Mitglied inaktiv
Lieber Herr Posth, allererst: Herzlichen Dank für die Beantwortung all meiner Fragen.Ihre Meinung hat meinem Verständnis sehr geholfen. Ich und mein Töchterlein danken es Ihnen. Nun zu meiner momentanen Sorge: Ich gehöre zu den Müttern, die ihre Zeit mit dem Kind sehr intensiv gestalten, in Form von stundenlang Ameisen betrachten, die Welt erklären, Bücher gucken. Haushalt mache ich wenn sie schläft, in ihren Wachzeiten bin ich nur für sie da....und habe mitlerweile das Gefühl, genau damit was falsch gemacht zu haben. Ohne mich geht bei Lotta ( 18 Monate ) gar nichts mehr. Sie hat mich als den einzig alleine ihr gehörigen Spielpartner gebucht. Auf dem Spielplatz muss Mama ALLES mitmachen. Im Spielkreis nach Emmi Pickler machen alle Kinder ihr eigenes Ding...nur Lotta muss Mama alles zeigen, an allem beteiligen. Nimmt ein Kind( egal ob auch wesentlich jünger) ihr etwas weg, muss Mama kommen, und sie verteidigen. Ich habe in ihrer Gegenwart nicht eine Sekunde Raum....und wenn ich sage" Lotta, nein, ich bleibe jetzt hier sitzen" fängt sie bitterlich an zu weinen, und zerrt so lange an mir, bis ich springe( sobald ich aber nicht da bin, da sie beispielsweise bei den Grosselter ist, vermisst sie mich kaum) Sie ist es gewohnt, seit ihrer Geburt viel mit Kindern im gleichen Alter zu tun zu haben(3-4 mal die Woche), ABER je älter sie wird, desto weniger kann sie mit ihresgleichen anfangen, hat eher " Angst", betrachtet diese mit Argwohn, oder leicht " arrogant". So als ob ich ihr absolut genügen würde. Erwachsene im allgemeinen findet sie ganz toll, und würde auch mit jedem sofort mitgehen. Da ist sie kontaktfreudig und offen...aber bei Kindern bis 10 eher abweisend und eigenbrödlerisch. Auch Spielzeug interessiert sie kaum, sie will nur Dinge tun, die auch Erwachsene tun. Kann man den Fehler machen, ein Kind zu selbstständig zu erziehen? Ist es nun an der Zeit, Lotta schnellstmöglich in Form einer Kita zu sozialisieren? Ich danke Ihnen für`s Lesen dieses langen, etwas durcheinandergeratenen Berichts und bin wie immer sehr gespannt auf Ihre Antwort. Mit lieben Grüssen, A.
Hallo, zunächst einmal danke für das Lob. Das Problem liegt meines Erachtens darin, daß es im Moment mit der Loslösung hapert. Mit 18 Monaten befindet sich das Kleinkind an der Grenze zum autonomen Selbst, was bedeutet, daß es eben nicht mehr "für alles" die Mutter als der prim. Bezugsperson braucht. Dafür braucht ein Kind aber eine gutes und stark erscheinendes Vorbild, das am besten der Vater abgibt. Was ist mit dem Vater bei Ihnen? Ist er verfügbar? Die Großeltern scheinen ja, wenigstens zeitweilig, in eine solche Aufgabe schlüpfen zu können. Die Konfrontation mit vielen Gleichaltrigen in einer Kita dürfte einstweilen noch zu einem großen Problem werden. Dafür ist Ihre Tochter im Moment noch nicht autonom genug. Das sehen Sie ja an ihrem momentan schwierigen Verhalten. Es ist ein Irrtum zu glauben, man könnte mit einem Vorziehen des nächsten Schritts die Entwicklung eines Kindes beschleunigen. Eher das Gegenteil ist beinahe regelmäßig der Fall. Das Kind neigt zur Regression! Die Loslösung müssen Sie mit Ihrer Tochter schon in der Familie vollziehen. Das heißt auch, daß Sie sich Ihrer Tochter nicht immer wieder verfügbar machen, sondern auch einmal konsequent bleiben. Voraussetzung ist, daß da jemand ist, der Ihre Tochter zur Selbständigkeit "anleitet". Viele Grüße
Mitglied inaktiv
...heute war wieder Spielgruppe, und Lotta klebte extremst an mir, bis ich in Tränen ausbrach( da sie mich mit Anhänglichkeit und Forderung grade regelrecht ausssaugt), und kurz raus musste. Danach war unsere Geschichte Thema: Die Spielleiterin meinte, das die Anhänglichkeit Lottas sehr auffällig wäre, in ihren langen Jahren nie so erlebt, und das Eigenartige sei: Kaum war ich draussen, hat sich Lotta mit den Anderen beschäftigt. Sie riet mir schon, eine Beratungsstelle aufzusuchen( was ich aber übertrieben finde. Soll ich da etwa sagen:" Hilfe, mein Kind liebt mich zu arg"? Bin ich mit Erwachsenen unterwegs geht Lotta absolut eigene Wege, nur in Verbindung mit anderen Kindern ist sie so. Kann das was mit Konkurrenz zu tun haben, oder Verlustangst? Sie klebt übrigens nicht ängstlich an mir, sondern eher: seht alle her, das ist meine Mama, und zwar nur meine!!!!! So geht es nun seit Januar und es wird eher schlimmer wie besser. Nochmals Danke im Vorraus für einen Rat, A.
Mitglied inaktiv
Hallo, nun muß ich doch auch noch meinen Senf dazugbeben, denn euer Problem ist unserem so ähnlich! Ich hatte deshalb auch vor einiger Zeit hier bei Dr. Posth geschrieben und er gab mir den Rat so weiterzumachen wie ich es angefangen hatte. Du kannst das ja über den Suchlauf aufrufen, hier nur die Kurzform: Meine Tochter (geb. August 2001) ist einiges älter und sie hat einige Besonderheiten denn sie ist ein Frühchen und ein Mangelchen (32. SSW und 1170g)und deshalb in der Entwicklung leicht zurück. Das erklärt einen Teil ihrer Schwierigkeiten, denn sie spricht auch noch recht schlecht und ihre Grobmotorik ist verlangsamt so daß sie den anderen Kindern auch nicht so folgen kann. Auch bei uns war es so, daß ich in keine Spielgruppe mehr konnte, da sie sich so an mich geklammert hat und nur geweint. Ich war dann auch versucht, sie in eine Kita zu geben aber habe das Gottseidank nicht getan! Viel viel wichtiger ist nämlich daß sie ihren Weg ENTSPANNT finden kann, ohne das man Dinge von ihr erwartet, die sie in dieser Entwicklungsstufe noch nicht leisten kann. Das heißt nicht sie aus allem herauszuhalten aber es heißt sie genau anzuschauen und zu sehen was braucht das Kind jetzt und was kann es dann aber auch leisten. Und diese Leistung muß auch eingefordert werden, denn sie soll sich ja weiterentwickeln! Das klingt nun alles sehr abstrakt. Konkret sah es bei uns so aus, daß ich zuerst einmal ihre Situation genau betrachtet habe. Und da war dann schnell klar, daß die Geburt ihrer Schwester sie zurückgeworfen hat in ihrer Ablösung von uns. Ich habe das also berücksichtigt und sie aus allen Gruppen rausgenommen und den Vater mehr "eingespannt". Die beiden haben dann einfach auch sehr viel allein unternommen und das hat ihr sehr gutgetan. Zweitens habe ich den Kontakt zu einer guten Freundin intensiviert, die zwei Kinder im gleichen Alter hat. Die beiden "Großen" haben sich dann 3-4 mal in der Woche gesehen. Drittens habe ich aufgehört mir sagen zu lassen was meine Tochter wann können muß und habe auf sie vertraut! Und viertens habe ich dann als die Zeit da war (ist noch nicht so lange her) ihr klar gesagt was ich von ihr will (nämlich das sie bei meiner Freundin und ihren Kindern bleibt) und was soll ich sagen: Es hat funktioniert! Sie ist nun viel offener auch anderen Kindern gegenüber und die Fremdbetreuung klappt wunderbar! Sie wird wahrscheinlich nie ein Gruppenmensch aber heute habe ich das Vertrauen das sie auch im Kiga, den sie übrigens erst mit 4 besuchen wird, zurechtkommt. So das war jetzt superlang, es wäre nett, wenn Du mir noch kurz schreiben könntest ob Dir meine Ausführungen geholfen haben. Gruß Heike P.S. Ich war oft auch sehr, sehr verzweifelt und habe mir viel Sorgen um meine Kleine gemacht. Es war ein langer Weg und man braucht viel Geduld!
Mitglied inaktiv
Vielen Dank für Deine Antwort, es tut gut, wenn noch andere Tips kommen. Es hat mir sehr geholfen, vor allemdas Wort ENTSPANNUNG. Bei Lotta ist es so, dass sie in vielen Dingen weiter ist, wie ihre unmittelbaren Altersgenossen. Trotzdem ist sie sehr klein und sieht auch wegen kaum Haar auf dem Kopf wesentlich jünger aus, sprich man nimmt ihr eher alles weg. Ausserdem besteht in der Familie etwas Konkurrenzdruck mit ihrer 5 Monate älteren Cousine. Hinzukommend ist Lotta ein sehr eigener, unglaublich willensstarker Charakter. Dies alles hat zur Folge, dass permanent andere Menschen über sie urteilen( negativ wie positiv)...und das macht mich wahnsinnig, setzt mich stellenweise unter immensen Druck. In z.B. dieser Spielgruppe habe ich Lotta immer so akzeptiert in ihrer Andersartigkeit( Immer nur auf Mama turnen, anstatt wie die anderen auf Turngeräten. Mit mir eine Einheit bilden, indem andere ihre Mütter ignorieren oder nur schreien, und sie mir alles lachend zeigt, mich an ihren Aktivitäten beteiligt. Es amüsant zu finden, dass all die Bälle total egal sind, und kaum geht es an`s aufräumen und putzen des Spielsaales, ist sie das einzige Kind, das mit einer Begeisterung mithilft( unaufgefordert) Das ist halt ihre Art von Spiel.) Für mich wurde es dann zum Problem, als es thematisiert wurde...als nur noch Lotta in ihrer Art beobachtet wurde. Ich lasse andere Kinder mit all ihren Schwächen und Grossartigkeiten wie sie sind...und hasse es darum, wenn Lotta in allem komentiert werden muss( Sie ist übrigens kein Kind, was haut, viel schreit, sehr wütend ist...sondern ein etwas eigenes Mädel mit grosser Begeisterung in sich, was aber mit Erwachsenen einfach besser kann, wie mit Kindern. Ausser der Cousine, die liebt sie über alles) Darum hast Du recht mit der ENTSPANNUNG. Sie ist von ihrer Art etwas anders wie die Kinder, die ich kenne, und ich darf nicht den Fehler machen, sie in diese " Normalität" pressen zu wollen...und ich muss entspannter umgehen mit den Sprüchen anderer Mütter. Ich denke, Lotta spürt meine innere Anspannung ganz immens. Mir fällt nämlich auf, dass wenn es mir nicht so toll geht, ist sie besonders anhänglich, macht dann auch oft " Ei, Mama" Wie eine kleine Miniatur-Krankenpflegerin. So, jetzt bin ich abgeschweift....Nochmals lieben Dank an Dich, Anne
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