß sie auch. Möchte nicht, das meine Tochter deswegen depressiv wird. Sie trinkt nur Mineralwasser und jeden Tag eine Flasche Karamalz das ihr empfohlen wurde. Sie kann auch ihre Hebamme nicht mehr fragen, da sie nicht mehr vorbei kommt weil die beiden sich zerstritten hatten. Wie kann ich meiner Tochter dabei helfen?


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Käfer007, wie schön, dass Sie Ihrem Kind helfen wollen und die größte Hilfe ist, dass die DA sind :-). Es kommt höchst selten vor, dass die Milch plötzlich "wegbleibt". Solche Situationen gibt es, wenn die Mutter plötzlich einem überaus großen Stress ausgesetzt ist (z.B. weil das Kind einen Unfall hatte oder andere einschneidende Ereignisse vorgefallen sind). Dann kann es dazu kommen, dass die Muter so verkrampft ist, dass der Milchspendereflex ausbleibt. Aber wie schon gesagt, das ist sehr selten, außerdem vorübergehend und man kann etwas dagegen tun. Die Vorstellung, dass die Brust (ähnlich wie eine Flasche) nach dem Stillen leer ist und erst wieder aufgefüllt werden muss, ist so nicht richtig. Zwar wird zwischen den Stillmahlzeiten Milch produziert, der Hauptanteil der Milch wird jedoch erst während des Stillens gebildet. Das Saugen des Kindes gibt das entsprechende Signal zur Milchbildung, der Milchspendereflex wird dann ausgelöst. Deshalb ist es auch falsch zwischen den Stillmahlzeiten eine längere Pause einzulegen, damit sich die Milch in der Brust sammelt, sondern es muss häufiger angelegt werden, um die Milchmenge zu steigern. Bei einer Störung des Milchspendereflex kann vorübergehend versucht werden, den gehemmten Milchspendereflex durch die Gabe von künstlichem Oxytozin (z.B. Syntocinon pray) auszulösen. Oxytocin hat sich als fördernd für den Milchspendereflex erwiesen und wirkt nicht toxisch auf das Baby. Dieses Spray sollte jedoch nicht länger als maximal 24 Stunden verwendet werden, da sich sonst sein Effekt umkehren kann. Syntocinon ist verschreibungspflichtig. Falls Sie daran interessiert sind, sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen. In so ziemlich jeder Kultur gibt es irgendwelche Nahrungsmittel oder Getränke, denen milchbildungsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden, doch letztlich bringt nur ein Weg mehr Milch: Die Stimulation der Brust, sprich häufiges Anlegen und effektives Trinken des Kindes. Wenn die Milchmenge gesteigert werden soll, dann muss das Kind häufiger angelegt werden oder – wenn die Situation es erfordert – zusätzlich abgepumpt werden. Zaubermittel, die die Milch einfach so fließen lassen, gibt es leider nicht. Welche Pumpe benutzt Ihre Tochter denn? Es wäre günstig, wenn Ihre Tochter sich an eine Stillberaterin vor Ort wenden würde, die ihr im direkten Gespräch Tipps geben kann und eventuell auch sieht, wie und ob das Baby an der Brust noch trinkt. Was nun das Pumpen betrifft, so wäre es auch da am besten, wenn Ihre Tochter durch eine Stillberaterin vor Ort eine individuelle Pumpberatung erhalten könnten. Abpumpen ist eine Fähigkeit, die gelernt und geübt werden muss. Um erfolgreich abzupumpen, muss die Frau nicht nur die geeignete Pumpe zur Verfügung haben und in der richtigen Pumptechnik unterwiesen werden. Der Schlüssel zum erfolgreichen Abpumpen ist das Auslösen des Milchspendereflexes. Um den Milchspendereflex anzuregen hilft es, wenn die Frau sich in eine angenehme Umgebung zurückziehen kann, in der sie so wenig wie möglich gestört wird und sich entspannen kann. Das Einhalten eines Rituals beim Abpumpen und Konzentration auf das Baby (vor einem Foto des Babys oder neben dem Kind abpumpen) tragen dazu bei, den Milchspendereflex auszulösen. Wärmeanwendungen und Massage der Brust stimulieren den Milchspendereflex ebenfalls. Es hat sich bewährt, nach dem Schema 7 Minuten pumpen unterbrechen zum Massieren der Brust 5 Minuten pumpen massieren der Brust 3 Minuten pumpen, vorzugehen. Eine Brustmassage kann auch dazu beitragen den Fettgehalt der abgepumpten Milch erhöhen. Die besten Erfahrungen habe ich mit vollautomatischen, elektrischen Pumpen mit Doppelpumpset gemacht. Diese Pumpen sind von den Firmen Medela und Ameda erhältlich und können auch in Apotheken und Sanitätshäusern ausgeliehen werden. Da eine Pumpe nicht die gleichen Gefühle auslöst wie ein Baby, muss Ihre Tochter wie oben schon erwähnt vor allem anfangs ihren Milchspendereflex anregen. Dazu kann sie einige der folgenden Methoden der physischen und psychischen Stimulation einsetzen: Abpumpen in einer vertrauten und angenehmen Umgebung, vielleicht immer am gleichen Platz, im gleichen bequemen Sessel (ideal wäre ein Stuhl, der ihre Arme in einer bequemen Haltung stützt und es ihr ermöglicht den ganzen Körper zu entspannen). Störungen so gering wie möglich halten. Sie sollte sie z.B. das Telefon aushängen, etwas entspannende Musik anschalten und alles was sie brauchen kann bei der Hand haben. Dazu können ein Glas Wasser oder Saft, ein gesunder Imbiss oder etwas zu lesen gehören. Einhalten eines Rituals vor dem Abpumpen. Das Einhalten eines bestimmten Ablaufs vor dem Abpumpen, kann ihren Milchspendereflex anregen und auch als psychologischer Auslöser dafür wirken. Einige der folgenden Vorschläge können eventuell auch ihr helfen: • Wärmeanwendungen auf den Brüsten, entweder trocken oder feucht. Dazu können feuchte, warme Kompressen oder ein Heizkissen verwendet werden, oder aber sie duscht warm. • Da Wärme entspannend wirkt, sollte sie sich eine Decke oder eine Jacke über die Schultern legen, oder sich in die Nähe einer Heizquelle setzen. • Sanfte Brustmassage, entweder in der Dusche oder direkt vor dem Abpumpen. Das hilft besonders dann, wenn sie angespannt ist • Brustwarzenstimulation, durch sanftes Reiben oder Rollen der Brustwarzen. • Fünf Minuten Entspannung. Die Anwendung der Atemübungen aus der Geburtsvorbereitung oder einfach nur ruhiges Dasitzen und sich dabei etwas Angenehmes vorstellen (einen warmen Sandstrand mit Wellen, die ans Ufer plätschern, ein Gebirgsbach oder eine tropische Brise). Das Abpumpen mehrmals unterbrechen um die Brust zu massieren. Es sollte möglich sein, den Milchspendereflex mehrfach stimulieren, indem sie das Abpumpen nach etwa zehn Minuten unterbricht, ihre Brust massieren und dann wieder pumpen. (Bei der La Leche Liga Deutschland können Sie das Infoblatt „Die Marmet Methode" über das Handausstreichen und Massieren der Brust bestellen) Rhythmische Bewegungen beim Abpumpen um das Saugverhalten des Babys nachzuahmen. Beim Saugen übt das Baby einen sanften, rhythmischen Druck aus während es einen Sog aufbaut. Um ihren Milchspendereflex möglichst wirkungsvoll anzuregen, sollte sie versuchen, das Saugverhalten ihres Babys an der Brust nachzuahmen. Um die Milchproduktion richtig in Gang zu bekommen, sollte sie häufiger als fünf Mal pro Tag pumpen. Ein Baby würde jetzt mindestens acht bis zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden an Ihrer Brust trinken. Ihre Tochter sollte versuchen, etwa ebenso oft zu pumpen, wie ein Baby trinken würde, also etwa alle zwei bis drei Stunden. Ob sie nachts eine längere Pause einlegt (etwa sechs Stunden) oder nicht, muss sie ausprobieren. Manche Mütter bevorzugen eine Nachtpause, andere kommen besser zurecht, wenn sie auch in der Nacht regelmäßig weiter pumpen. Insgesamt sollte sie auf eine Pumpzeit von mindestens 100 Minuten innerhalb von 24 Stunden kommen. Es ist sinnvoller häufiger kürzer abzupumpen als seltener und länger. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Tochter alles Gute und bin jederzeit für Sie da, wenn Sie Fragen haben. LLLiebe Grüße Biggi Welter


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