Mitglied inaktiv
Liebe Doktor Posth, mit großem Interesse habe ich Ihre Ausführungen zu früher Betreuung in Kinderkrippen gelesen. Nun möchte ich daran noch eine Frage anschließen: Wo sehen Sie persönlich die Grenze, wann Fremdbetreuung einem Kleinkind (unter 3) schadet? Die Frage ist sowohl quantitativ (stundenmäßig) als auch qualitativ gemeint. Ich denke, Sie halten es für in Ordnung, wenn ein Kind gelegentlich von der Oma betreut wird. Jeden Tag 8 Stunden wären aber sicherlich zuviel. Andererseits kann ein Kind ja auch eine solche Beziehung zu einer Tagesmutter aufbauen. Meine Tochter war damals an 3 Vormittagen jeweils 4 Stunden bei der Tagesmutter, wo sie sich sehr wohl gefühlt hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr das geschadet hat. Oder ein anderes Beispiel. Mein Sohn (1,5) geht 2 x pro Woche für 2 Stunden in die Kinderbetreuung im Fitness-Studio, wo er großen Spaß hat. Das sind zwar viele Kinder, so dass die Betreuung nicht sehr individuell ist, aber für die kurze Zeit ist das ja auch nicht notwendig, so lange es ihm dort gefällt. Mich würde jetzt ganz einfach interessieren, wo in etwas Sie die Grenze sehen, ab wann es zuviel für ein Kind ist (was sicher auch von Kind zu Kind unterschiedlich ist) und vor allem: woran merke ich, dass die Fremdbetreuung schadet. Verhaltensauffälligkeiten können auftreten? Viele Grüße, Christine
Liebe Christine, es ist, wie Sie sagen, von Kind zu Kind unterschiedlich, wobei Veranlagung und Lebensvorerfahrung (sichere Bindung) eine große Rolle spielen. In einer gut und sanft eingeführten Pflegestelle ist ein Kleinkind durchaus in der Lage, ein paar Stunden des Tages das Kind zu verbringen. Dies entspräche dann der "Oma-pflege". Sobald ein Kind aber bei der Abgabe oder bei der mütterliche Rückkehr herzzerreißend weint, weiß man, daß man mit seinem Schritt zu früh kommt, oder einen Schritt zu weit gegangen ist. Besorgniserregung sind auch Verhaltensänderungen und regressive Schritte, die in zeitlichem Zusammenhange mit der Fremdbetreuung stehen, z.B. wieder Einnässen, starke Anhänglichkeit, die längst überwunden schien, nachts bei den Eltern schlafen wollen, wenn vorher allein schlafen schon möglich war, usw. Viele Grüße
Mitglied inaktiv
Hallo, wollte eben eine ganz ähnliche Frage stellen, die ich jetzt hier einfach anhänge: Mein Sohn ist fast 2 Jahre alt. Seit letztem Sommer geht er auch im Sportstudio in die Kinderbetreuung, anfangs knapp eine halbe Stunde, inzwischen gut 2 Std. Das meistens Samstag und Sonntag. Am Anfang war es so, dass er etwas geweint hat, als mein Mann rausgegangen ist (er geht dort mit ihm hin), sich dann aber innerhalb kürzester Zeit beruhigt hat und sich sehr wohl gefühlt hat (nach Aussagen der -ausgebildeten- Betreuerinnen und mein Mann schaut auch immer wieder durchs Fenster rein). Inzwischen freut er sich wirklich sehr, wenn er hingehen darf, packt selber seine Tasche und so. Außerdem geht er seit diesem Frühjahr in einen französischen Hort bei uns. Auch dort war eine langsame Eingewöhnungszeit (Mama zunächst dabei, dann immer weniger); hier gab es einen leichten Rückschlag, weil er krank wurde und deshalb Mama brauchte, war für mich dann auch o.k., wir haben mit der Eingewöhnung dann halt wieder von vorne angefangen. Auch hier war es so, dass er anfangs kurz geweint hat, als ich gegangen bin, ich habe dann draußen kurz gewartet und nach ein paar Minuten war Ruhe. Er hat auch einen ausgeglichenen und zufriedenen Eindruck gemacht beim Abholen. Inzwischen geht er auch hier sehr gerne hin und ich kann ihn problemlos abgeben. Kann das nun also so schlimm sein? Er ist ein Einzelkind und spielt gerne mit anderen Kindern. Danke, Sabine
Mitglied inaktiv
Hab gerade was Interessantes bei Martin Dornes gelesen ("Der kompetente Säugling"). Man hat entdeckt, dass Kinder, die schon im ersten Jahr fremdbetreut werden (und zwar regelmässig und für mehrere Stunden) durchaus auch in der Lage sind, eine sichere Bindung aufzubauen. 50% der Kinder waren das. Aber - es lag wohl daran, ob die Mütter ihnen eine gute Bindung anbieten konnte. So waren unter diesen 50% die Kinder der Mütter, die während der getrennten Zeit oft an ihre Kinder dachten. Und - bei den unsicher gebundenen Kindern waren besonders häufig Erstgeborene dabei. Es scheint also viel damit zusammenzuhängen, wie das Bindungsmuster der Mutter ist und darauf hat man ja im Erwachsenenalter nicht mehr so leicht Einfluss. Liebe Grüsse, Lotta
Liebe Lotta, lesen Sie besser das neueste Buch von M. Dornes, "Die emotionale Welt des Kindes". Dort sind viel aktuellere Studienergebnisse gesammelt. Viele Grüße
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