Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Verhalten mit 21 Monaten

Frage: Verhalten mit 21 Monaten

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Lieber Herr Dr. Posth, schön, dass Sie wieder hier sind! Hoffentlich haben Sie sich gut erholt? Um das Verhalten unserer Tochter (21 Monate) besser einordnen zu können, möchte ich es gern kurz schildern: Sie strebt altersgemäß eindeutig nach Selbständigkeit. Ihre momentanen Lieblingsworte sind "selber" "leine (alleine)" und "nein" ;-) Sie ahmt uns in allem nach und möchte -am liebsten bis hin zu Papas After Shave- alles genauso haben und bekommen wie wir. Sie fängt nun auch an zu trotzen. Jedoch in moderatem Maß und beruhigt sich auch schnell wieder. Papa ist momentan ihr großer Star und ich freue mich über die gute Beziehung der Beiden, da ich um ihre Wichtigkeit im Hinblick auf die Loslösung weiß, Sie ist meist sehr geschäftig und beschäftigt. Sie ist ein eher sanftes und sehr sensibles Kind. Was mich zur Zeit etwas verunsichert ist Ihr Verhalten, wenn ich mal ohne sie weg mußte, was wirklich nicht oft vorkommt (maximal alle 14 Tage für 2-3 Stunden). Sie wird dann von Bezugspersonen (Großeltern oder Papa) zu Hause betreut. Sie weint oft ein bißchen, wenn ich gehe. Wenn ich wiederkomme, freut sie sich zunächst, doch dann jammert sie mich auch ein bißchen an und ist vor allen Dingen sehr anhänglich, möchte meist den Rest des Tages auf meinem Arm oder mir zumindest sehr nahe sein. Sie ist dann auch nicht mehr selbständig im Spiel, sondern klebt förmlich an mir. Am nächsten Tag ist normalerweise alles wieder ok. Zudem scheint sie momentan Trennungsängste zu entwickeln, wenn es ums abendliche Einschlafen geht. Sie ruft noch ein paar Mal, möchte nochmal schmusen oder dass ich im Zimmer bleibe (mache ich dann natürlich auch). Wenn ich tags weg war oder mein Mann geschäftlich über Nacht weg war, schläft sie hin und wieder auch bei uns im Bett, da sie diese Nähe richtiggehend verlangt. Nun meine konkrete Frage: Ist dieses Verhalten in dem Alter als normal einzustufen? Oder hat sie Probleme bei der Loslösung? Ist sie nicht sicher gebunden? Wir haben sie nie schreien lassen oder derartiges, waren und sind immer sehr sanft und ruhig mit ihr. Sie ist adoptiert und hatte in ihren ersten Lebenstagen sicher einen schwereren Start als die meisten Babies (wechselnde Personen etc.). Wie interpretiere ich ihr Verhalten richtig und wie verhalte ich mich richtig? Bisher handhabe ich es so, dass ich ihren Bedürfnissen nach Nähe immer nachkomme und ihr viel Liebe und Zuwendung gebe. Ist es richtig, die "Fremdbetreuung", die ohnehin nicht oft ist, bewußt noch mehr einzuschränken, solange sie es offensichtlich nicht so gut verträgt? Entschuldigung, dass es so lang geworden ist. Doch ich denke, je mehr Sie wissen, desto besser können sie beurteilen. Schon jetzt vielen Dank für Ihre Antwort, die ich wie immer sehr schätzen werde. Herzliche Grüße.


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Hallo, ja, ich habe mich gut erholt, vielen Dank. Also nach dem, was Sie schildern, scheint mir Ihre Tochter sicher gebunden und bewegt sich jetzt gut in Richtung einer erfolgreichen Loslösung. Über die Zwiespältigkeit (Ambivalenz) der Gefühle hierbei habe ich ja schon oft hingewiesen. Ein Kind möchte am liebsten alle Schritte immer selbst bstimmen. Wenn Sie jetzt einmal von ihr weggehen, entspricht das natürlich nicht mehr ganz der Selbstbestimmung, und es gibt etwas Protest. Ich denke aber, daß diese Belastung Ihrer Tochter zuzumuten ist, da sie sich ja auch an Fremdbetreuung gewöhnen soll. Sie muß nur einen positiven Bezug zur Fr.-betreuungsperson aufgebaut haben. Die abendliche "Trennung" sollten Sie weiter so tolerant und liebevoll gestalten mit einem entsprechenden Einschlafritual, an dem sich auch der Vater beteiligen sollte. Viele Grüße


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