Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

nächtliches Stillen/mehr Beikost?????

Frage: nächtliches Stillen/mehr Beikost?????

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Hallo Biggi! Seit der Geburt meiner Tochter bin ich fleißiger Leser deiner tollen Tipps und Tricks zum Thema stillen. Im Moment bin ich aber etwas ratlos,was den nächtlichen Appetit meiner kleinen Maus betrifft. Sie ist 6 1/2 Monate alt, bekommt seit 2 Wochen mittags selbstgekochten Karottenbrei, den sie mit Begeisterung löffelt und wird sonst gestillt. Tagsüber trinkt sie alle 2-3 Stunden. Abends trinkt sie vor dem Schlafen gehen um etwa 19Uhr, dann noch 2-3mal pro Nacht. Sie ist ein sehr zufriedenes Baby, liegt mit Größe und Gewicht zwischen 90. und 97. Perzentille. Nur bin ich jetzt ziemlich verunsichert was das nächtliche Stillen betrifft. Bekommt sie tagsüber zuwenig Nahrung, sodaß sie das aufholen muß? Soll ich ihr mehr Beikost anbieten (Obst?)?Sie trinkt nie sehr lange, etwa 5-10 Minuten(beide Seiten zusammen). Bekannte, die Kinder im gleichen Alter haben, geben großteils schon Flaschennahrung und tagsüber verschiedenste Breie und erzählen,daß die Kinder schon brav durchschlafen.Was soll man davon halten? Vielen Dank im voraus für die Beantwortung!


Biggi Welter

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Liebe Barbara, von Durchschlafen spricht man, sobald ein Baby fünf Stunden oder länger in einem Stück schläft. Um welche Tageszeit das ist, spielt keine Rolle für den Begriff „durchschlafen“. Die Fähigkeit längere Zeit am Stück zu schlafen ist unabhängig von der Ernährung. Ein Baby muss eine gewisse Reife erreichen, um längere Zeit schlafen zu können. Wann dieser Zeitpunkt erreicht wird, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Eine Flasche mit künstlicher Säuglingsnahrung (oder ein Abendbrei) verbessern das Schlafverhalten nicht (das wurde in Studien nachgewiesen). Es gibt nicht wenige Kinder, die dann sogar noch weniger schlafen. Der immer wieder verbreitete Gedanke, dass ein Baby ab einem bestimmten Alter nachts nicht mehr aufwachen darf und nachts keine Nahrung mehr braucht entspringt in keinster Weise dem natürlichen Verhalten und den Bedürfnissen eines Babys oder Kleinkindes, sondern er entstammt dem (verständlichen) Wunsch der Erwachsenen, die gerne ihre Nachtruhe hätten. Eine Studie von Jelliffe und Jelliffe ergab, dass Babys im Alter von 10 Monaten mindestens 25 % ihrer Muttermilchaufnahme nachts zu sich nehmen. Das spricht eindeutig dafür, dass Babys auch nach den ersten sechs Monaten nachts noch hungrig sind. Es gibt Kinder, die nachts keine Nahrung mehr brauchen, aber es gibt eben auch sehr viele Kinder, die mit einem halben Jahr noch nicht so weit sind. So wie manche Kinder bereits mit elf Monaten laufen und andere damit erst mit 16 Monaten beginnen, so entwickeln sich auch alle anderen Dinge bei jedem Kind individuell verschieden und diese Entwicklung lässt sich begleiten, aber nicht beschleunigen. In einem amerikanischen Buch über die Entwicklung von Kindern (Aldrich: „Babys are Human Beeings"‘) habe ich einmal den wichtigen Satz gefunden „Damit Kinder sich gut entwickeln können, sind liebevolle Fürsorge und ein beständiges, direktes Eingehen auf ihre Bedürfnisse so ausgesprochen wichtig". Das steht zwar manchmal im Widerspruch zu unserem „modernen, westlichen" Lebensstil, aber es zahlt sich langfristig aus. Außerdem stellt sich doch auch die Frage: Ist der seelische Hunger nicht ebensowichtig wie der körperliche Hunger? Warum sollte es weniger wichtig sein, das Bedürfnis des Babys nach Nähe und Geborgenheit zu stillen, als seinen körperlichen Hunger zu stillen? Gerade ab vier bis sechs Monate gibt es unzählige Gründe, warum ein Kind nachts (wieder vermehrt) aufwacht und die Nähe und Geborgenheit und auch Nahrung an der Brust sucht. Die Kinder beginnen um diesen Zeitraum die Welt sehr konkret zu erleben, sie müssen das am Tag Erlebte in der Nacht verarbeiten, sie lernen neue Fähigkeiten (umdrehen, robben, krabbeln, gezieltes Greifen ...), sie beginnen den Unterschied zwischen fremd und bekannt zu erkennen . All dies ist ungeheuer aufregend und auch anstrengend. Dazu kommt, dass sich die Zähne verstärkt bemerkbar machen, dass vielleicht die erste Erkältung kommt ... Insgesamt sind dies eine Menge Gründe unruhiger zu sein und nachts immer wieder aufzuwachen. Mach dir also keine Gedanken, dass dein Baby nicht satt wird (Du siehst ja auch selbst, wie gut es gedeiht!) und glaub nicht den Müttern, die immer erzählen, wie gut ihr Baby schon schläft :-), das stimmt nämlich in den wenigsten Fällen. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und sende dir llliebe Grüße Biggi


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