Juju2
Hallo Biggi, ich möchte meine bald 2-jährige Tochter gerne nachts abstillen und am liebsten auf sanftem Wege, weil sie noch ein echter Busen-Fan ist. Ich war bei einer Stillberaterin und sie empfahl mir grob folgendes Schema: Am Abend auf dem Sofa Stillen, dann Abend-Routine. Dann meine Brust mit Pflaster abkleben, vorher Bitterstoff auftragen. Beim Einschlafen bzw. wenn nachts Milch gewünscht wird, erstmal Alternativen anbieten (Wasser, Schnuffeltuch, Schnulli, Kuscheln), dann am Ende Brust aufdecken und Stillen. In der zweiten und dritten Nacht auch so, aber ohne das Abkleben der Brust. Die drei folgenden Nächte soll mein Mann sie dann zum Einschlafen bringen und auch bei ihr schlafen, ohne mich. Meine Frage: klingt das für dich nach näeinem sinnvollen Konzept? Nach 2 Nächten habe ich das Gefühl, dass meine Tochter das ganze Theater nicht die Bohne interessiert ;) Zudem ist sie erkältet und eigentlich müsste ich es dann ja eh abbrechen. Ich habe auch etwas Sorge vor der Nacht ohne mich. Bei meiner ersten Tochter habe ich es so gemacht, dass ich sie einfach nicht gestillt habe, ihr Weinen ausgehalten und sie getröstet habe. Nach 3 Nächten ging es dann einigermaßen. Aber diese Nächte der Tränen stehen mir so bevor... zudem würde ich gerne tagsüber noch etwas weiterstillen (meist einmal tagsüber). Hast du vielleicht einen Tipp für mich (vielleicht auch was zum Nachlesen), wie ich vorgehen kann? Vielen herzlichen Dank im Voraus!
Liebe Juju2, Stillen ist viel, viel mehr als nur Nahrung für den Körper und deshalb bedeutet Stillen nicht nur, dass das Kind Mahlzeiten an der Brust zu sich nimmt. Das sollte dir absolut bewusst sein, wenn du dein Kind abstillst: du ersetzt nicht einfach nur ein Nahrungsmittel durch etwas anderes. Die immer wieder vorgeschlagene "Curry Methode" (auch Senf Methode genannt) kann einen sehr gravierenden Vertrauensbruch bedeuten. Stellen dir vor, dein kleines Kind kommt vertrauensvoll zu dir, um an der Brust zu trinken und muss dann erfahren, dass die Brust abscheulich schmeckt. Kannst du dir den Schreck und Schock vorstellen? Ich will nicht leugnen, dass Kinder auf diese Weise abgestillt werden, doch um welchen Preis. Wenn du jetzt für dich beschlossen hast, dass du dein Kind abstillen möchtest (was völlig in Ordnung und dein gutes Recht ist!), so kann ich dir nur davon abraten es auf durch "kalten Entzug" zu tun. Dies kann zu einem schweren Bruch in der Beziehung zwischen dir und deinem Kind führen. Am besten wäre es, wenn du schrittweise vorgehen würdest und anfangs stillfreie Stunden einführen würdest. Kennst du Elizabeth Pantley, Autorin des Buchs "Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch: Das 10-Schritte-Progamm für ruhige Nächte“? Pantley hat ein Programm entwickelt, mit dem man älteren Babys, auch Stillkinder, dabei helfen kann, auch ohne Brust oder ständiges Stillen die Nacht zu schaffen. Auch wenn man nicht alle ihre Schritte anwendet, haben viele Mütter doch gute Erfahrungen mit diesem Buch gemacht. Dazu kannst du wie folgt vorgehen: Erkläre deinem Kind schon bei Tag, was sich in der Nacht ändern wird, und versuche, Signale zu definieren, die es wieder erkennen kann (z.B. "erst wenn der Radiowecker angeht, dann darfst du trinken") und die sich eventuell anpassen lassen (den Radiowecker kann man etwa jeden 2. Tag eine viertel Stunde nach hinten programmieren, so dass die Pause immer länger wird). So wird die Nacht allmählich stillfrei. Wenn sich dein Kind dann in der Nacht beschwert, dass es nicht trinken darf (und das kann es natürlich nur durch Weinen oder Schreien), dann tröste es und sprich liebevoll-beruhigend mit ihm, und gestehe es ihm auch wirklich zu, sauer zu sein, aber bleib konsequent beim "Nein", bis der vereinbarte Zeitpunkt (z.B. der Radiowecker geht an) für das Stillen gekommen ist. Dann jedoch solltest du auch von dir aus deinem Kind die Brust anbieten - so lernt es, dass es sich auf dein Wort verlassen kann. Natürlich kannst du deiner Kleinen während der Nacht einen Schluck Wasser oder auch einen Schnuller anbieten, doch sei nicht allzu überrascht, wenn das anfangs mit Wut abgewiesen wird. Die ersten paar Nächte werden nicht einfach werden und dein Kind wird erst einmal toben. Vielleicht kannst du an einem Wochenende beginnen, damit du tagsüber etwas ausruhen kannst. Dein Kind wird sich irgendwann an die neue Situation gewöhnen und ihr werdet das auch schaffen. Je klarer und sicherer DU bist, umso leichter machst du es deinem Kind. Denn unsere Kinder spüren jeden Zweifel in uns und dann fällt es ihnen schwerer, uns zu folgen (im wahrsten Sinne des Wortes). Gib deinem Kind ganz viel Liebe und tröste es, zeige ihm, dass du seinen Schmerz verstehst. Deine Kleine wird das verkraften, denn du bist ihr Leuchtturm und sie wird sich an dir orientieren. Hab Geduld, mit liebevoller Konsequenz schaffst du das! Lieben Gruß Biggi
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