Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

Fremdeln/Verhalten

Frage: Fremdeln/Verhalten

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Guten Morgen, ich hätte folgende Frage: Wir hatten spontan Besuch der Familie. Ich saß mit meinem Sohn (fast 8 Monate) neben dem Onkel, der fragte, ob er den Kleinen mal halten dürfe. Ich mag das eigentlich nicht so gern, da er ihn noch nicht kennt. Ich war aber etwas überrumpelt und auf halbem Weg auf den Arm hat mein Kleiner aber schon angefangen zu meckern und ich habe ihn sofort zurück genommen. Er hat eigentlich alle angelächelt und auch nach seinem Opa die Arme ausgestreckt, aber als er dort kurz auf dem Schoß saß, hat er angefangen zu weinen, obwohl ich daneben war. Ich habe ihn sofort zurück genommen und er hat sich sofort beruhigt. Er war auch schon etwas müde. Ich handhabe es so, dass nur die Familie ihn halten darf und auch nur, wenn ich das Gefühl habe, dass es gerade passt. Bisher waren das meist nur die Omas. Ich habe jetzt ein schlechtes Gewissen, dass ich ihn in dieser Situation so aus dem Arm gegeben habe, meinen Sie das hat negative Auswirkungen auf unsere Bindung oder das Vertrauen? Ist das schon fremdeln? Ich muss auch sagen, dass ich es nicht gern mag, wenn der Kleine woanders auf dem Arm ist. Ich fühle mich dann immer etwas unwohl und möchte ihn sofort zurück, selbst bei den Omas. Ist das normal? Ich verstehe mich da selbst nicht. Ich möchte doch, dass mein Kleiner auch gute soziale Kontakte aufbaut. Vielen Dank im Voraus für Ihre Hilfe!


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, Sie können davon ausgehen, dass Ihr Sohn jetzt mit acht Monaten zu fremdeln beginnt. Das ist ganz in Ordnung so. Die Kinder nehmen in diesem Alter den Unterschied zwischen vertrauten und (ihnen) fremden Personen bewusster wahr. Wenn Kinder spüren, dass ihnen eine Person nicht vertraut ist, können sie verunsichert sein und zeigen dies durch Weinen oder Abwehr. Es ist dann gut, dass das Kind nicht bei dieser Person bleiben muss sondern wieder zu den Eltern kann. Schädlich ist das aber nicht, denn Sie sind doch nah bei Ihrem Sohn und reagieren auf sein Unbehagen. Das ist die wichtige Erfahrung für hren Sohn. Somit werden Bindung und Vertrauen also eher gestärkt, weil Ihr Sohn spürt, dass seine Bedürfnisse von Ihnen möglichst berücksichtigt werden. Auch Babys erleben schon, dass es immer mal wieder Situationen gibt, die sie nicht mögen. Ihr Sohn erfährt aber gleichzeitig auch, dass Sie ihm helfen, sich wieder sicher zu fühlen. Im ersten Lebensjahr sind ja häufig die Mütter intensiv mit der Betreuung der Kinder beschäftigt und haben die engste Bindung. Das bindet zwar sehr viele Energien, bedeutet aber auch ein hohes Maß an Kompetenz für das Kind. Damit kann das Gefühl einhergehen, das Sie beschreiben. Man kann als Mutter dann empfinden, dass man nur selbst angemessen mit dem Kind umgehen kann und mag das Kind auch kurzfristig noch nicht abgeben. Wichtig scheint mir hier, dass Ihnen wichtig ist, dass Ihr Sohn Sozialkontakte aufbaut. Wenn er dann die Fremdelphase überwunden hat und mehr Interesse an anderen Menschen entwickelt, werden Sie dieses neue Bedürfnis bei ihm vermutlich zulassen können, weil Sie um die Bedeutung wissen. Und dann kann es auch mal eine Entlastung werden. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


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