Anele0817
Sehr geehrter Herr Dr. Nohr, wir stehen gerade vor der Aufgabe zwischen zwei möglichen Kitas für unseren Sohn auswählen zu müssen. Unser Sohn wird 22 Monate bei Kita Start sein. Die eine Kita arbeitet nach der Montessori Pädagogik. Die andere hat keine gesonderte Ausrichtung. Die Kita mit der Montessori Ausrichtung hat in unseren Augen einige Vorteile. Unser Sohn käme dort noch bis zum 3. Geburtstag in eine Krippengruppe mit nur 9 weiteren weiteren Kindern. Es gibt wöchentlich Waldtage mit spezieller Waldpädagogin, es wird täglich frisch gekocht etc. Was uns etwas verunsichert ist die Montessori Pädagogik. Wir haben damit keinerlei Erfahrung und sind damit nie zuvor in Berührung gekommen. Unser Sohn wird zu Hause sehr bedürfnisorientiert und sehr liebevoll erzogen. Das Montessori Prinzip wirkt auf uns etwas streng und reglementiert. Es gibt feste Regeln und Rituale. Nach dem Spielen muss aufgeräumt werden, mit den Kindern wird einzeln gearbeitet etc. Während mit einem Kind gearbeitet wird, müssen die anderen zusehen und sich in Geduld üben etc. Können Sie ein paar Worte zur Montessori Pädagogik sagen? Wie ist ihre persönliche Einstellung dazu? Wir sind sehr verunsichert. Zu Hause leben wir ja nicht nach dieser Pädagogik. Sehen Sie darin ein Problem, wenn in der Kita und zu Hause Erziehung anders gelebt wird? Vielen Dank
Dr. med. Ludger Nohr
Hallo, die Grundidee von Maria Montessori war, dass jedes Kind seinen eigenen inneren "Lehrplan" hat, der von empathischen und wohlwollenden Pädagogen gefördert wird. Es besteht also eine sinnvolle Mischung aus Freiheit und Anleitung, Selbstbestimmung und Regeln. Es ist schon ein sehr anspruchsvolles Konzept, jedes Kind in seiner Individualität und Besonderheit zu erkennen und zu fördern. Ich persönlich finde dieses Konzept wertvoll und unterstützenswert. Jedes Konzept ist aber nur so gut wie die, die es anwenden. Das heißt, es ist wie überall wichtig, dass Sie ein gutes Gefühl in der Institution und mit den ErzieherInnen haben. Und alle Fragen, die Ihnen kommen bei dem was Sie sehen oder hören, sollten Sie stellen. Auch daran merkt man oft, wie souverän die Menschen mit dem Konzept umgehen (oder eben nicht) und wie flexibel sie sind. Und unterschiedliche Konzepte wird Ihr Kind in jedem Fall erfahren, egal in welcher KiTa. Schon weil die dort arbeitenden Menschen unterschiedlich sind. Aber diese Unterschiede sind Teil der Erfahrung die ein Kind macht, gehören (in einem akzeptablen Rahmen) dazu. Dr.Ludger Nohr
cube
Das Grundprinzip von Maria Montessori ist eigentlich "Hilf mir, es selbst zu tun" und im Rahmen dessen wird jedem Kind sein eigenes Tempo ermöglicht. Natürlich hat auch dieses Konzept Regeln bzw. es wird eingewisser Rahmen vorgegeben - innerhalb dessen kann und soll das Kind aber die Möglichkeit haben, auch eigene Entscheidungen und Erfahrungen zu machen. So gibt es in der Schule dann zB die Freiarbeit: innerhalb derer ist das Hauptthema zB Sprache - und aus dem Sprachmaterial können die Kinder dann eines aussuchen, mit dem sie gerne arbeiten möchten. Das einmal ausgewählte muss dann aber auch zu Ende gebracht werden und natürlich auch aufgeräumt. Das sind keine strengen regeln, sondern eigentlich etwas, was Kinder lernen sollten. Eigene Entscheidungen treffen und eine gewisse Verantwortung dafür und natürlich auch die Verantwortlichkeit dafür, mit diesen Dingen sorgsam umzugehen, also zB auch wieder ordentlich weg zu räumen. Die Einzelarbeit bezieht sich auf das "eigene Tempo" - hier haben die Erzieherinnen (Lehrerinnen) dann die Möglichkeit, auf die individuellen Fähigkeiten und auch "Schwächen" einzugehen. So kann in der Schule zB mit einem "Mathe-schwachen" Kind ein Material bearbeitet werden, dass seinem aktuellen Stand entspricht und es nicht überfordert und damit keinen Sinn erfüllt. Und umgekehrt können starke Kinder eben entsprechend gefordert werden, indem mit ihnen einen schwierigeres Material bearbeitet wird. Das die anderen Kinder zusehen müssen, kenne ich so allerdings nicht. Eher so, dass eben alle beschäftigt sind. Aber jeder KiGa und Schule hat natürlich seine eigenen Vorstellungen von dem, was sie aus einem Konzept umsetzen und was nicht (oder eben anders machen). Ich würde euch raten, nochmal ein Gespräch dort zu führen und einfach nachzufragen - zB warum die anderen zusehen sollen. Wirklich still zusehen oder geht es darum, dass eben nach der Reihe alle drankommen, also kein "ihr habt jetzt Sendepause" sondern Übungen im respektvollen Umgang miteinander (andere ausreden lassen, auch mal warten etc).
Lelo317
Tipp: Guckt euch mal den Blog "Eltern vom Mars" an.
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