Chompo
Guten Abend! Unser Sohn wird bald 4. Wir haben einen eher entfernten Bekannten, der ab und zu im Nachbarhaus wohnt (beruflich ist er manchmal da und manchmal nicht). Er und unser Sohn kennen sich seit ca 2 Jahren, mein Sohn bewundert ihn, da er Handwerker ist und er ihm schon oft helfen durfte, etwas zu "handwerkern". Ich war immer dabei. Letztens gab es eine Grillfeier der Nachbarn, wo der Bekannte mit unserem Sohn viel gerannt ist, mit ihm Ball gespielt hat etc. Dabei hat er ihn auch erstmals hoch gehoben und Flugzeug mit ihm gespielt, ihn also in der Luft rum gewirbelt etc. Bei mir waren sofort alle Alarmglocken an, da ich aus persönlichen Gründen sehr viel Angst habe, dass unserem Sohn irgendwann ein Übergriff passieren könnte. Nicht "nur" sexueller Natur, auch psychologische Übergriffe / dass jemand von ihm zu viel Nähe erwartet, die er nicht geben will, aber nicht nein sagen kann. Ich lasse mir sowas nicht anmerken, da ich meinem Sohn kein generelles Misstrauen gegen andere Menschen mit auf den Weg geben will. Aber ich habe es als zu eng empfunden, wie der bekannte mit ihm umgegangen ist. Andererseits ist unser Sohn ja auch schon in einem Alter, in dem er eigene "Beziehungen" aufbaut, die ja nicht unbedingt meiner eigenen Vorstellung von einer guten Beziehung entsprechen müssen. Er hatte sehr viel Spaß an dem Abend. Ich habe meinen Mann gefragt, ob aus seiner Sicht das Verhalten "normal" war, also der Situation angemessen. Er meinte ja, absolut. Zur Vorgeschichte, ich habe eine späte ADHS Diagnose (erst mit 42), lange Vorgeschichte mit depressiven Episoden, und in der Kindheit emotionale Vernachlässigung und teils Parentifizierung. Ich möchte auf keinen Fall zu "paranoid" sein, und unserem Sohn auch nicht zu viel Angst machen. Anderseits möchte ich ihn auf keinen Fall mit dem Bekannten alleine lassen, auch nicht für 5 Minuten, und also immer mit gehen. Halten Sie das für angemessen? Ich kann in der Hinsicht "Nähe/Schutz/Misstrauen/Vertrauen" meinen eigenen Gefühlen oft nicht ganz vertrauen. Vielen Dank im voraus
Guten Tag, Sie haben einen guten Weg gefunden, mit Ihren Ängsten in solchen Situationen umzugehen und Ihrem Sohn gleichzeitig zu ermöglichen, unbelastet seine eigenen Erfahrungen zu machen. Es ist sehr verständlich, dass Ihr Sohn den Nachbarn bewundert, der ihn mitarbeiten lässt und damit aufwertet. Das können Sie akzeptieren und Ihren Sohn für seine handwerklichen Qualitäten loben. Vielleicht haben Sie oder Ihr Mann die Möglichkeit, Ihrem Sohn auch solche Aktivitäten zu ermöglichen. Das gemeinsame Rennen und Ball spielen in Ihrer Anwesenheit erscheint mir völlig in Ordnung. Sie können mit Ihrem Mann besprechen, ob er ein Kind mit welchem er nur "eher entfernt bekannt" ist, hochwerfen oder fliegen lassen würde. Vermutlich hat Ihr Nachbar etwas naiv und distanzlos reagiert. Sie sollten mit ihm besprechen, dass Sie diese Spiele nicht möchten, weil sie gefährlich sein können. Die Gelenke von jungen Kindern können bei diesen Flugspielen über Gebühr belastet werden. Damit haben Sie eine sachliche Begründung für etwas mehr Distanz. Sie können Ihren Sohn am besten vor Übergriffen schützen, indem Sie seine Selbstschutzmöglichkeiten fördern. Dazu gehören die Entwicklung des Selbstwertgefühls und die Sicherheit, Nein sagen zu dürfen. Vermitteln Sie Ihrem Sohn, dass er von anderen Respekt vor seinen Körpergrenzen erwarten sollte. Wenn Ihr Sohn über den Nachbarn spricht, können Sie ihm bestätigen, dass der sehr nett zu ihm ist. Er ist aber kein Freund Ihnen allen, weil Sie ihn dafür nicht gut genug kennen. Ähnlich können Sie vorgehen, wenn Ihr Sohn später Kontakt zu anderen Menschen hat. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
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