Forum StillberatungBabypflege

  Expertenforen   Foren   Treffpunkte   Community   Mein RuB   Testteam   Videos   Suche / Biete
Vornamen Stillen Ernährung Entwicklung Kindergesundheit Haushalt Reisen Erziehung Finanzen Gewinnspiele
Geburt Babypflege Allergien Vorsorge Frauengesundheit Kochen Tests Familie Flohmarkt Infos & Proben
Die Versorgung im Perinatalzentrum

Die Versorgung im Perinatalzentrum

Beste Pflege und modernste Technik für die ganz Kleinen

Vor der Geburt hat die Mutter die meisten Körperfunktionen für das Baby mit erledigt. Sauerstoffversorgung, Nahrungsaufnahme und Verdauung wurden durch die Plazenta über ihren Blutkreislauf gesteuert. Temperaturregelung, Infektionsschutz und vieles mehr, wurden ebenfalls vom Körper der Mutter übernommen. Gleichzeitig war das Baby im Uterus optimal vor Kälte, Licht, Lärm und Stößen geschützt. Die Körpergeräusche der Mutter - Herzschlag, Verdauung, Mamas Stimme - waren zu jeder Zeit hörbar, beruhigend und vertraut im Hintergrund. Diese idealen Bedingungen, die die Evolution über Jahr Millionen entwickelt hat, gilt es nun außerhalb des Mutterleibes in der Klinik so gut wie möglich zu simulieren. Natürlich ist zunächst das Wichtigste, dass die lebenserhaltenden Vorgänge wie Atmung, Nahrungsaufnahme, Temperaturregelung, usw. gewährleistet sind. Trotzdem weiß man inzwischen, dass die Technik nicht alles ist und Frühchen auch sehr viel liebevolle Pflege benötigen.

Im Folgenden wollen wir Ihnen die wichtigsten Apparate und Einrichtungen zur medizinischen Versorgung Ihres Babys erklären.

Der Inkubator

Das erste namentlich überlieferte Baby, das in einem Brutkasten versorgt wurde, hieß Edith Eleanor McLean. Sie kam 1888 in einem New Yorker Krankenhaus mit einem Geburtsgewicht von lediglich 1100 Gramm zur Welt - und überlebte. Erfunden wurde der Inkubator allerdings bereits um 1860 in Frankreich. Die Temperaturkonstanz wurde damals mit Hilfe von warmem Wasser aufrecht erhalten. Heute sind Inkubatoren - wie man Brutkästen korrekt bezeichnet - aus der medizinischen Versorgung von Frühchen nicht mehr wegzudenken.

Der Inkubator ist ein durchsichtiger, geschlossener Kasten mit Eingriffsmöglichkeiten an beiden Seiten, damit das Baby von Schwestern, Ärzten und Eltern versorgt und berührt werden kann. Er ist quasi die "Ersatz-Gebärmutter", in der ein sehr unreifes Frühchen rund um die Uhr die perfekten Lebensbedingungen vorfindet. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sauerstoff können hier exakt eingestellt werden. Der kleine Patient ist normalerweise nur mit einer Windel bekleidet und ansonsten nackt. Alarmfunktionen überwachen permanent sein Wohlbefinden.

Das Wärmebettchen

Frühchen, die Ihre Körpertemperatur schon weitgehend selber regulieren können, liegen im Wärmebettchen. Es ist zur besseren Überwachung ebenfalls durchsichtig und nach obenhin offen. Wärmelampen oder eine beheizbare Matratze sorgen für die richtige Temperatur. Hier sind die Kinder meistens bekleidet. Sehr kleine Frühchen bekommen zusätzlich ein Mützchen, weil der Körper über den Kopf am meisten Wärme verliert. Auch hier werden die wichtigsten Funktionen per Alarm überwacht.

Der Monitor

Im Inkubator werden permanent Herzschlag, Sauerstoffsättigung und vieles mehr kontrolliert. Zu diesem Zweck ist das Baby über vier kleine Elektroden, die auf seinem Brustkorb angebracht sind, mit einem Monitor verbunden, der alle Funktionen aufzeichnet und sofort Alarm schlägt, wenn die Werte nicht optimal sind. Trotzdem achten Ärzte und Schwestern zuerst immer auf das Kind und seine Signale, um sein Wohlbefinden einzuschätzen.

Der Infusionsturm

Mit Hilfe von Infusionspumpen können Nährlösungen, Flüssigkeit und Medikamente außerordentlich exakt dosiert werden. Die Infusionsgeschwindigkeit zu regulieren ist eine Kunst für sich und erfordert Jahre lange Erfahrung von den Schwestern. Nachdem oft mehrere Infusionen gleichzeitig benötigt werden, sind sie übersichtlich an einem "Turm" aufgehängt.

Beatmung

Die unreifen Lungenbläschen, die sich noch nicht von selber entfalten können, bereiten den meisten früh geborenen Babys Schwierigkeiten. Deshalb brauchen viele von ihnen bei der Atmung noch Unterstützung. Dafür wird den kleinen Patienten ein sogenannter "Tubus" gelegt, das heißt sie bekommen einen kleinen Schlauch durch Mund oder Nase in die Luftröhre eingeführt. Durch den Schlauch wird die Lunge mit etwa 20 bis 60 Atemzügen pro Minute "aufgeblasen". Dabei ist es sehr wichtig, die Beatmung sehr fein zu regulieren, da ein zu hoher Druck die empfindliche Lunge schädigen könnte. Desweiteren könnte eine zu hohe Sauerstoffkonzentration im Blut zu Schäden an der Netzhaut des Babys führen. Auch dies erfordert sehr viel Wissen und Umsicht von den Ärzten und Schwestern.

Sobald das Baby in der Lage ist, selbst zu atmen, wird die Lungenfunktion nur noch durch ein sogenanntes "CPAP" (Continuous Positive Airway Pressure) unterstützt. Hierbei erleichtert ein kleiner Schlauch durch die Nase die Atmung und verhindert ein Kollabieren der Lunge.

Ernährung

Grundsätzlich wird in jeder Klinik angestrebt, dass das Baby sobald wie möglich gestillt oder mit der Flasche ernährt wird. Ein sehr kleines Frühchen ist aber oft noch zu schwach, um selber zu trinken. Oder sein unreifes Gehirn ist noch gar nicht in der Lage, den komplexen Vorgang von Saugen und Schlucken zu steuern. In diesen Fällen wird das Baby mit Hilfe einer Magensonde ernährt. Hierbei wird die mit Nährstoffen aufbereitete Milch über einen kleinen Schlauch durch Mund oder Nase direkt in den Magen eingeführt. Sehr kleine Frühchen werden "intravenös" ernährt, das heißt sie bekommen eine hochkonzentrierte Nährlösung durch einen Katheter direkt ins Blut.

Medikamente

Je nach Reifegrad und eventuellen sonstigen Beschwerden oder Krankheiten, bekommen Frühchen unterschiedliche Medikamente. Deshalb seien hier nur ein paar besonders häufige genannt. Surfactant ist ein körpereigener Stoff, der für die Öffnung der Lungenbläschen sorgt. Wenn das Frühchen noch nicht in der Lage ist, Surfactant selber herzustellen, wird der Stoff entweder über den Beatmungsschlauch oder über eine Sonde direkt in die Luftröhre gegeben.

Coffein regt die Atemtätigkeit zusätzlich an und unterstützt die Lunge, wenn eine maschinelle Beatmung nicht mehr notwendig ist. Trotz aller Hygienemaßnahmen gelangen immer wieder Bakterien in den kleinen Körper. Antibiotika sind deshalb notwendig, um das Baby vor lebensgefährlichen Infektionen zu schützen.

Hygiene ist das A und O

Das Immunsystem bildet sich erst in den letzten Wochen der Schwangerschaft vollständig aus. Erst dann hat das Baby den sogenannten "Nestschutz" von seiner Mutter mitbekommen, der ihn in den nächsten Wochen vor den wichtigsten Infektionen schützt. Frühchen, vor allem wenn sie sehr viel zu früh geboren wurden, sind den normalen Keimen, die praktisch überall sind, schutzlos ausgeliefert.

Um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten, wird deshalb auf der Frühchen-Station penibelst auf Hygiene geachtet. Vor dem Betreten muss man immer gründlich Hände und Arme waschen und desinfizieren. Wenn sich doch mal ein Keim eingeschlichen, was trotz aller Vorsichtsmaßnahmen auch mal vorkommen kann, werden die Hygienevorschriften noch verschärft. Dann dürfen die Eltern nur mit Handschuhen, Kittel und speziellen Schuhen zu ihrem Kind. Eventuell müssen sie dann auch einen Mundschutz tragen. Das ist unangenehm, aber für die Gesundheit der Kleinen lebenswichtig!

Selbstverständlich ist eine gute medizinische Versorgung das Wichtigste. Andererseits hat man aber in den letzten Jahren festgestellt, dass auch das Wohlbefinden des kleinen Patienten ganz entscheidend zu seinem Gedeihen beiträgt. Sanftes Licht, möglichst wenig Belastung durch Untersuchungen und laute Geräusche, viel Körperkontakt und liebvolle Berührungen helfen dem Frühchen am besten, den Schock seiner frühen Geburt möglichst gut übersteht.

Lesen Sie hier weiter, mit welchen "Wohlfühl-Maßnahmen" den Babys heute ihr Frühstart ins Leben so angenehm und sanft wie möglich gestaltet wird.

von Maxi Christina Gohlke

Zuletzt überarbeitet: August 2016

   

Weiterführende Artikel ...

Expertenrat

Haben Sie Fragen rund um Ihre Schwanger-
schaft? Unsere Experten antworten Ihnen
gerne online und kostenlos.

Kinderarzt Prof. Dr. med. G. Jorch Prof. Dr. med. Gerhard Jorch
Frühgeburt
Dr.med. Stefan Kniesburges Dr. med. Stefan Kniesburges
Geburt
Dr. med. Vincenzo Bluni, Facharzt für Frauenheilkunde Dr. med. Vincenzo Bluni
Schwangerschaftsberatung
Prof. Dr. med. B.-J. Hackelöer, Chefarzt der Asklepios Klinik Hamburg Prof. Dr. med. B.-J. Hackelöer
Pränatale Diagnostik
     

ImpressumTeamJobsMediadatenNutzungsbedingungenDatenschutzForenarchiv

© Copyright 1998-2017 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.