Ninella A.
Liebe Frau Henkes, unsere Tochter ist 5 Jahre alt. Sie ist schon immer eher der emotionalere Typ. Vor 4 Monaten sind wir umgezogen und sie musste den Kindergarten wechseln. Natürlich war das alles sehr viel. Dennoch hat sie es gut gemeistert und hat bereits sehr viel Anschluss zu den Kindern in der Straße und im Kindergarten. Vor den Umzug ging es schon los mit viel Rumgeschreie, bei Kleinigkeiten, sie haut sich auch ab und zu selbst. Das extreme Schreien ist besser geworden und auch das Hauen kommt deutlich seltener vor, dennoch explodiert sie ständig oder fängt sofort an zu weinen. Auch schiebt sie oft vor, dass ihr etwas weh tun würde oder sagt sie sei Schuld oder ist dumm. Wir sind oft am verzweifeln, wir versuchen so gut es geht ruhig zu bleiben sie zu bestärkrn und ihr Wege zu zeigen wie sie mit der Wut oder prinzipiell mit den Emotionen umgehen kann, es scheint nur irgendwie gar nicht anzukommen. Wir fragen uns einfach bis zu welchen Punkt ist das normal, eine Phase? Gleichzeitig ist sie von der Entwicklung her recht weit, sie hat schon früh viel und deutlich gesprochen, sie zählt, schreibt ihren Namen und andere leichte Worte. Haben Sie einen Rat für uns und unsere Tochter. LG Ninella
Guten Tag, das Verhalten ihrer Tochter ist in diesem Alter ganz normal. Sie ist noch sehr damit beschäftigt, wie sie mit ihrer Wut und Frustrationen umgehen kann. Dieser Prozess dauert eine Weile. Bis dahin ist sie mit heftigen Gefühlen und deren Regulierung noch überfordert. Das führt zu Wutausbrüchen und Weinen. Auch das autoaggressive sich selber Schlagen dient der Abfuhr von Wut. Gehen Sie darauf möglichst wenig ein. Meist tun Kinder sich dabei nicht weh. Fehlende Aufmerksamkeit lässt das Verhalten oft am besten verschwinden. Wenn Ihre Tochter wütend wird, können Sie sie trösten und beruhigen. Für sie ist es schlimm, dass sie von solch heftigen Gefühlen noch überwältigt wird und sich selber noch nicht aus der Situation lösen kann. Begleiten Sie Ihre Tochter fürsorglich, wenn ihr angeblich etwas wehtut. Sorgen Sie dafür, dass sie sich dann von Ihnen gut betreut fühlt. Wenn sie sich selber schlechtmacht, können Sie sie fragen, worin sie sich für zu dumm halte. Dann können Sie Ihre Meinung dagegensetzen oder weiter fragen, warum sie denn glaube, das mit fünf Jahren können zu müssen. Auf ähnliche Art können Sie mit ihr das Gespräch suchen, wenn sie sich die Schuld an etwas gibt. Mit zunehmender Selbstentwicklung wird Ihre Tochter auch mehr Selbstwertgefühl entwickeln, was ihr bei der Bewältigung von Frustrationen helfen wird. Zudem ist es sehr wichtig, dass Ihre Tochter erleben kann, dass Sie sie umfassend für gut und richtig halten. Das hilft ihr auf Dauer, diese innere Einstellung für sich selber zu übernehmen. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
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