Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Normales Verhalten?!

Frage: Normales Verhalten?!

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Hallo Dr Posth!Ich würde gerne mal wissen,ob das Verhalten von meiner 19 Monate alten Tochter "normal" ist.Sie hat fast gar nicht gefremdelt(nur mal ein paar komische Blicke);ist super aufgeschlossen und geht völlig ohne Scheu auf andere zu(Kinder wie Erw.);man kann sie ohne jegliche Probleme bei Freunden/Omas lassen,sie guckt nur kurz,wenn man geht und es wirkt so,als wenn sie mich schon vergessen hat,kaum daß ich durch die Tür raus bin,geschweige denn,daß sie jemals deswegen geweint hat;wenn wir Besuch haben,sind mein Mann und ich fast abgeschrieben;sie ruft jedem auf der Straße "Hallo" zu(wenn sich allerdings daraufhin jemand dem Ki-Wagen nähert,zuckt sie schon zusammen und zeigt auf mich und sagt "Mama")etc. Sie ist extrem lebhaft und läßt sich überhaupt nicht trösten,wenn sie sich weh getan hat oder so.Sie möchte dann total in Ruhe gelassen werden!Sünde!!Hört sich das für sie alles noch o.k.an,und manche Kinder sind eben so,oder ist das schon auffällig?!Ich habe manchmal das Gefühl,sie hat keine Bindung an uns/mich!Nur zur Info:Nele ist eine FG mit 1800g+44cm.Vielen Dank!!


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Stichwort: unsichere Bindung Liebe Maike(?), zunächst einmal ist schwaches Fremdeln auch Fremdeln. Wenn man eine Gradeinteilung des Fremdelns macht, dann wäre es eben GradI. Fremdeln sagt nur aus, daß eine Bindung eingegangen wird. Es hängt dann von den Reaktionen der primären Bindungsperson und anderen Bezugspersonen ab, ob daraus eine sichere oder unsichere Bindung wird. Wird viel Ursprungsangst in Sicherheit und Vertrauen gewandelt wird die Bindung sicher, wenn wenig, dann wird sie unsicher. Eine unsichere Bindung ist ein höherer Risikofaktor für die weitere psychosoziale Entwicklung. Man unterscheidet die unsicher-ambivalente und die unsicher-vermeidende Bindung. Die erstere bietet das klassische Bild des "schreienden Kindes am Hals der Mutter". Die letztere ist etwas verwirrender, weil die Kinder ihre Gefühle nicht mehr zeigen, sondern so tun, als hätten sie keine. Dann weiß man nicht, ob die Kinder tatsächlich frei von Sorgen und Ängsten sind, oder schon "in sich hineinfressen", wie der Volkmund sagt. Man muß also sehr genau hinsehen. Wenn Ihre Tochter mit 19 Monaten bei zu engem Kontakt mit Fremden auf Sie, als die Mutter verweist, würde ich das eher als ein gutes Zeichen werten, mit einer recht zuverlässigen Bindung. Prinzipiell haben Sie Recht, was Frühchen angeht. Hier hängt aber ganz viel davon ab, wie sich die Situation nach der Geburt im einzelnen gestaltet hat und ob das Kind bedeutende Komplikationen hatte oder nicht. Ging das alles gut über die Bühne, sinkt das Risiko für Bindungsstörungen auf normal ab. Viele Grüße


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