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Die ersten Tage zu Hause

Mit dem Frühchen nach Hause - die ersten Tage

Wie lange ein Frühchen in der Klinik unter Beobachtung der Kinderärzte bleiben muss, ist sehr unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Doch irgendwann ist es soweit: nach meist aufregenden und sorgenvollen Wochen nach der Frühgeburt steht dem gemeinsamen Weg nach Hause nichts mehr entgegen. Doch sollten Sie auf die ersten Tage gut vorbereitet sein. 

Voraussetzungen für die Entlassung nach der Frühgeburt

Wann Ihr Frühchen mit nach Hause darf, entscheiden die Ärzte in Absprache mit Ihnen, den Eltern. Ein festgelegtes Gewicht von 2500 Gramm, das früher als Voraussetzung für die Entlassung galt, gibt es heutzutage nicht mehr. Viel entscheidender sind der Allgemeinzustand und die "Reife":

  • Das Baby kann seine Körpertemperatur selbständig ohne Wärmebettchen halten.
  • Es atmet alleine und regelmäßig ohne Atemhilfe.
  • Es trinkt ausreichend aus der Flasche oder an der Brust.
  • Die Blutwerte müssen nicht mehr täglich kontrolliert werden.
  • Es braucht keine Infusionen mehr und kann Medikamente selber schlucken.

In Einzelfällen machen die Ärzte auch Ausnahmen. Wenn Ihr Kind ansonsten in einem sehr guten Zustand ist, kann es unter Umständen auch mit Magensonde oder Atemhilfe entlassen werden. Manchmal ist auch ein mobiler Überwachsmonitor für zuhause nötig. Der dient in erster Linie als reine Vorsichtmaßnahme, damit sich die Eltern vor allem nachts nicht zu große Sorgen machen.

Rooming-In zur Vorbereitung

Wenn Ihr Baby entlassen wird, sollten Sie sich in der Lage fühlen, es rund um die Uhr alleine zu versorgen. Das Stillen oder Füttern mit dem Fläschchen sollte so gut eingespielt sein, dass Sie deshalb zuhause nicht in Stress geraten. Außerdem sollten Sie mit allen Pflegemaßnahmen, die Ihr frühgeborenes Baby braucht, vertraut sein.

Beim Entlassungsgespräch am Tag vor der Entlassung können Sie alle Fragen und Probleme mit dem zuständigen Arzt und den Schwestern besprechen. Ideal ist es, wenn Sie die letzten Tage vor der Entlassung im 24-Stunden-Rooming-In mit Ihrem Kind verbringen können. Dann sind Sie schon etwas mit seinem Rhythmus und seinen besonderen Bedürfnissen vertraut. Fragen Sie in der Klinik nach, ob diese Möglichkeit besteht. Ansonsten sollten Sie die letzten Tage möglichst von morgens bis abends bei Ihrem Frühchen verbringen, um so viel wie möglich mitzukriegen.

Daheim fürs Frühchen alles vorbereiten

Es ist eine große Hilfe, wenn daheim alles gut vorbereitet ist, damit Sie in den ersten Tagen - die bestimmt aufregend genug werden - das Haus so wenig wie möglich verlassen müssen. Legen Sie am besten ein paar Vorräte an, damit Sie erst mal nicht einkaufen gehen müssen.

Nachdem die meisten Frühgeborenen unerwartet und - wie der Name schon sagt - "zu früh" auf die Welt kommen, ist sicher noch nicht alles fertig eingerichtet. Keine Angst, Sie müssen jetzt nicht noch schnell das Kinderzimmer tapezieren. Wirklich wichtig sind ein Schlafplatz (Bettchen, Wiege oder Stubenwagen), eine Wickelkommode mit Wärmestrahler darüber und eine Babyschale für den Transport im Auto. Außerdem sollten Sie alle Utensilien, die Sie für die Versorgung des Babys brauchen, ausreichend zuhause haben: Fläschchen und Sauger, Milchpumpe, genügend Windeln, Babykleidung, Pflegeprodukte und alle Medikamente, die Ihr Baby nehmen muss. Die Milchpumpe können Sie in der Apotheke ausleihen. Die Kosten dafür übernimmt auf Rezept die Krankenkasse.

Die ersten Tage mit dem Frühchen zu Hause

Die erste Zeit werden Sie vermutlich rund um die Uhr mit Ihrem Baby beschäftigt sein - alle 2 bis 3 Stunden füttern, mehrmals täglich wickeln, viel schmusen und herumtragen. Nehmen Sie sich diese Zeit unbedingt. Sie ist für Sie und Ihr Kind wichtig, um den Schock der Frühgeburt zu überwinden und eine feste Bindung aufzubauen. Auch jetzt braucht Ihr Baby noch viel Hautkontakt, deshalb "känguruhen" Sie am besten fleißig weiter!

Gönnen Sie sich und Ihrem Kind in den ersten Tagen viel Ruhe. Natürlich wollen Großeltern, Freunde und Nachbarn endlich alle das Baby sehen. Machen Sie ihnen klar, dass ein paar Tage jetzt auch keinen Unterschied mehr machen und vertrösten Sie sie noch ein bisschen. Damit Sie und Ihr Baby Ihren Rhythmus finden, brauchen Sie jetzt unbedingt Zeit für sich. Frühchen haben darüber hinaus eine weitaus niedrigere Reizschwelle als termingerecht geborene Babys und reagieren auf ungewohnte Geräusche, Menschen und Trubel irritiert.

Hygiene und Händewaschen

Weil Frühchen eben besonders empfindlich auf Erkältungs- und Kinderkrankheiten reagieren, sollten Sie auch zu Hause noch eine Zeitlang sorgfältig auf Hygiene achten und alle Flaschen, Sauger, Schnuller, etc. gründlich desinfizieren. Häufiges Händewaschen ist der beste Schutz, damit Sie keine Erreger mit nach Hause bringen. Halten Sie auch alle Besucher zum Händewaschen an und lassen Sie niemanden zu Ihrem Kind, der nicht völlig gesund ist.

Hilfe organisieren

Mobilisieren Sie alles an Hilfe, was Sie bekommen können und scheuen Sie sich nicht zu fragen. Die meisten Menschen helfen gerne, wenn man ihnen konkret sagt, was Sie tun können. Fragen Sie Freunde oder Nachbarn, ob sie für Sie einkaufen gehen können. Vielleicht kann die Oma für die größeren Geschwisterkinder mittags kochen oder auch mal kurz aufpassen. Optimal ist es natürlich, wenn der Vater Urlaub oder Elternzeit nehmen kann. Zu zweit ist man viel entspannter, weil man sich mit der Versorgung des Babys abwechseln kann. Falls der Vater unbezahlten Urlaub nimmt, übernehmen die Krankenkassen eine Ausgleichszahlung. Haushaltshilfen werden leider meistens nur für die Zeit gezahlt, in der die Mutter in der Klinik ist. Der Mutterschutz erhöht sich übrigens bei einer Frühgeburt von 8 auf 12 Wochen.

Hebamme und Kinderarzt

Der wichtigste Ansprechpartner bei allen gesundheitlichen Fragen, die Ihr Kind betreffen, ist in den nächsten Wochen Ihr Kinderarzt. Falls nicht schon geschehen, sollten Sie sich einen niedergelassenen Arzt in Ihrer Nähe aussuchen, der über genügend Erfahrung mit Frühchen verfügt. Es ist sehr wichtig, dass Ihr Kind in den nächsten Wochen und Monaten engmaschig untersucht wird, damit man eventuelle Defizite rechtzeitig erkennt und frühzeitig Fördermaßnahmen einleiten kann.

Außerdem steht Ihnen die Hilfe einer Hebamme zu. Sie kommt in den ersten Tagen zu Ihnen nach Hause und kümmert sich um Sie und Ihr Kind. Die Kosten für 10 Besuche übernimmt die Krankenkasse, weitere Besuche kann der Kinderarzt verordnen. Falls die Stillberatung nicht von der Hebamme übernommen wird, sollten Sie sich um eine gute Laktationsberaterin bemühen.

Wenn Ihr Baby mit Magensonde oder Beatmungsgerät entlassen wird, hilft Ihnen ein ambulanter Kinderpflegedienst bei der Versorgung.

Weitere Informationen z.B. zu Selbsthilfegruppen, Elterninitiativen, psychologischer Hilfe oder dergleichen erhalten Sie über den Bundesverband "Das frühgeborene Kind" e.V.

von Maxi Christina Gohlke

Zuletzt überarbeitet: Mai 2017

   

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