Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Angst vor anderen Kindern

Frage: Angst vor anderen Kindern

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Meine Tochter Marlene wurde im Juni 3 Jahre und hat derzeit extrem Angst vor anderen Kindern. Sie war immer eher zurückhaltend und schüchtern, z.B. auf dem Spielplatz. Mit Kindern, die sie lange und gut kennt, spielt sie ganz normal. Bei fremden Kindern jedoch und bei Gruppen hat sie richtig Angst. Ich habe mit ihr eine Krabbelgruppe besucht, seit sie 4 Monate alt war. Sie ist immer sehr gerne hingegangen, auch wenn sie kaum mit den anderen Kindern gespielt hat. Im ersten Halbjahr dieses Jahres gab es dort dann einige dumme Zwischenfälle: Einer ihrer Krabbelgruppenkollegen hatte ein Geschwisterchen bekommen und ließ seine dadurch entstandenen Agressionen an den anderen Kindern aus. Zwei- oder dreimal schubste er Marlene völlig ohne Vorwarnung, so dass sie hinfiel und sich einmal die Finger in der Tür einklemmte. Seitdem war "der Ofen aus". Wenn sich ihr unterwegs, beim Einkaufen oder auf dem Spielplatz ein anderes Kind näherte oder sie gar ansprach, hängte sie sich an mein Hosenbein (oder bei Papa, Oma, etc.) und war durch nichts dazu zu bewegen, sich mit dem Kind zu befassen. Seit Mitte September geht sie nun in eine Spielgruppe (ohne Mütter), 2x die Woche für 3 Stunden. Es sind ca. 15 Kinder zwischen 2,5 und 3,5 Jahren. Einen KiGa-Platz hätte sie auch bekommen, den habe ich aber abgesagt, weil ich sicher bin, dass sie das nicht geschafft hätte bzw. ihr das auch noch nicht zumuten wollte. Anfangs war sie der Spielgruppe gegenüber sogar sehr positiv eingestellt und freute sich darauf. Inzwischen sagt sie dauernd, dass sie nicht in die Spielgruppe will. Wenn ich sie hinbringe, weint sie herzzerreißend, hört dann aber auf, wenn ich weggehe. Sie malt zwar dann ein bisschen oder macht Puzzles, spielt aber nicht mit den anderen, will dort nichts essen und auch nicht aufs Klo gehen. Sie war jetzt ein paarmal stark erkältet und konnte nicht hingehen, aber ab morgen sollte sie eigentlich wieder hin. Ich glaube, sie würde es an sich schon schön finden dort, die ganzen Spielsachen gefallen ihr durchaus, und auch die Tatsache, dass gebastelt und gesungen wird etc. Sie weint auch nicht mal deswegen, weil ich weggehe, sondern weil sie mit den vielen Kindern nicht zurechtkommt (glaube ich). Ich hoffe, sie akklimatisiert sich noch und legt ihre Schüchternheit ab. Ich habe mir auch fest vorgenommen, hart zu bleiben und sie weiterhin zur Spielgruppe zu bringen. Ist das der richtige Weg??? Was kann ich tun, um es ihr zu erleichtern? Ich hoffe, dass sie durch die Spielgruppe ihr soziales Verhalten soweit verbessert, dass sie nächstes Jahr im Kindergarten keine allzu großen Probleme mehr haben wird. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass Marlene im Mai ein Brüderchen bekommen hat. Wie beurteilen Sie ihr Verhalten? Vielen Dank im voraus für Ihre Antwort! Anja


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Liebe Anja, die Geschichte Ihrer Tochter ist ein gutes Beispiel dafür, daß der Drang vieler Eltern, ihre Kinder früh an Gruppengemeinsamkeit zu gewöhnen, nur in der Theorie gut klingt. Auf die Rivalität und die aggressiven Elemente in den Kleinkindgruppen gehe ich übrigens in meinem nächsten Kapitel des Langtextes über das emotionale Bewußtsein ausführlich ein. Ihre Tochter Marlene ist nun ein Opfer dieser natürlichen Auseinandersetzungen unter Kindern geworden, und sie besitzt offenbar auch noch wenig Selbstvertrauen, damit fertig zu werden. Wenn Sie sie jetzt weiter in die Spielgruppe zwingen, um "hart" zu bleiben, begehen Sie denselben Fehler wie bei der frühen Gewöhnung an die Gruppe. Sie erwarten ein Verhalten Ihrer Tochter zu einem Zeitpunkt, an dem sie dieses noch nicht erbringen kann. Sie selbst spürt das und reagiert mit Rückzug, Angst und demonstrativem Weinen. Viel besser wäre es, Sie ließen Ihre Tochter erst einmal wieder zu Hause und dort neues Selbstvertrauen sammeln, z.B. in der Kompetenz ihrem kleinen Brüderchen gegenüber. Erst wenn das eigenen Bedürfnis auf die Spielgruppe wieder so stark angewachsen ist, daß sie nicht anders können, als sie dahin zu geben, ist der richtige Zeitpunkt da. Dann sollte Sie sie noch eine Zeitlang dabei begleiten, bis sie ihre Position in der Gruppe gefunden hat. Viele Grüße


Mitglied inaktiv

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Hallo, man da habe ich ja gerade unseren Sohn wiedererkannt. Bin froh, dass es anderen auch so geht. Er verhält sich ganz genau so, wie du es beschreibst.Kannst mir ja mal mailen, wie es bei euch weiterging. Bis dahin, Gruss, Vesna


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