Sylvia Ubbens

Wie mit der Lehrerin bei Verdacht auf Hochbegabung sprechen?

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Hallo,

bei meinem Kind liegt der Verdacht auf Hochbegabung nah. Ein Test ist geplant.

Vor einigen Wochen hatte ich schonmal geschrieben.

Die Lehrerin (1. Klasse) hatte ich zwei mal darauf angesprochen, nach dem zweiten mal hatte sie ihm einmal zwei Mathe-Übungszettel aus der 2. Klasse gegeben (sie meinte im Gespräch, sie könne ihm ja nicht solche Aufgaben - 35+ 42 oder so etwas - geben, das mache man erst in der 2 Klasse). Die hat er gelöst, aber nun muss er am "Soll", das er macht, wenn er motiviert ist, wenn nicht, nicht, weitermachen und hat erst Anrecht auf Extraaufgaben, wenn das erfüllt ist. Also schön eins nach dem anderen, wie es alle anderen auch müssen, alles andere "wäre ja ungerecht". Auch sein Tischnachbar, hochbegabt getestet, muss das so machen und macht daher laut Mutter "nichts" in der Schule. Sie mag die Lehrerin aber nicht mehr ansprechen, weil diese an sich gut sei, nur ihr Kind absolut verkenne, was ich auch so sehe (es könne sich nicht konzentrieren und handele oft "unverständlich", schubse andere weg, wenn es seine Ruhe wolle etc. laut Lehrerin).

Mein Sohn träume und sei oft / manchmal langsam. Mehr geht sie darauf nicht ein. Es gibt eine klassenübergreifende Eingangsstufe (1.+2.), aber gerade die Kinder, die es wirklich nötig hätten, durchlaufen diese nicht in einem Jahr, wie auch der Tischnachbar meines Sohnes, er wäre meiner Meinung nach in der dritten Klasse viel besser aufgehoben.

Nun möchte ich gerne, dass mein Sohn nach der 1. in die 3. kommt, bzw., dass ich wenigstens mit jemandem aus der Schule (Lehrer) darüber reden kann, der das irgendwie nachvollziehen kann. Es werden nur die gefördert (mit Boni, wie "überspringen"), die viel leisten oder viel "machen", und die wenig leisten vllt auch, aber nur, wenn sie kognitiv an der Grenze angelangt sind.

Was kann ich denn noch tun?

Viele Grüße

von fritzimöller am 13.05.2019, 14:09 Uhr

 

Antwort auf:

Wie mit der Lehrerin bei Verdacht auf Hochbegabung sprechen?

Liebe fritzimöller,

fragen Sie bei der Lehrerin nach, wie die konkrete Arbeit mit Ihrem Kind in naher Zukunft aussehen wird und warum. Finden Sie sich und Ihre Überlegungen in den Ansätzen wieder?

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie in Gesprächen mit der Klassenlehrerin nicht auf einen Punkt kommen, sprechen Sie mit der Schulleitung. Lassen Sie sich die Handlungsansätze der Lehrerin und evtl. den abgesprochenen Umgang mit Kindern, die in allen oder Teilbereichen voraus sind, innerhalb des Kollegiums erklären. Sicherlich wird es anschließend mehr gegenseitiges Verständnis geben.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 13.05.2019

Antwort auf:

Wie mit der Lehrerin bei Verdacht auf Hochbegabung sprechen?

Hochbegabung in dem Alter (1.-Klässler) ist ja so eine Sache. Der Test darauf ist eher eine Ist-Stand-Testung und sagt noch nicht zuverlässig etwas darüber aus, ob ein Kind wirklich hochbegabt ist oder jetzt gerade einfach seinen Altersgenossen voraus. Dazu kommt die Unterteilung in Teilbegabung oder allgemeine Hochbegabung. Ein Kind kann in Mathe weit voraus oder eben hochbegabt sein - ist aber in den anderen Fächern normal begabt oder einfach nur sehr gut - nicht aber hochbegabt. Bei einer Teilbegabung macht es dann natürlich keinen Sinn, springen zu lassen, da es in den übrigen Fächern eben nicht voraus ist. Dazu kommt die emotionale Reife. Es nützt einem Kind nicht viel, zu springen, wenn es in der höheren Klasse emotional/sozial nicht mithalten kann.
Ich denke, man muss das wirklich sehr gut einschätzen, ob man seinem Kind einen Gefallen damit tut, es springen zu lassen.
Hochbegabung heißt ja auch nicht zwangsläufig, ein Kind versteht eh alles sofort bzw. benötigt die Grundlagenübungen gar nicht. Und Hochbegabung heißt auch nicht, dass dieses Kind dann zB andere schubsen darf, weil es sich gestört fühlt (emotional-soziale Reife).
In so fern kann ich die Lehrerin gut verstehen, dass sie die Pflicht vor die Kür setzt. Sie muss sich selbst und auch das Kind absichern, dass die "einfachen" Sachen auch wirklich verstanden wurden. Sie kann nicht automatisch davon ausgehen, das Kind hat die 10-er-Überschreitung natürlich längst sicher drauf oder kann auf Grund seines Interesses für 100er-Bereiche selbstverständlich auch das 1 x 1 perfekt.
Und ja, diese Kinder müssen neben aller Förderung auch lernen, dass sie eben innerhalb einer Gruppe/Gemeinschaft trotz aller Begabung auch regeln einzuhalten haben.
In der Klasse unseres Kindes sind 2 Schüler, die sehr begabt sind. Einer ist gesprungen - da passt alles inklusive der Sozialkompetenz. Der andere rechnet zB (1. Klasse) locker Aufgaben wie 485-289 aus - er wird nicht springen. Er ist nicht hochbegabt, sondern gerade aktuell seinen Mitschülern voraus und extrem lernbegierigund daher auch in anderen Fächern sehr gut. Aber wie wird das in der 2. Klasse aussehen? Wird er diesen Vorsprung halten oder gleicht es sich irgendwann an? Hier wird dazu tendiert, in normal in die 2. zu nehmen und erst mal zu schauen, wie er sich weiter entwickelt. Wir sind übrigens an einer Montessori-Schule, da wird 1-4. Klasse zusammen unterrichtet bzw. nur im Fachunterricht getrennt. D.h. hier kann ein Mathe-Ass dann eben bei den 2.-Klässlern mitmachen oder Aufgaben aus dem Bereich bekommen - aber auch erst, nachdem die Pflichterfüllt ist.
Ich würde dir raten, dich auch mal mit eurem KiA auseinander zu setzen, wie er die Entwicklung einschätzt. Und nochmal mit der Lehrerin - was würde für ein springen sprechen, was dagegen.Wie schätzt sie die gesamten Fähigkeiten eures Kindes ein.

Ansonsten erkundigt euch mal nach einer Schule, die auf Hochbegabung spezialisiert ist - ohne euren Kindern (also deinem und dem Kind der anderen Mutter) ihre Begabung absprechen zu wollen; ich denke, da wird es auch nicht ok sein, andere zu schubsen weil man sich gestört fühlt. Und auch Aufgaben nicht zu machen, weil man die zu einfach findet, ist da eher unerwünscht. Da muss man auch bisschen unterscheiden zwischen echt unterfordert und deswegen motzig/unwillig oder einer gewissen Arroganz, weil Kind sich anderen überlegen fühlt und deswegen meint, Regeln gelten für es nicht.

von cube am 13.05.2019

Antwort:

Nachtrag

Es ist für einKind weitaus schlimmer, mit dem Prädikat "Hochbegabt" zu springen und dann zum 2. HJ wieder zurück zu gehen, weil der bereits selbst erarbeitete Wissenstand eben nicht ausreicht, um den Stoff wirklich gut verstehen zu können als vielleicht erst zum 2. HJ zu springen und dann wirklich berechtigt dort zu sein.

von cube am 13.05.2019

Antwort:

Nachtrag

Das Prädikat soll mein Kind offiziell nicht bekommen, und auch ansonsten bin ich damit sehr vorsichtig, habe ihn lieber den KiGa wechseln lassen, als ihn einzuschulen, dabei hätte es ihm wohl besser getan, ihn mit knapp sechs einschulen zu lassen, obwohl die Kinder mit sechs Jahren einfach noch nicht "so weit sind" (in der emotionalen Entwicklung).

von fritzimöller am 13.05.2019

Antwort auf:

Wie mit der Lehrerin bei Verdacht auf Hochbegabung sprechen?

Ist-Stand, was ist das? Mein Sohn war die letzten Jahre definitiv unterfordert und wenn ich so weitermache, mit dem Unterfordern, dann tut das "der Intelligenz" sicher nicht gut.

Ich habe ihn mit der Theorie über Hochbegabung im Kopf nun jahrelang beobachtet, mir Meinungen anderer Eltern eingeholt (die hochbegabt getestete Kinder haben und selbst hochbegabt sind) und früher den "Kampf" meiner Eltern mit Lehrern, wenn es um meinen Bruder ging, mitbekommen und nun nochmal erzählen lassen. Mein Bruder ist erst im Gymnasium gesprungen, hatte aber große Probleme in der Grundschule (er hat nicht gehauen, aber er war auffällig bzw. einzelne Lehrer sind nicht mit ihm klargekommen, was aber auch an denen gelegen haben kann, bzw. an der fehlenden Förderung. Denn auf dem Gymnasium nach dem Springen ging es kontinuierlich bergauf- bis jetzt). Der Vater ist auch hochbegabt, da das vererbt wird, ist es relativ wahrscheinlich, dass unser Kind was abbekommen hat und es war auch sichtbar für mich. Jetzt gerade nicht mehr so.

In der Schule ist er nicht voraus in den Heften, in Mathe schon mit in der "führenden Spitze" (klingt absurd), in Deutsch durchschnittlich. Er ist jedoch sehr kreativ, auch in Deutsch, drückt sich gewählt aus und hat ein großes Talent im visuokonstruktiven Bereich (Bauen, das ist schön sichtbar). Sozial-emotional ist er ganz gut drauf. Er durchschaut die Machtkämpfe auf dem Schulhof, sie beeinflussen ihn, aber er gibt sich Mühe, sich rauszuhalten (jetzt) aus reiner Vernunft.

Ich glaube nicht, dass mein Kind sich anderen überlegen fühlt, warum sollte es das auch? Das Leben sit schließlich anstrengend und bisher hat ihm keiner diesen Floh ins Ohr gesetzt.

von fritzimöller am 13.05.2019

Antwort auf:

Wie mit der Lehrerin bei Verdacht auf Hochbegabung sprechen?

Vermutlich gehen sie davon aus, dass diese Kinder einfach schneller arbeiten - so wurde es mir erklärt. Ich finde meine Überlegungen nicht wieder, alles andere am Unterricht finde ich gut, sie ist auch auf eine Idee meinerseits eingegangen, die jedoch nicht das Lernen selbst betrifft.

Ich werde die Schulleiterin fragen und auch mal, anonym, beim schulpsychologischen Dienst nachfragen, obwohl die mir wohl auch nicht helfen können. Eventuell habe ich so schon alle Infos, die ich brauche, und muss die Grenzen der Schule akzeptieren. Der Rest ist ja sehr gut und das Kind arbeitet jetzt auch gut. Vielleicht komme ich weiter. Ich werde es versuchen. Vielen Danl.

von fritzimöller am 13.05.2019

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