Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

extremes Weinen

Frage: extremes Weinen

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S.g.H.Dr. Posth, mein Sohn ist 6 Wochen jung und hat mehrmals am Tag "Schreiphasen", er lässt sich durch nichts mehr beruhigen,ist so aufgebracht das er auch die Brust nicht mehr will. Ich bin (ziemlich) sicher das er während dieser Phasen eigentlich satt ist und auch keine Verdauungsprobleme hat. Ist er möglicherweise so sehr überreizt?Was halten sie von dem Buch "auch kleine Kinder haben grossen Kummer" von Aletha J.Solter ? Deren Theorie ist es ja das kleine Kinder mit starkem Weinen Spannungen abbauen und man sie deshalb nicht davon abhalten sollte. Selbstverständlich immer liebevoll gehalten, nie alleine. So machen wir das bei meinem Sohn, wenn er diese Wein-Phasen hat und erst danach kann er einschlafen.Es würde mich sehr interessieren was sie von der o.g. "Theorie" halten. Bei meinem Sohn sind alle anderen Beruhigungsmassnahmen völlig sinnlos. Man kann ihn nur halten und warten bis er sich wieder beruhigt hat.Vielen Dank für Ihre Meinung ?Liebe Grüsse Katja Bohn


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Stichwort: Säuglingsschreien Liebe Katja Bohn, über das Phänomen daes Schreiens bei Säuglingen ist viel geschrieben worden und noch mehr spekuliert worden. Daher habe ich in meinem Buch dem Säuglingsschreien (s.a gezieltes Stichwort) das ganze erste Kapitel gewidmet. A. Solter geht meiner Auffassung nach fehl in der Annahme, dass ein Säugling dieses Schreien braucht, um Spannungen abzubauen. Die Neurophysiologie ist heutzutage in der Lage, den inneren Spannungszustand eines Menschen zu messen, und die hierbei erzielten Ergebnisse belegen genau das Gegenteil. Der Stresspegel dieser schreienden Kinder ist extrem hoch. Diese Kinder haben, wenn tatsächlich alle organischen Ursachen ausgeschlossen sind, schlichtweg Angst -Urangst- selbst wenn ihre Bezugsperson bei ihnen ist. Warum das so ist, hat entwicklungsgeschichtliche Gründe (Evolution) und basiert letztlich auf Faktoren einer genetischen Veranlagung zu Angst. Gerade deswegen ist der geduldige Beruhigungsversuch so wichtig, denn Angst lässt sich nur in der Beziehung abbauen und im Vertrauen auf eine andere, stärkere Person. Dieses gemeinsame Abbauen der frühkindlichen Angst schafft Bindung! Die Natur benutzt also eine Zustand des (theoretischen) Mangels (Säugling kann sich nicht selbst beruhigen und schreit bis zur Erschöpfung) beim Menschen dazu, soziale Grundlagen für das Leben in der Gemeinschaft aufzubauen. Diese Grundlagen sind die prmäre Bindung und die Loslösung, denn aus ihnen entwickelt sich das Selbstgefühl. Das jedenfalls ist meine Aussage hierzu. Zu den organischen Ursachen, die Schmerzen bereiten und damit die Angst verstärken, zählen auch die Trimenonkoliken (s. gezielter Suchlauf). Viele Grüße


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