Frage: Verhalten nach einem Unfall

Hallo Herr Dr. Posth, meinem Sohn (4,5) ist vor 4 Wochen eine Glasscheibe auf die Hand gefallen. Die Schnittwunde wurde genäht und die Hand ist jetzt auch wieder einigermaßen ok. Allerdings war er aufgrund dieser Verletzung und eines vorangegangenen Infekts 4 Wochen nicht im Kindergarten, sondern bei den Großeltern. Seit er wieder in den Kiga geht (2,5 Wochen) verweigert er dort alles, sogar den Englischkurs, der eigentlich immer sein Highlight der Woche war. Er sitzt meist sehr zurückgezogen da und reagiert nur sehr selten auf Ansprache von den Erzieherinnen oder seinem Freund. Bislang sagte seiner Erzieherin, dass sich das bestimmt bald wieder gibt und er ja schon öfters solche Phasen hatte, aber sein Freund hat auch schon keine Lust mehr mit ihm zu spielen, weil er ja ohnehin nicht mitspielt. Gestern sprach mich eine andere Erzieherin an, die mir sagte, dass man kaum mit ihm reden könne, er nur dasitzt und vor sich hinstarrt und auf nichts reagiert. Kann ein Unfall ein Kind derart verunsichern, dass es solche Rückschritte macht? Wie kann ich ihm helfen? Danke Ulli

Mitglied inaktiv - 23.06.2004, 10:52



Antwort auf: Verhalten nach einem Unfall

Liebe Ulli, die Reaktion Ihres Sohnes, die Sie mir schildern, kommt mir auch ein bißchen viel für das vorausgegangene Trauma vor, ich weiß allerdings nicht, unter welchen Umständen z.B. die Erstversorgung im Krankenhaus stattgefunden hat, usw. Vielleicht hat Ihr Sohn das alles viel dramatischer erlebt, als es Ihnen bewußt ist. Vielleicht hat aber auch die kindergartenfreie Zeit bei den Großeltern etwas ausgelöst, von dem Sie noch nichts wissen. Diesen möglichen Ursachen sollten Sie unbedingt nachgehen und auch Ihren Sohn gezielt danach fragen. Vielleicht müssen Sie das Traumageschehen noch mehrmals durchspielen. Hat es harte Reaktionen elternseits gegeben, z.b. Strafe etc.? Oder hat sich etwas im Kindergarten geändert, worauf Ihr Sohn nicht gefaßt gewesen ist? Viele Grüße

von Dr. med. Rüdiger Posth am 26.06.2004



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