Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Fingerfood einführen? (das Baby will keinen Brei)

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Danke für Ihre Beiträge, die ich gerne lese und versuche in der Praxis umzusetzen. Ich hoffe, dass Sie mir ein paar konkreten Tipps geben könnten, da mein 7 Monate alter Sohn seit ein paar Wochen den Brei verweigert und ich schaue jetzt, wie einen gesunden und motivierenden Essplan für ihn zu gestalten.

Ein bisschen zu unserem bisherigen Essen:
Mein Sohn wird nach Bedarf vollgestillt.
Mit 5 Monaten – hausgemachte Gemüse Brei zum Mittag - Karotte, Kürbis, Pastinake, Kohlrabi, Brokkoli...danach Kartoffel dazu und Kombi: Karotte+Pastinake, Kürbis+Zucchini usw. Gemüse aus dem Bio-Laden. Die Menge, die wir sehr langsam erreicht haben war 50g. Er isst auf dem Schoß am Tisch.
Mit cca 6 Monaten beginnt mein Sohn den Brei zu verweigern, der Mund bleib einfach zu. Er kaut lieber an den Löffel (Zahnen?). Trotzdem bekommt er einen sicheren Hochstuhl und einen Obst-Getreide-Brei am Vormittag (Gemüse-Kartoffel-Brei bekommt er jetzt am Nachmittag).
Er ist momentan 7 Monate alt, letzte Woche hatten wir eine Pause, da ich schon viele Tricks probiert habe und sein Verhalten ist ungeändert geblieben. Trotzdem hat er während der Pause Interesse für unser Essen gezeigt. Er kaut weiter sehr gerne an den Löffel mit ein wenig Brei und so schafft ein wenig davon zu essen. Er macht den Mund überhaupt nicht auf, wenn wir es versuchen, ihn zu füttern. Nach der Mahlzeit trinkt er sehr gerne an der Brust und nimmt ordentlich zu.

Da er das übliche Füttern nicht funktioniert, habe ich gedacht, ich sollte ihm vielleicht Fingerfood anbieten. Hier bitte ich Sie um Hilfe
1. Glauben Sie, dass Fingerfood eine Lösung sein könnte, oder soll ich weiter geduldig mit dem Brei versuchen? Wir werden noch eine Weile sicher beim Brei bleiben – haben Sie diesbezüglich einige Tipps für uns?
2. Ist eine Kombination von Brei und Fingerfood möglich? Was sagt Ihre Erfahrung dazu? Welche sind die Möglichkeiten?
3. Brei selbst zu kochen ist einfach. Mit einem Dampfgarer und ab und zu Einfrieren kann man viel Zeit und Energie sparen. Wie ist es mit dem Fingerfood? Aus meinem Teller kann ich ihm nicht zu essen geben, da ich nämlich nicht nur gares Gemüse esse Wie soll das in Praxis funtionieren?
4. Für die sicheren, ausprobierten Ideen wäre ich dankbar. Bis jetzt habe ich nur gares Gemüse/Fleisch/Obst und Brot mit Butter/Frischkäse auf der Liste. Was ist noch am Anfang geeignet?

Vielen Dank im Voraus!
Lg

von Forsythie am 25.03.2020, 18:56 Uhr

 

Antwort auf:

Fingerfood einführen? (das Baby will keinen Brei)

Hallo Forsythie
vielen Dank für dein nettes Feedback.
Wenn ich deine Schilderung richtig interpretiere, dann mag dein Baby nach anfänglichem aber bescheidenem Interesse nun keinen Brei mehr gefüttert bekommen. Er mag den Löffel am liebsten selbst halten.Er akzeptiert Brei auf diese Weise. Die Mengen sind für die Sättigung vollkommen irrelevant. Du stillst dein Baby gerne und viel, im Prinzip nach Bedarf. Dein Baby gedeiht gut.
Eine gute Lösung wäre demnach tatsächlich die BLW-Variante. Das BLW, auch baby-led- weaning genannt ist momentan eine sehr beliebte Methode, um Babys an Beikost zu gewöhnen. Ohne Fahrplan, ohne Mengenvorgaben, ohne Rezepte, fast ohne Vorgaben.
BLW, auf deutsch auch babygeführtes Abstillen genannt oder babygesteuerte Beikosteinführung eignet sich für nach Bedarf gestillte, gesunde und reif geborene Babys sehr gut, wenn diese den üblicherweise empfohlenen Beikostweg weniger begeistert mit gehen.
Du könntest demnach loslegen und dein Baby mit dieser sanften Beikostmethode an neue Nahrung, an neue Lebensmittel, an neuen Geschmack, an neue Konsistenzen, an die neue Esstechnik, an neue Esserfahrungen gewöhnen.

Beim BLW bekommt dein Baby die Möglichkeit, das angebotene Essen selbständig kennenzulernen. Hier hat dein Baby die Möglichkeit, sich spielerisch und aktiv mit der angebotenen (gefahrenfrei zubereiteten) Kost, auf langsame und spielerische Art, in seinem Tempo auseinanderzusetzen. Dein Baby kann die neuen Speisenangebote ausgiebig und selbständig kennenlernen.
schau mal hier:
https://www.rund-ums-baby.de/kochen-fuer-kinder/Blw_46586.htm
In diesem Beitrag kannst du eine grobe Zusammenfassung in kurzen Sätzen nachlesen.

Du kannst in deinem Dampfgarer sämtliche Gemüsesorten/Obstsorten garen (weich), so dass dein Baby diese selbständig in die Hand (Faust) nehmen und zum Mund führen, ggf essen kann.
Es geht noch nicht um den nutritiven Aspekt, sondern zunächst noch vorrangig um die Geschmackserfahrung mit allem und Drum und Dran. Man bezeichnet dies als die Förderung der oralen Toleranz.
Dein Baby erfährt durch die verschiedenen sensorischen Eindrücke im Mundraum eine Gewöhnung an verschiedene Konsistenzen.

Erst ab etwa 8 Lm wird dein Baby soweit sein, größere Mengen der breifreien Kost zu essen, um davon auch evtl satt zu werden. Erst dann würde dein Baby weniger Milch trinken. BLW bedeutet: stillen so oft wie nötig. Dazu geeignete Beikost zum Kennen lernen. Die Menge bestimmt das Baby.

Du brauchst deinem Baby keinen Brei mehr zu füttern, wenn es dein Baby nicht möchte.
Du könntest deinem Baby trotzdem weiterhin Brei anbieten. Probiere es doch einmal aus, dass dein Baby den Brei (eine kleine Menge) mit den Händen vom Teller selbständig aufnimmt.
BLW funktioniert durch ganzhetiliches Begreifen und zwar im ganz wörtlichen Sinne. Ziel und Zweck des BLW ist das Erleben von Vielfalt.
Beim BLW bekommt das Baby die Möglichkeit, das angebotene Essen selbständig kennenzulernen. Hier hat dein Baby die Möglichkeit, sich spielerisch und aktiv mit der angebotenen (gefahrenfrei zubereiteten) Kost, auf langsame und spielerische Art und Weise, in seinem Tempo auseinanderzusetzen und diese ausgiebig kennenzulernen.

Zubereitung babygerechte Gemüsesticks:
Schneide aus rohen Gemüsesorten (bspw Möhre, Pastinake, Kohlrabi, Zucchini, Kürbis, Süßkartoffel, Kartoffeln, auch: Brokkoliröschen, Blumenkohlröschen) oder Obstsorten wie Apfel, Birne fingerdicke ca 8-10cm lange Stücke. Gare sie (dampfgaren oder in wenig Wasser dünsten) ohne Zusätze in einem Topf mit etwas Wasser einfach sehr weich.
Fertig ist das Fingerfood.
Als Stäbchen/Stick lässt sich das weiche Gemüse (Kartoffel oder Obst) gut mit der Faust umschliessen und festhalten. Die Kleinsten lutschen das Stückchen vorsichtig ab und erspüren und erschmecken das "Ding".
Auch Gemüsesticks kannst du in Öl schwenken.

Dein Baby darf im Hochstuhl oder auf deinem Schoß sitzend die angebotenen Gemüsesticks selbständig greifen und ablutschen, beissen, essen.

Erlaubt ist was gefällt und deinem Baby nicht direkt schadet - Stichwort verantwortungsbewusste Lebensmittelauswahl.*

Wenn diese Art der Beikost dein Baby zukünftig mehr begeistert, dann wird er bald die Mengen und das Interesse steigern. Mit zunehmender Reife (ab etwa 8. Lm), das wirst du merken, kannst du die angebotenen Speisen komplexer gestalten und allmählich erweitern. Dazu solltest du immer so viel stillen wie es nötig ist.
Melde dich gerne noch einmal, wenn ihr die beifreie Beikost soweit gut etablieren konntet, so dass ihr alle zusammen wieder zufrieden mit der Situation seid.
Melde dich, wenn ihr soweit seid und ich helfe dir gerne mit ein paar Rezepten weiter.
Oder hast du noch Fragen?
Bis dann
Grüße
Birgit Neumann

P.S.
*
dein Baby sollte alle angebotenen Speisen gefahrenfrei kauen und schlucken können.
Die angebotenen Speisen müssen "sicher" sein - in Punktio Hygiene und Lebensmittelauswahl .
keine ganzen Nüsse etc, denn an diesen Lebensmitteln können sich Babys und Kleinkinder leicht verschlucken. Nüsse sollten für Babys immer nur als Mus verwendet werden.
Kerne, Saaten, Samen, grobe Körner (bspw in Broten) sind tabu.
Ebenfalls heikel: kleine Beeren, ganze Weintrauben mit Kernen, Hülsenfrüchte. Diese einfach plattdrücken oder klein schneiden, ggf entkernen.
Keine rohen Wurzelgemüse oder harten Obstsorten in Stücken, da zu hart. Diese einfach musen, fein reiben oder raspeln bzw garen (z.b. Apfel).
Vorsicht bei Fisch wegen Gräten. Keine Salatblätter, keine kleine runden LM.
Verwende möglichst viele Nahrungsbasics! Ungewürzt und einfach.

von Birgit Neumann am 27.03.2020

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