Sonnenkäferchen
Guten Morgen, unsere 11jährige Tochter ritzt sich, anscheinend auch schon länger. Diese Info gab es von der Vertrauenslehrerin der Schule, wo sie mit Freundinnen war. Sie sagt, dass eine Stimme im Kopf ihr das sagen würde. Es würde nur abends im Bett auftreten wenn sie alleine ist. Sie selbst sagt, dass alles in Ordnung wäre ansonsten. Schule läuft gut und problemlos, sie hat Freundinnen, Hobbys. Überlastung verneint sie. Soziales Umfeld okay, keine Geldsorgen, keine Trennung, zwei größere Geschwister, wo vor allem zur Schwester (15) ein gutes Verhältnis besteht. Sie selbst hat keine wirkliche Erklärung für das Ritzen bzw die isoliert auftretende Stimme. Ein Termin beim Psychologen ist gemacht, dauert aber noch. Aktuell schläft sie, auf ihren Wunsch hin, bei mir (Vater derzeit nach geplanter OP im KH, allerdings eher kein Grund, da das SVV deutlich länger besteht). Seitdem kein SVV mehr. Allerdings besteht sie darauf, dass ich mich mit ihr hinlege. Ein Versuch mit entspannender CD in unserem Bett einzuschlafen ist gescheitert und sie kam nach ca 15 Minuten zu mir ins Wohnzimmer ( erschien mir ängstlich). Wie verhalte ich mich richtig? Messer aus dem Hochbett entfernen ( da hat sie das abends gemacht)? Weiter bei mir/ uns schlafen lassen wenn sie möchte? Thematisieren oder lieber auf Therapeutentermin warten? Vielen Dank!
Dr. med. Ludger Nohr
Hallo, es ist gut, dass das Problem jetzt bekannt ist und Sie auch schon einen Termin bei einem Psychotherapeuten gemacht habe. Ritzen ist ein deutliches Signal für eine seelische Problematik, die in der Regel den Kindern nicht bewusst ist (deshalb kann sie auch keinen Grund nennen) oder zu sehr schambesetzt ist. Das Ritzen führt zu einer Entlastung vom eigentlichen Stress, der sonst subjektiv nicht ausgehalten werden kann. Den Hintergrund herauszufinden ist die Aufgabe des PT, der mit speziellen Testverfahren unbewusste Konflikte erkennen kann. Da sie selbst das Alleinsein als gefährliche Situation beschreibt (vielleicht ein wichtiges Thema), sollte sie bis dahin die Möglichkeit haben, dies zu vermeiden. Wie das konkret aussieht (bei Ihnen, bei gr. Schwester, mit offener Tür o.ä.) können sie miteinander absprechen. Und natürlich gehört kein Messer in ein Bett, ändert aber an dem Problem nichts. Es ist wichtig zu wissen, dass Ihre Tochter das nicht einfach lassen kann, auch wenn sie sich das fest vornimmt. Vorhaltungen nützen gar nichts, aber vielleicht hilft das Angebot/Absprache, sich in solchen Drucksituationen direkt an Sie zu wenden, zur Überbrückung. Dr.Ludger Nohr
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