Sehr geehrte Frau Henkes, wir haben seit ein paar Monaten Probleme mit unserem Sohn (gerade 5 geworden). Er hatte schon früh eine extreme orale Phase, die auch nie wirklich aufgehört hat, mal mehr mal weniger stark ausgeprägt. Nun ist es so, dass er seit Dezember richtige Ticks entwickelt. Er leckt sich oft die Hände (wenn er überfordert oder müde ist kommt es noch häufiger vor, aber auch einfach so, während er spielt oder spricht, auch beim Essen oder Fernseh gucken), leckt auch wenn wir spazieren gehen plötzlich einen Laternenmast ab. Nun hat er auch schon Blätter in den Mund genommen (geht seitdem er 3 Jahre alt ist in einen Waldkindergarten pro Tag von 8 bis 14 Uhr) und gestern hat er ein Armband in seinen Mund genommen und es sich so tief nachgedrückt, dass er würgen musste. Dies hat uns seine Erzieherin beim abholen mitgeteilt. Als er mit dem Verhalten begonnen hat, habe ich ihn erst deswegen ermahnt und ihm gesagt, dass das eklig sei und auch manchmal geschumpfen vor lauter Frust. Unser Kinderarzt meinte dann, am besten ignorieren. Das machen wir auch, nur versuchen wir dann mit ihm darüber zu sprechen, wenn er etwas gefährliches in den Mund nimmt (wie Blätter oder sich selbst zum würgen bringt). Er hat deswegen einmal erbrochen, das hat ihn aber selbst so erschrocken, dass es nur einmal vorgekommen ist. Wir haben auch da nicht mit ihm geschumpfen sondern normal darüber gesprochen. Ich mache mir aber große Sorgen, weil ich einfach den Grund nicht verstehe. Er geht sehr gerne in den Kindergarten, es ist nie ein Thema dass er nicht gehen will. Er ist sehr eifrig dabei. Zuhause haben wir viel Zeit für ihn, mein Mann und ich sind mittags fast jeden Tag beide Zuhause, einer ist immer da. Beim letzten Entwicklunsgespräch vor drei Wochen war seine Bezugserzieherin auch zufrieden mit seiner Entwicklung. Nur was sowohl die Erzieherin als auch unser Kinderarzt meinten ist, dass er emotional-sozial viel weiter entwickelt sei als altersgerecht. Er ist auch sehr sensibel und fühlt sehr mit. Er macht sich viele Gedanken wenn es Streit gibt, auch schlichtet er immer im Kindergarten wenn sich dort Kinder untereinander streiten. Zeitgleich steht das Thema ADHS im Raum, da er eine extreme motorische Unruhe hat, auch im Kindergarten schafft er es kaum, bei den Essenszeiten zu sitzen. Zuhause haben wir dafür eine Lösung gefunden (Stempel, wenn er während des Essens sitzen bleibt, bis er satt ist). Wir waren vor einem Monat nochmals beim Kinderarzt, er hat uns eine Überweisung für einen Kinderpsychologen gegeben. Ich habe aber erst in ein paar Monaten einen Termin bekommen und wollte Sie fragen, ob Sie uns Tipps haben, wie wir damit am besten umgehen können? Ich habe ihm mehrere Angebote gemacht von Kauhalsketten über ein zusätzliches Halstuch welches er kauen kann. Aber alles mag er nur für wenige Tage und dann weigert er sich, die Sachen zu benutzen. Wenn ich ihn frage, wieso er denn die Sachen in den Mund nimmt, dann weiß er es nicht. Aber er schämt sich glaube ich dafür, zumindest läuft er weg wenn ich mit ihm reden möchte und wechselt unaufhörlich das Thema, egal wie ruhig und offen ich ins Gespräch gehe. Ich freue mich auf ihre Antwort.