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Die optimale Ernährung von Frühchen

Die optimale Ernährung von Frühchen

Rund 2,5 kg muss ein Baby in den letzten Wochen vor einer zeitgerechten Geburt noch zunehmen, damit es sein Leben so rund und rosig beginnen kann, wie man es von einem Neugeborenen gewöhnt ist. Den Frühchen, die vor dieser Zeit auf die Welt kommen, fehlt dieses Polster natürlich sehr.

Vor allem deshalb, weil Frühchen nach ihrer Geburt viel Energie brauchen: Atmen, Saugen, Schlucken, Verdauen, Wachsen - das alles kostet viel Kraft. Um ihm die Anstrengungen der ersten Tage und Wochen so gut wie möglich zu erleichtern, braucht das Frühchen eine sehr hochwertige, kalorienreiche und dabei trotzdem leicht verdauliche Nahrung. Muttermilch ist das Beste, aber es gibt inzwischen auch sehr gute Fertignahrungen.

Soll man Frühchen stillen?

Stillen ist für alle Babys die optimale Ernährung, weil Muttermilch zu jeder Zeit genau die Nährstoffe liefert, die das Baby gerade benötigt. Das gilt auch für Frühgeborene. Nachdem die schnell wachsenden Frühchen aber einen besonders hohen Kalorienbedarf haben, wird sie oft noch zusätzlich angereichert. Muttermilch ist leicht verdaulich und schont damit den kleinen, noch unreifen Darm. Durch ihre besonders hohe Konzentration an Immunglobulinen bekommt das Baby zumindest einen Teil der Abwehrstoffe "nachgeliefert", die es eigentlich noch während Schwangerschaft von der Mutter hätte mitbekommen sollen. Auf diese Weise hilft Muttermilch das empfindliche Immunsystem der Babys zu stärken und ihnen den wichtigen "Nestschutz" für die ersten Monate mitzugeben. Oft sind Frühchen allerdings zu schwach, um direkt an der Mutterbrust zu trinken. In diesem Fall bekommen sie die abgepumpte Milch mit der Flasche gefüttert.

Sogar für die Extrem-Frühchen hat die Natur vorgesorgt: Mütter, deren Babys vor der 32. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen, bilden für ein paar Wochen eine ganz spezielle "Frühgeborenenmilch". Diese Milch enthält deutlich mehr Eiweiß, Fettsäuren, Vitamine, Spurenelemente und Abwehrstoffe als die Milch von Müttern mit fertig ausgetragenen Babys. Um den ursprünglichen Entbindungstermin herum gleicht sich die Zusammensetzung der Milch dann automatischen wieder an die normale "Neugeborenen-Milch" an.

Muttermilch ist das Beste

Neben den hochwertigen Nährstoffen liefert Muttermilch noch viele weitere Vorzüge: Sie wird optimal vertragen, ist leicht verdaulich und wird besser verwertet. Sie stimuliert das Wachstum und die Reife des Darms und unterstützt den Aufbau der Darmflora. Sie fördert die intellektuelle Entwicklung und die Sehkraft. Gleichzeitig schützt sie das Baby vor den bei Frühgeborenen besonders gefürchteten, schweren bakteriellen Infektionen wie Sepsis, Harnwegsinfekten und Darmentzündung. Frühgeborene, die mit Muttermilch ernährt werden, brauchen deutlich weniger Antibiotika und werden im Durchschnitt 2 Wochen früher aus der Klinik entlassen, als rein mit Flaschenmilch ernährte Babys.

Ernährung von Extrem-Frühchen

Kleine Frühchen, die zu schwach zum Trinken sind oder den komplizierten Saug-Schluck-Vorgang noch nicht bewältigen, bekommen die Nahrung über eine Magensonde zugeführt (Enterale Ernährung). Dadurch sparen sie wertwolle Energie, die sie zum Wachsen benötigen. Sehr unreife Babys werden zunächst "intravenös" ernährt. Sie bekommen die Nahrung also durch eine Infusion direkt über das Blut (sogenannte Parenterale Ernährung). Das gibt dem kleinen, unreifen Darm Zeit, sich an die Nahrung zu gewöhnen, und das Baby verliert keine wertvolle Energie für den anstrengenden Verdauungsvorgang. Allerdings ist man sehr bestrebt, dass auch diese Babys so schnell wie möglich lernen selber zu trinken.

Möglichst gleich nach der Geburt abpumpen

Vor allem das "Kolostrum" - die erste, dickflüssig-gelbliche Milch, die die Mutter in den ersten drei Tagen nach der Geburt bildet - bietet einen besonderen Schutz vor Infektionen und ist für Frühchen deshalb besonders wertvoll. Gerade in den ersten hektischen Tagen nach einer Frühgeburt hat die Mutter aber meistens nicht die Zeit und Muße, die sie zum Stillen bräuchte. Oft liegt sie in einer anderen Klinik weit weg von ihrem Baby. Sorgen und Ängste bestimmen ihren Tag. Hier ist es sehr wichtig, dass sowohl die Schwestern wie auch der Vater die Mutter in ihren Stillbemühungen bestärkt und unterstützt. Am besten ist es, wenn Sie gleich in den ersten Stunden nach der Geburt anfangen, Milch fürs Baby abzupumpen, um den Milchfluss sobald wie möglich in Gang zu bringen. Aber auch wenn das versäumt wurde, ist es später jederzeit noch möglich zu stillen. Am besten wenden Sie sich an eine erfahrene Hebamme oder Stillberaterin, die kann Ihnen sicher weiterhelfen.

Nahrungsmittelzusätze - wenn Muttermilch allein nicht ausreicht

Frühchen haben einen wesentlich höheren Nährstoffbedarf als termingerecht geborenen Babys. Aus diesem Grund reicht die Muttermilch trotz ihrer hohen Nährstoffkonzentration oft nicht aus, um den Bedarf zu decken. In den letzten Jahren ist man deshalb dazu übergegangen, die abgepumpte Muttermilch mit speziellen Ergänzungsprodukten anzureichern. Solche Nahrungszusätze enthalten zusätzlich Eiweiß, Zucker, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine und ergänzen damit die Muttermilch optimal in ihrer natürlichen Nährstoff- und Schutzfunktion. Nachdem der Energiebedarf der Frühchen je nach Geburtsgewicht und -zeitpunkt sehr unterschiedlich ist, kann man die Nahrung mit Hilfe dieser Zusätze optimal an die jeweiligen Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes anpassen. Studien bestätigen den Erfolg: Babys, die mit angereicherter Muttermilch ernährt werden, sind schneller in der Lage, ihr Wachstumsdefizit auszugleichen.

Frühgeborenen-Nahrung

Aber auch wenn es mit dem Stillen nicht klappt - aus welchen Gründen auch immer - müssen Sie sich keine Sorge machen. Es gibt heutzutage Spezialnahrungen für Frühgeborene, die Ihr Baby mit absolut allem versorgen, was es gerade eben für seine optimale Entwicklung braucht, wie zum Beispiel Frühgeborenen-Nahrung. Diese speziellen Frühgeborenen-Nahrungen haben einen erhöhten Gehalt an Eiweiß, Mineralstoffen - vor allem Calcium und Phosphor für die Knochen -, Vitaminen und Spurenelementen. Nach dem Vorbild der Muttermilch sind sie mit probiotischen Bifiduskulturen angereichert, die das Immunsystem unterstützen und das Wachstum einer gesunden Darmflora anregen. In der Regel empfehlen Kinderärzte, dass Frühchen wegen ihres erhöhten Nährstoffbedarfs bis zu einem Gewicht von etwa 5000 Gramm weiterhin diese besondere Frühgeborenen-Spezialnahrung erhalten sollen. Fragen dazu können Sie gern unserem Kinderarzt und Frühgeborenenexperten Prof. Dr. Jorch stellen.

Zwiemilch-Ernährung

"Zwiemilch"-Ernährung bedeutet, dass ein Baby entweder abwechselnd mit Muttermilch und Fertignahrung gefüttert wird oder nach dem Stillen an der Brust noch ein Fläschchen bekommt. Gerade bei Frühchen kann das sehr sinnvoll sein, weil die Mutter durch reines Abpumpen oft nicht die Menge an Milch erreicht, die das Baby mit seinem erhöhten Energiebedarf braucht.

Wenn man zwischen Muttermilch und Fläschchennahrung abwechselt, nimmt man der Mutter den Druck, dass sie "nicht genügend Milch hat" - eine Angst, die oft die Milchmenge noch weiter zurückgehen lässt. Die Mutter kann entspannt weiter stillen oder abpumpen und das Baby bekommt seinen Anteil an wichtigen Immunstoffen aus der Muttermilch. Die hochkalorische Fertignahrung unterstützt zusätzlich das Wachstum des Babys. Auch eine sogenannte "Saugverwirrung" - wie man sie bei gestillten Babys befürchtet, wenn sie plötzlich am Fläschchen trinken - fällt hier weg, weil Frühchen anfangs meistens ohnehin die Muttermilch per Flasche bekommen und damit an den Sauger gewöhnt sind.

Alles übers Stillen von Frühchen und die Haltbarkeit von Muttermilch finden Sie in den Stilltipps für Frühchen-Mütter oder in unserem Rund-ums-Baby Stillbereich.

von Maxi Christina Gohlke

Zuletzt überarbeitet: Mai 2017

   

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