Himmelsstern
Liebe Frau Henkes, vielen Dank vorab für Ihre wertvolle Arbeit! Mein Sohn ist 9 Monate alt und ich bin in Elternzeit daheim, mein Mann macht Home Office, sodass er ihn auch ganztags sehen kann. Zukünftig habe ich einmal wöchentlich einen Arzttermin, wo ich mit Anfahrt ca 3 Stunden unterwegs bin. Mein Sohn und ich waren noch nie länger als kurz beim Einkaufen getrennt. Wie geht man eine solche kurze Trennung am besten an? Soll ich mich richtig verabschieden oder einfach gehen, wenn er gerade nicht schaut? Und was mache ich, wenn er weint beim gehen? Natürlich passen mein Mann und / oder Großeltern auf ihn auf. Oder spielt eine Verabschiedung in dem Alter noch keine Rolle, weil er es noch nicht verstehen kann? Daneben möchte ich noch kurz fragen: neulich waren wir mit dem Auto unterwegs, was ihm eigentlich nichts ausmacht. Die Fahrt dauerte ihm jedoch zu lange und ich denke, er wollte aus dem Sitz heraus. Wir konnten jedoch nicht halten. Ich saß neben ihm, aber er brüllte sich so in Rage und nahm mich gar nicht mehr wahr. Schadet es unserer Bindung, dass ich zwar da war, aber ihm nicht helfen konnte bzw. aus seiner Sicht nicht geholfen habe? Oder spricht es gar für eine schlechte Bindung, dass er dich nicht regulieren ließ? Vielen herzlichen Dank! Freundliche Grüße
Guten Tag, mir gefällt in solchen Situationen das Verabschieden besser. Das käme meinem Verständnis von mitmenschlichem Umgang näher. Der Abschied kann in diesem Alter ruhig eher beiläufig erfolgen, aber Ihr Sohn lernt dabei das Ritual schon kennen. Mit den erteilten Informationen (dass Sie wiederkommen..) kann er noch nichts anfangen. Die können ihm die Daheim bleibenden Betreuenden geben. Wichtig sind für ihn die immer wiederkehrenden Erfahrungen, dass Sie wiederkommen. Daraus setzt sich für Babies allmählich ein Muster der Zuverlässigkeit zusammen. Das hift später dabei Trennungsangst zu überwinden. Sie brauchen sich keine Sorgen um die Bindung Ihres Sohnes an Sie zu machen. Auch Kleinkinder verkraften einmalige Belastungssituationen in der Regel recht gut. Außerdem waren Sie ja bei ihm und haben ihn bestimmt getröstet. Und - das kann ich nur betonen - Sie haben die Sicherheit Ihres Sohnes gewährleistet, indem Sie ihn im Sitz gelassen haben. Sein Unbehagen konnten Sie in dem Moment zwar nicht abstellen, aber Sie haben ihn auf einer viel grundlegenderen Ebene geschützt. Das kann Ihr Sohn noch nicht verstehen, aber das war und ist die Grundlage Ihres Handelns und das schleift sich als Erfahrung bei Ihrem Sohn ein. Außerdem hat Ihr Sohn bereits neun Monate intensive Beziehungs- und Bindungserfahrungen mit Ihnen gemacht. Da ist viel entstanden, was gut trägt. Trotzdem kann es in einer für ihn sehr unangenehmen Situation sein, dass er sich noch nicht oder nur sehr schwer beruhigen lässt. Das ist ganz in Ordnung und keinesfalls ein Zeichen für Schwierigkeiten mit der Bindung. Alles Gute Ihnen Ingrid Henkes
Clumsi
Ich bin zwar keine Expertin, aber ich antworte mal: Ich würde mich immer verabschieden, dem Kind erklären (auch wenn es noch wenig versteht), dass ich gehe aber wiederkomme und dann dem Team Vater-Kind vertrauen. Wahrscheinlich weint das Baby, der Vater tröstet es und das Kind erlebt somit, dass auch der Vater ihm Trost spenden kann. Solange eine vertraute, liebevolle Person sich kümmert, ist für ein Baby die kurzzeitige Trennung von der Mutter verkraftbar.
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