Sehr geehrte Frau Henkes, Mein Sohn ist im Januar sechs Jahre alt geworden und besucht sehr gerne seinen Kindergarten. Bereits seit längerer Zeit finden dort zwischen ihm und einigen anderen Kindern auch immer wieder Körpererkundungspiele statt. Zum Beispiel weiß ich, dass er und sein bester Freund sich vor etwa einem Jahr, der Freund ist etwa neun Monate jünger, gegenseitig den Penis in den Mund genommen haben. Ich bin mir bei den beiden sicher, dass sie das im gegenseitigen Einvernehmen gemacht haben. Nun hat mein Sohn mir neulich erzählt, dass er auch einen weiteren Jungen noch darum gebeten hatte, ebenfalls seinen Penis in den Mund zu nehmen. Das war kurz nach den Sommerferien, der Junge hat die Gruppe mittlerweile in einen anderen Kindergarten verlassen. Mein Sohn erzählte mir, dass er den Jungen darum gebeten hatte "ich hab Bitte, Bitte gesagt." Der Junge hat das getan. Ich weiß von dieser Begebenheit erst seit einigen Tagen, sie hat mich sehr nachdenklich werden lassen, denn ich dachte bisher, dass diese Penis Geschichte nur einmalig mit seinem besten Freund stattgefunden hatte.  Mein Sohn erzählte mir ganz im Vertrauen, dass ihm das so gut gefallen habe und dass er das so gerne wieder tun möchte. Außerdem würde er so gerne auch mal die Scheide seiner Freundin mit dem Mund berühren. Ich habe ihm erklärt, dass es vollkommen normal ist, dass Kinder sich gegenseitig erkunden und neugierig auf den Körper des anderen sind, dass Körperteile allerdings nicht in den Mund gehören und dass man Kinder auf keinen Fall überreden darf, etwas zu tun, was sie möglicherweise gar nicht wollen. Außerdem natürlich, dass man keine Gegenstände benutzen darf und nichts in den Körper einführt.  Mein Gefühl sagt mir, dass er derjenige ist, der diese Spiele von den anderen Kindern einfordert. Seine Freundin zeigt ihm zum Beispiel ihre Scheide im Austausch gegen ein bestimmtes Spielzeug, dass er ihr dann verspricht. Auch das finde ich nicht okay und habe mit ihm darüber geredet, dass die Motivation für solche Spiele immer von beiden Kindern ausgehen muss. Der Kindergarten ist grundsätzlich ein sehr aufmerksamer Kindergarten mit sehr liebevollen Erziehern, aber die Kinder sind clever. Offensichtlich stellen sie andere Kinder als "Wachen" auf, die darauf achten, dass sie von den Erwachsenen nicht erwischt werden. Und sie wissen natürlich genau, wo sie sich zurückziehen können. Ich hatte schon den Eindruck, dass mein Sohn verstanden hat, was ich ihm gesagt habe. Er ist aber jemand der Grenzen gerne missachtet, besonders im Kindergarten fällt er auch dadurch auf, dass er sich nicht gut an Regeln halten kann. Auch die Möglichkeit von ADHS steht im Raum. Ich bin nun recht unsicher wie ich mich verhalten soll. Ich möchte nicht, dass mein Kind eines Tages übergriffig gegenüber einem anderen Kind wird, weil er nicht versteht, wo die Grenzen liegen. Oder weil er sie einfach ignoriert, beziehungsweise erst handelt und dann denkt. Sollte ich mit den Erziehern ins Gespräch gehen und darum bitten, ein extra Auge auf ihn zu haben? Und gibt es Literatur, die sie mir empfehlen können, die ich mit meinem Sohn gemeinsam anschauen kann und die diese Themen gut behandelt? Er ist bislang zum Beispiel nur insofern aufgeklärt, als dass er weiß, dass die Babys im Bauch ihrer Mutter wachsen und durch die Scheide geboren werden. Wie genau sie dort hinein kommen, weiß er nicht. Auch da frage ich mich, wann sollte ich ihn da besser aufklären oder bringe ich ihn damit nur auf noch wildere Gedanken? Ich selbst kann da aus keinem guten Erfahrungsschatz schöpfen, meine Eltern waren Altachtundsechziger und haben mich damals sehr überfordert mit ihrer frühen und schonungslosen Aufklärung. Entschuldigen Sie den langen Text, ich würde mich sehr über eine Antwort freuen. Vielen Dank und viele Grüße!