harmony86
Lieber Dr. Costa, vielen Dank erstmal dass Sie sich meiner Frage annehmen! Ich stehe gerade ziemliche Sorgen wegen eines unbedachten Handelns meinerseits aus und bitte Sie um Rat und Ihre Einschätzung. Ich habe am Wochenende einen Tilsiter-Käsesnack (kleine Würfel) im Discounter gekauft, ich war damit auf einem Ausflug, sodass die Kühlkette bei ca. 25 Grad Außentemperatur für 3 Stunden unterbrochen war. Dann öffnete ich die Verpackung und aß 5 bis 6 Würfel des Tilsiters. Am Abend hatte ich Durchfall und Schweißausbrüche. Meine Hebamme sagte mir, dass Tilsiter als Halbhartkäse Listerien begünstigt und dass der Käse, da er nicht vom namenhaften Hersteller stammt, einige Zwischenschritte (sogenanntes Zwischenprodukt) in der Produktion durchlaufen hat und so leichter Kontaminationen auftreten. Für mich im Nachhinein sehr logisch, aber ich kann den Vorfall mit dem Tilsiter und der unterbrochenen KÜhlkette leider nicht rückgängig machen. Ich sehe da eine reale Gefahr mich mit Listerien infiziert zu haben und nun Schäden oder sogar den Tod bei meinem Baby bewirkt zu haben. Diese Vorstellung ist sehr schlimm. Mein Gynäkologe hat nun eine Stuhlprobe (Stuhlkultur wird angelegt) eingeschickt, da er sagt, das Blutanalysen keine brauchbaren Ergebnisse liefern. Ich bin vollkommen verzweifelt und stehe Sorgen aus, die auch meine Tochter und Mann sehr mitbekommen. Einen Termin beim Psychologen habe ich diesbezüglich schon. Wie schätzen Sie das Risiko einer Listeriose und Übertragung auf das Ungeboren durch den Tilsiter mit unterbrochener Kühlkette ein ? Geht ein Listerienkontakt der Mutter über kontaminierte Lebensmittel zwangsläufig mit Übertragung auf das Ungeborene einher ? Sollte eine prophylaktische Antibotikagabe erfolgen ? Wie verlässlich ist Ihrer ärztlichen Erfahrung nach eine Stuhlkultur über mehrere Tage einige tage nach dem Ereignis? Ich danke Ihnen sehr für Ihre Aufmerksamkeit und das geduldige Lesen und Beantworten meines sehr langen Anliegens, das mich so sehr beschäftigt! Vielen Dank
Mir ist es nicht ganz klar, woher Ihre Hebamme diese Infos über die Herstellung von Tilsiter bei "nicht namhaften Herstellern" nimmt - ich nehme an, dass sie in der Produktion gearbeitet hat, bevor sie Hebamme wurde oder jemanden kennt, der einen Vergleich zwischen "namhaften" und "nicht-namhaften" Herstellern durchgeführt hat. Mit Laboruntersuchungen und allem, was dazu gehört. Unter uns - das alles ist sehr unwahrscheinlich und ich stufe diese Aussagen als "Halbwissen" ein. Wenn das stimmen würde, könnten alle Discounter gerade zu machen, weil sie "versifften" Käse anbieten... Und wir müssten ein Vielfaches für "sauberen Käse" im Feinkost- oder Bioladen ausgeben, wo wir mit dem Fahrrad oder dem E-Bike hinfahren und ein Jute-Beutel dabei haben... Es leben die (reichen) Grünen !... Wenn Sie an jenem Tag nichts anderes gegessen und getrunken haben, außer diese 5-6 Würfel Tilsiter-Käsesnack, dann käme der Käse für den Durchfall und die Schweißausbrüche am selben Abend in Frage. Sonst müssten Sie all das berücksichtigen, was Sie sonst gegessen und getrunken haben. Dieser akute Zustand ist typisch für manche Bakterien, nicht jedoch für Listerien. Meistens gibt es keine Symptome, gelegentlich kann es zu einer Erkrankung kommen, die häufig nur mit leichtem Fieber verläuft. Was auch gelegentlich passieren kann, ist, dass es innerhalb weniger Stunden bis zu 2 Tagen zu einer schweren, fieberhaften, kurzandauernden Gastroenteritis (Magen-Darmentzündung) kommen kann. Wie Sie sehen, geht die (selten sich so zeigende) Listeriose mit Fieber einher. Darüber hatten Sie ja nichts berichtet und ich nehme an, dass das nicht der Fall war. Trotzdem denke ich, dass die Untersuchung von Listerien im Stuhl durch Ihren Gynäkologen eine gute Maßnahme ist. Warten Sie zunächst die Ergebnisse der Untersuchung ab. Das Risiko einer Listeriose und der Übertragung auf das Ungeborene durch den Tilsiter mit unterbrochener Kühlkette schätze ich als sehr klein ein. Nicht "Null", aber sehr klein. Diese "unterbrochene Kühlkette" tritt fast immer auf, wenn man einkaufen fährt und spielt in den allermeisten Fällen keine Rolle, wenn die Verpackung intakt ist. Ein Listerienkontakt der Mutter über kontaminierte Lebensmittel geht nicht auf das Ungeborene über. Das passiert äußerst selten. Eine prophylaktische Antibotikagabe ist nicht indiziert. Die Stuhlkultur über mehrere Tage einige Tage nach dem Ereignis ergibt einige Informationen, sie sollte nicht allein betrachtet werden sondern im Zusammenhang mit vielen anderen Dingen, die ein Arzt zu berücksichtigen hat. Ihre Sorgen verstehe ich, zumal sie mit etlichen Informationen konfrontiert worden sind, die den Schein haben, dass sie richtig seien. Aber warten Sie einfach nur ab, was Ihr Gynäkologe herausfindet und versuchen Sie, sich doch zu beruhigen.
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