Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

Probleme mit Trennung?

Frage: Probleme mit Trennung?

Vanessa_firenze

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Guten Tag Frau Henkes, So langsam verzweifle ich wirklich mit meinem 3,5 jährigen Sohn. Er kam mit 2 Jahren in die Kita. War nie ein Problem. Natürlich hat er hier und da auch mal geweint morgens, aber im Großen und Ganzen geht er gerne und problemlos zur Kita. Ende 2022 ging es plötzlich los, dass er morgens ein riesen Fass aufgemacht hat und nicht wollte, dass ich gehe. Es war echt ein Kampf jeden Morgen. Das haben wir mittlerweile aber wieder in den Griff bekommen (neues Ritual eingeführt). Dann fing er jetzt vor wenigen Wochen an, dass Papa nirgends mehr hingehen durfte. Mein Mann ist morgens IMMER um 5.15 Uhr aus dem Haus. Da schlafen wir ja alle noch und das war auch nie ein Thema. Jetzt bekommt mein Sohn morgens immer einen halben Nervenzusammenbruch, wenn er wach wird und Papa nicht mehr da ist. Am Dienstag Morgen ist er zufällig wach geworden als Papa grade los wollte. Er hat schrecklich geweint und konnte sich auch nach ausgiebiger Verabschiedung nicht beruhigen. Mein Mann fuhr zur Arbeit und während ich mit der kleinen Schwester zur Toilette ging, hat der Große sich aus dem Haus geschlichen und lief morgens um 5.30 Uhr im Schlafanzug zur Hauptstraße, weil er Papa hinterher wollte. Ich habe ihn zu Fuß eingefangen. Unsere Türen sind nachts immer abgeschlossen, aber wenn mein Mann geht schließt er hinter sich dann nicht mehr ab. Wir haben natürlich besprochen, dass er nun auch hinter sich abschließen soll, damit unser Sohn nicht nochmal weglaufen kann. Aber natürlich hat er heute morgen nicht dran gedacht. Mein Sohn hat sich also heute morgen ein zweites Mal aus dem Haus geschlichen. Ich bin dieses mal direkt mit dem Auto los, da ich im 6. Monat schwanger bin und für einen Sprint am Morgen nicht wirklich fit genug bin. Dieses Mal ist er deutlich weiter gelaufen und ich griff ihn ca 400m vom Haus entfernt auf.   Mir ist natürlich bewusst, dass wir alles abschließen müssen, aber ich frage mich eben woher das auf einmal kommt. Wieso kann Papa nach 3,5 Jahren plötzlich nicht mehr wie gewohnt zur Arbeit fahren? Wieso rennt mein Kind nachts einfach alleine aus dem Haus - ohne Schuhe.. Ohne Jacke. Es war als sei er in seinem Film "ich muss Papa hinterher" und erst wenn er merkt, dass er Papa nicht einholen kann, fällt ihm auf, dass er alleine draußen im Dunkeln ist. Dann bekommt er Angst und rennt heulend zurück.   Wir haben jetzt zum Glück ab morgen Urlaub und Papa möchte sich ausgiebig mit unserem Sohn beschäftigen, aber ich habe große Angst was er als nächstes tun könnte. Das ist ja einfach super gefährlich! Ich spiele mit dem Gedanken nach dem Urlaub einen Kinderpsychologen aufzusuchen (sollte er sich im Urlaub nicht irgendwie fangen). Ich weiß nicht ob es übertrieben ist? Ist es normal, dass Kinder plötzlich so Probleme mit der Trennung haben?   Ich bin wirklich am Ende mit den Nerven und habe einfach Angst, dass irgendwas passiert.   Danke fürs Lesen 


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, aus der Distanz kann ich nicht einschätzen, warum Ihr Sohn die Abwesenheit des Vaters nicht erträgt. Bezüglich des Vaters hat er eventuell noch nicht genügend Objektkonstanz entwickelt und kann intrapsychisch das Gefühl noch nicht halten, dass der Vater ihm bleibt, auch wenn er nicht anwesend ist. Möglicherweise befindet er sich gerade in einer Phase, in der er sich intensiv mit dem Vater identifiziert und daher besonders dessen Nähe sucht. Vielleicht kann der Vater ihm etwas von sich geben, das Ihr Sohn tagsüber bei sich haben kann und das ihn an den Vater und dessen Rückkehr erinnert. Wichtig ist sicherlich auch, dass Ihr Sohn die Regel verinnerlicht, dass er niemals aus dem Haus laufen darf, wenn Sie dem nicht zustimmen. Versuchen Sie, ihn in solchen Situationen an sich zu binden, weil Sie ihn trösten können. Vielleicht können Sie auch verabreden, dass Ihr Sohn zu Hause auf einen Anruf des Vaters vor Arbeitsbeginn wartet. Das könnte die Motivation zum Hinterherlaufen verringern und die innere Präsenz des Vaters stärken. Ihnen ist natürlich beiden klar, dass Sie für die Sicherheitsmaßnahmen verantwortlich sind. Ihr Sohn ist da noch zu Impuls getrieben. Aus meiner Sicht ist es wegen dieses Verhaltens Ihres Sohnes  nicht notwendig, kinderpsychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie können diese Phase mit genügend Konsequenz sicher bald überwinden. Aufgrund Ihrer Schwangerschaft ist es vermutlich günstig, Lösungswege zu suchen, die alle bewältigen können. Ich wünsche ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


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