wowugi80
Sehr geehrte Frau Henkes, Mein Sohn ist im Januar sechs Jahre alt geworden und besucht sehr gerne seinen Kindergarten. Bereits seit längerer Zeit finden dort zwischen ihm und einigen anderen Kindern auch immer wieder Körpererkundungspiele statt. Zum Beispiel weiß ich, dass er und sein bester Freund sich vor etwa einem Jahr, der Freund ist etwa neun Monate jünger, gegenseitig den Penis in den Mund genommen haben. Ich bin mir bei den beiden sicher, dass sie das im gegenseitigen Einvernehmen gemacht haben. Nun hat mein Sohn mir neulich erzählt, dass er auch einen weiteren Jungen noch darum gebeten hatte, ebenfalls seinen Penis in den Mund zu nehmen. Das war kurz nach den Sommerferien, der Junge hat die Gruppe mittlerweile in einen anderen Kindergarten verlassen. Mein Sohn erzählte mir, dass er den Jungen darum gebeten hatte "ich hab Bitte, Bitte gesagt." Der Junge hat das getan. Ich weiß von dieser Begebenheit erst seit einigen Tagen, sie hat mich sehr nachdenklich werden lassen, denn ich dachte bisher, dass diese Penis Geschichte nur einmalig mit seinem besten Freund stattgefunden hatte. Mein Sohn erzählte mir ganz im Vertrauen, dass ihm das so gut gefallen habe und dass er das so gerne wieder tun möchte. Außerdem würde er so gerne auch mal die Scheide seiner Freundin mit dem Mund berühren. Ich habe ihm erklärt, dass es vollkommen normal ist, dass Kinder sich gegenseitig erkunden und neugierig auf den Körper des anderen sind, dass Körperteile allerdings nicht in den Mund gehören und dass man Kinder auf keinen Fall überreden darf, etwas zu tun, was sie möglicherweise gar nicht wollen. Außerdem natürlich, dass man keine Gegenstände benutzen darf und nichts in den Körper einführt. Mein Gefühl sagt mir, dass er derjenige ist, der diese Spiele von den anderen Kindern einfordert. Seine Freundin zeigt ihm zum Beispiel ihre Scheide im Austausch gegen ein bestimmtes Spielzeug, dass er ihr dann verspricht. Auch das finde ich nicht okay und habe mit ihm darüber geredet, dass die Motivation für solche Spiele immer von beiden Kindern ausgehen muss. Der Kindergarten ist grundsätzlich ein sehr aufmerksamer Kindergarten mit sehr liebevollen Erziehern, aber die Kinder sind clever. Offensichtlich stellen sie andere Kinder als "Wachen" auf, die darauf achten, dass sie von den Erwachsenen nicht erwischt werden. Und sie wissen natürlich genau, wo sie sich zurückziehen können. Ich hatte schon den Eindruck, dass mein Sohn verstanden hat, was ich ihm gesagt habe. Er ist aber jemand der Grenzen gerne missachtet, besonders im Kindergarten fällt er auch dadurch auf, dass er sich nicht gut an Regeln halten kann. Auch die Möglichkeit von ADHS steht im Raum. Ich bin nun recht unsicher wie ich mich verhalten soll. Ich möchte nicht, dass mein Kind eines Tages übergriffig gegenüber einem anderen Kind wird, weil er nicht versteht, wo die Grenzen liegen. Oder weil er sie einfach ignoriert, beziehungsweise erst handelt und dann denkt. Sollte ich mit den Erziehern ins Gespräch gehen und darum bitten, ein extra Auge auf ihn zu haben? Und gibt es Literatur, die sie mir empfehlen können, die ich mit meinem Sohn gemeinsam anschauen kann und die diese Themen gut behandelt? Er ist bislang zum Beispiel nur insofern aufgeklärt, als dass er weiß, dass die Babys im Bauch ihrer Mutter wachsen und durch die Scheide geboren werden. Wie genau sie dort hinein kommen, weiß er nicht. Auch da frage ich mich, wann sollte ich ihn da besser aufklären oder bringe ich ihn damit nur auf noch wildere Gedanken? Ich selbst kann da aus keinem guten Erfahrungsschatz schöpfen, meine Eltern waren Altachtundsechziger und haben mich damals sehr überfordert mit ihrer frühen und schonungslosen Aufklärung. Entschuldigen Sie den langen Text, ich würde mich sehr über eine Antwort freuen. Vielen Dank und viele Grüße!
Guten Tag, ich denke, Sie sollten unbedingt das Gespräch mit den ErzieherInnen suchen, damit diese ein Auge auf Ihren Sohn und die beteiligten Kinder haben können. Ich empfehle Ihnen auch, mit den Eltern der Freundin zu sprechen, damit diese ihre Tochter so stärken, dass sie sich nicht auf sexuelle Handlungen gegen Geschenke oder Bestechungen einlässt. Für Ihren Sohn ist es sehr wichtig, dass Sie mit ihm üben, ihm gesetzte Grenzen zu beachten. Das kann ihm helfen, später nicht übergriffig gegen andere Kinder zu werden. Er verhält sich anderen Kindern gegenüber bereits manipulativ, indem er sie auf verschiedene Weise motiviert, sexuelle Handlungen zu seinem Lustgewinn auszuüben. Das geht über Körpererkundungsspiele hinaus. Eine weitergehende Sexualaufklärung benötigt Ihr Sohn zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht. Wenn er Ihnen diesbezügliche Fragen stellt, sollten Sie ihm diese ehrlich beantworten. Literaturempfehlungen habe ich leider keine. Möglicherweise finden Sie Bücher, die Kinder stärken wollen, beim Kinderschutzbund oder bei Organisationen wie Zartbitter. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
Liz123
Ich würde meine Kinder von Kindern wie deinem fernhalten. Wo hatte so ein kleines Kind schon Berührungspunkte mit Oralsex??
wowugi80
Liebe Liz, vielen Dank für deinen hilfreichen Beitrag. Mein Kind hatte natürlich noch keine Berührungen mit Oralsex. In unserem Haushalt gibt es keine pornographischen Bilder, wir haben keinen Fernseher, unsere Kinder dürfen weder allein ans Handy noch ans Tablet. Es ist aber auch nicht richtig bei einem fünfjährigen Kind von "Oralsex" zu sprechen. Soweit ich informiert bin, haben sich damals mehrere Kinder in der Gruppe miteinander angestachelt und es ging darum, wer sich traut, den Penis eines anderen Kindes in den Mund zu nehmen "und sein Pippi zu trinken". (Stell dir an dieser Stelle gern vor, wie etwa sechs kleine Jungs sich vor Lachen schütteln.) Und zwei beste Freunde dann einvernehmlich ausprobieren, wie das wohl ist, dieses Körperteil in den Mund zu nehmen. Das angenehme Gefühl, dass sich beim Berühren seines Penis eingestellt hat, hat meinem Sohn gefallen. Der Wunsch dieses angenehme Gefühl wieder zu fühlen, ist erstmal nachvollziehbar, oder? Auf erwachsene Weise sexuell konnotiert als "Oralsex" ist es aber nur in deinem Kopf. Du weißt was das ist. Mein Sohn nicht. Er hat keine Ahnung dass Erwachsene sowas tun. Es obliegt uns Erwachsenen unseren Kindern beizubringen, was erlaubt ist und was nicht. Kinder haben nicht von sich aus eine Moral. Und an dieser Stelle war ich als Elternteil offensichtlich nicht aufmerksam genug. Dieses Versäumnis war mein Fehler und ich werde nun ins Gespräch mit der Kita gehen. Das Gespräch mit meinem Sohn habe ich ja bereits geführt, wie du lesen kannst. Und selbstverständlich werden sich auch weitere Gespräche anschließen. Ich habe mein seit meinem Beitrag hier recht viel zu dem Thema recherchiert. Vielleicht interessiert es dich auch, dich dazu weiterzubilden? Es könnte dir möglicherweise eines Tages helfen, wenn du selbst entweder als Elternteil in eine solche Situation gerätst oder jemanden kennst, dem ähnliches passiert. Ich verlinke dir hier einmal einige Artikel. Herzliche Grüße! https://www.erzieherin.de/paedagogischer-umgang-mit-sexuellen-uebergriffen-unter-kindern.html https://www.erzieherin.de/files/einrichtungsleitung/Seite_78-81_69382103_KiTa_Recht_2021_03_Innenteil_Walzholz.pdf
Simone123456
Liebe Liz123, ich finde deine Antwort wirklich schockierend. Wenn man den Beitrag oben aufmerksam gelesen hat, geht die Mama absolut vorbilich und offen mit der Situation um. Man sollte sich wünschen, dass mehr Eltern sich genau auf diese Art damit auseinandersetzten und nicht so wie du sofort verurteilen und stigmatisieren. Was du mit deinem Beitrag auslösen wolltest erschließt sich mir nicht. Ja, es ist ein sensibles Thema und es bedarf eines sensiblen Umgangs! Bei keiner Zeile hatte ich Sorge, dass die Mama, die den Beitrag verfasst hat das nicht genau so macht. Dir wünsche ich, dass du selbst mit deinen Kindern nie in eine solche Situation geräts und wenn doch du dich vorher ein wenig damit auseinandersetzt. Viele Grüße
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