Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

1.Angst vor Babys/2.wieviel gemeinsam spielen

Frage: 1.Angst vor Babys/2.wieviel gemeinsam spielen

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Lieber Dr.Posth, unser Sohn wird im April 3 Jahre alt, er ist ein eher schüchterner Junge im Beisein von anderen Kindern. Vorallem wenn diese z.B. etwas laut lachen oder laut rufen, klammert er sich an mich. Kommt ein Baby zu Besuch, hat er richtig Angst davor. Vorallem wenn es dann weint, dann beginnt er auch zu weinen. Auch wenn ich ihm erkläre, dass es sich nicht anders ausdrücken kann ect. Woher kommt das? In einem Monat bekommt er eine Schwester, ich habe Angst, dass er dann auch bei jedem Mucks seiner Schwester anfängt zu brüllen?! Bin ich mal mit ihm einen Tag zu Hause, habe ich oft ein schlechtes Gewissen, wenn ich auf dem Sofa etwas lesen möchte. Meist widme ich mich ihm bewusst etwa eine halbe Stunde und mache dann wieder etwas für mich (er kann natürlich dabei sein). Aber mich plagt rasch der Gedanke, dass ich mich mehr um ihn kümmern sollte. Ich bin da sehr unsicher. Was meinen Sie? Eine Mutter kann ja nicht von morgens bis abends mit dem Kind spielen? Vielen Dank!


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Hallo, es genügt, wenn das Kind in Gegenwart der Mutter zufrieden spielt und vielleicht hier und da ein Frage an sie richtet oder sich etwas erklären und zeigen läßt. Dabei kann man selbst getrost lesen oder etwas anderes machen. Die andere Sache ist etwas schwieriger zu beurteilen. Zunächst einmal entwickelt jede psychisch gesunde Kind eine Einfühlsamkeit in die Leidensäußerungen eines anderen menschen, insbesondere eines anderen Kindes. Das beginnt mit einer reinen Affektansteckung, d.h. schreit ein Säugling, fangen über kurz oder lang auch andere Säuglinge an zu schreien, wenn sie es hören. Das geht dann über in die Fähigkeit zur Empathie, die etwa mit eineinhalb Jahren einsetzt und etwas mit der Selbstentwicklung zu tun hat. Empathie im positiven Sinn ist das Mitleid mit dem Leid eines anderen Menschen. Später geht dieser Schritt dann wieder über in den Aufbau eines Gewissens. Ihr Sohn befindet sich im Stadium der Empathie und zeigt dies deutlich. Wahrscheinlich ist er so "sensibel", daß er das Weinen eines anderen Kindes sehr stark auf sich selbst bezieht. Nun könnte man fragen, warum er so sensibel ist. Dazu kann ich von hier aus nichts sagen, ein Teil wird Veranlagung sein, ein anderer Teil etwas mit seinen Lebenserfahrungen zu tun haben. Aber dazu müßte ich viel mehr über seine Charakterstruktur wissen und sein sonstiges Verhalten. Wenn seine Schwester da ist, müssen Sie behutsam ihm die Sorgen eines Säuglings erklären und am besten ihn daran teilhaben lassen, wie man ein Baby beruhigen kann. viele Grüße


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