Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Nächtliches Abstillen

Frage: Nächtliches Abstillen

VerCarTra

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Liebe Biggi, ich habe soeben viele deiner Antworten auf gestellte Fragen zum Thema Abstillen gelesen und war berührt von deiner Empathie und deinem Verständnis für jede einzelne Situation der Mütter die verzweifelt, verunsichert und einfach nicht weiter wissen - so wie ich.  Hier unsere Situation. Unser Sohn ist jetzt 19 Monate alt und wird fast ausschließlich zum Einschlafen gestillt. Nun kam es in den letzten Tagen dazu, das ich vermehrt weiße Flecken am Zahnrand gefunden habe und mir sehr große Sorgen mache, dass der Kleine eine Stillkaries entwickelt hat da er nachts sehr viel nuckelt, zwar nicht lange aber doch oft (aktuell ca 5-10mal die Nacht) Zahnarzttermin ist bereits ausgemacht. Daraufhin haben wir beschlossen es heute Abend zu versuchen. Der Papa hat ihn nun ins Bett gebracht und nach zwanzig Minuten wütenden Protestes wurde es stiller und er verlangt nicht mehr nach mir. Jetzt drehen sich meine Gedanken natürlich darum, ob das das richtige Vorgehen ist. In der Vergangenheit hatten wir es auch mehrmals probiert nach ein 1-2 Nächten dann aber wieder verworfen weil ich merkte, wir sind nicht so weit. Nun stehe ich vor dem Dilemma, ich stille tatsächlich sehr gerne und merke das es mir sehr viel bedeutet, bin mir aber gar nicht sicher ob er das noch so braucht da er bei der Tagesmutter innerhalb weniger Minuten einschläft. Ist der abrupte Entzug für ihn in Ordnung und wie gehe ich nachts damit um? Er ist wirklich so schwer zu beruhigen, schreit und windet sich. Ich möchte konsequent bleiben weil ich weiß das er Sicherheit und Orientierung benötigt, wann weiß ich aber das ich nachgeben muss weil es sonst negative Auswirkungen auf ihn hat. Ich möchte ihn ihm niemals das Gefühl auslöse, dass ich nicht da bin und ich mich ihm entziehe.  Danke schonmal für das lesen meiner Zeilen. Viele Grüße 🌞


Biggi Welter

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Liebe VerCarTra, wichtig ist, dass DU hinter deiner Entscheidung stehst, denn dein Sohn spürt jeden Zweifel und wird darauf reagieren. Wenn DU noch gar nicht bereit bist zum Abstillen, wird es schwierig werden und vielleicht ist das Abstillen auch gar nicht nötig (wenn du sowieso nur zum Einschlafen stillst). Weder Langzeitstillen noch nächtliche Stillen leistet entgegen der immer wieder geäußerten Meinung dem Karies Vorschub. Lange gestillte Kinder, die auch zum Einschlafen und während der Nacht gestillt werden, haben nicht mehr Karies als andere Kinder, eher im Gegenteil. Beim Stillen werden die Zähne nicht ständig mit Milch umspült, schon gar nicht die Schneidezähne (!), da im Gegensatz zu einem mit der Flasche gefütterten Kind die Milch erst weit hinter den Zahnleisten in den Mund gelangt und von dort direkt geschluckt wird. Die Milch läuft ja aus der Brust nicht einfach aus (wie das bei der Flasche der Fall ist), das Kind muss aktiv arbeiten und schluckt dann auch. Gestillte Kinder und auch langzeitgestillte Kinder bzw. noch lange während der Nacht gestillte Kinder haben nicht mehr Karies als nicht gestillte Kinder und wenn es zu Karies kommt, dann nicht wegen, sondern trotz des Stillens. Karies wird durch ein Bakterium verursacht (streptococcus mutans), dass die meisten Erwachsenen in ihrem Mund haben. Wenn ein Baby auf die Welt kommt, ist sein Mund in aller Regel noch frei von diesem Bakterium und meist bleibt dies zumindest so lange so, bis der erste Zahn da ist, bei manchen Kindern kommt es auch erst deutlich nach dem ersten Zahn zu einer Besiedelung mit Streptococcus mutans. Ein ganz wesentlicher Übertragungsweg ist übrigens das Ablecken eines runtergefallenen Schnullers durch die Mutter (oder sonst einen Erwachsenen) und das gemeinsame Benutzen eines Löffels oder das Vorkosten des Breis mit dem gleichen Löffel, wie er zum Füttern benutzt wird. Ob ein Mensch (vermehrt) Karies bekommt oder nicht, hängt auch noch von weiteren Faktoren ab: wie gut oder schlecht hat sich die Mutter in der Schwangerschaft ernährt; waren in der Schwangerschaft Antibiotika notwendig; hatte die Mutter in der Schwangerschaft Erkrankungen, die mit hohem Fieber einhergingen; kommen in der Familie genetisch bedingt gehäuft Schmelzdefekte vor; ist das Kind zu früh geboren ... Hier kannst du ein sehr informatives, fundiertes Video dazu anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=sbhR1gmUms4 Harry Torney, ein britischer Zahnarzt hat in Nottingham auf einer LLL Europakonferenz einen Vortrag zum Thema "Breastfeeding and Dental Health" gehalten und in seinem Vortrag aufgezeigt, dass es keinen Zusammenhang mit vermehrtem Auftreten von Karies und Langzeitstillen gibt. Natürlich kannst du auch abstillen, wenn du bereit dazu bist. Das Wichtigste ist jetzt allerdings wirklich, dass du Klarheit für dich bekommst. Möchtest du sofort komplett abstillen, oder wäre ein "wir stillen nur noch abends zum Einschlafen und morgens vor dem Aufstehen" auch ok für einige Zeit? Je klarer für dich ist, was dein Ziel ist, desto besser lässt es sich erreichen. Denn unsere Kinder spüren jeden Zweifel in uns und dann fällt es ihnen schwerer, uns zu folgen (im wahrsten Sinne des Wortes). Dein Sohn spürt jetzt deinen Zwiespalt und da er sich nicht hinsetzen und sagen kann „Mama, ich spüre, dass du dir nicht sicher bist, was jetzt das Richtige ist, deshalb werde ich dir jetzt bei deiner Entscheidungsfindung helfen" reagiert er auf deine Zweifel mit Unruhe, Weinen und Verunsicherung. Er hat keine anderen Ausdrucksmöglichkeiten als Weinen und (vermehrte) Anhänglichkeit. Kinder sind für „geordnete Verhältnisse", Unsicherheit und Zweifel bringen sie aus dem Gleichgewicht. Gib deinem Kind ganz viel Liebe und tröste es, zeige ihm, dass du seinen Schmerz verstehst. Dein Kleiner wird es verkraften, denn du bist sein Leuchtturm und er wird sich an dir orientieren. Hab Geduld, mit liebevoller Konsequenz schaffst du das!    Lieben Gruß  Biggi


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