Dr. med. Ludger Nohr

Bindung

Antwort von Dr. med. Ludger Nohr

   

 

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Guten Tag,

Lange habe ich überlegt mich an Sie zu wenden und beschreibe ihnen kurz unsere Situation. Mein Sohn ist jetzt 13 Monate alt. Sehr aktiv, wissbegierig und neugierig. Er ist wenn Besuch da ist der reinste Sonnenschein. Wir achten viel auf gemeinsame Zeit, liebevolle Konsequenz und Struktur, weil ich dies selbst wenig hatte und im Laufe meines Lebens gemerkt habe wie wichtig dies doch ist. Selbst habe ich wenig Nähe und Lob/ gute Worte von meinen Eltern erfahren und wusste direkt; das mache ich anders.

Von Anfang an habe ich ihn viel Tragen wollen, gekuschelt, viel mit ihm gesprochen und vorgelesen.

Nun zum "Problem" es scheint als will er diese Nähe nicht. Er will wenig bis eigentlich gar nicht kuscheln, drückt oft die Hand weg, wenn man ihn streichelt, drückt sich auf dem Arm weg, wenn man ihn hochnimmt wenn er weint.. er legt nie den kopf an einen oder sonst was.
Er würde auch nie zwischen meinem mann und mir im Bett schlafen wollen (anfangs genoss er morgens nach dem aufstehen in unserem bett nochmal zu liegen), mittlerweile beruhigt er sich nur in seinem bett.

Ein kind ist kein kuscheltier ganz klar, aber manchmal macht es mir Angst.

Ich möchte so gern seine Vertrauensperson sein.

Mache ich etwas falsch?

von Dramaqueen89 am 29.01.2019, 14:52 Uhr

 

Antwort:

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Hallo,
zuerst mal interessiert mich, was es Ihnen schwer gemacht hat, Ihre Sorgen hier zu teilen und zu fragen?
Zu Ihrer Wahrnehmung: Die Bedürfnisse der Kinder (Menschen) sind sehr unterschiedlich. In der Regel haben alle ein Nähe-bedürfnis, aber mit sehr unterschiedlicher Intensität. Das ist nicht gut oder schlecht, es ist verschieden. Dies gilt es wahrzunehmen und zu beachten. Die Nähe-Distanz-Regelung ist in jeder Beziehung wesentlich. In der Mu-Ki-Beziehung sind die Möglichkeiten der Regelung sehr unterschiedlich verteilt. Deshalb spricht man hier vom affekt attunement, also der Fähigkeit der Mutter/Eltern, sich auf die Wünsche des Kindes einzustellen,( also nicht die eigenen Wünsche oder Vorstellungen in den Vordergrund zu nehmen). Heißt konkret, geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit seine eigenen Bedürfnisse zu entwickeln und auszudrücken und reagieren Sie darauf. Wenn Sie es anders machen, hat das Kind wenig Chance, weil Sie viel schneller sind. Und dann stimmt es nicht, es entstehen Abwehrreaktionen. Aber nicht gegen die Nähe an sich, sondern gegen ein zu viel, ein nicht passend. Es ist ein sehr befriedigendes Ergebnis (und keinesfalls selbstverständlich und immer), wenn einem diese Feinabstimmung gelingt.
Viel Freude dabei.
Dr.Ludger Nohr

von Dr. med. Ludger Nohr am 30.01.2019

Antwort:

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Ich bin nicht Dr. Nohr, hoffe aber, ich darf dir trotzdem antworten.
Unsere Nachbarn haben 2 Mädchen. Die eine ist ein Kuscheltierchen - von Anfang an gewesen. Die andere (übrigens ältere! also mit mehr Aufmerksamkeitszeit :-) gar nicht. Sie kommt mal, aber wirklich kuscheln eher nicht. Eher mal kurz umarmen, meistens aber eher nur bei Mama/Papa stehen, evt. anlehnen. Sie braucht einfach nicht diese Nähe, um sich gut zu fühlen. Nicht alle Babies sind Kuschler. Genau wie bei Erwachsenen - manche müssen/wollen einen sofort umarmen, immer wieder mal berühren im Gespräch etc. - und andere möchten das einfach nicht.
Respektiere diesen Wunsch deines Kindes - er wird von selbst kommen, wenn er möchte. Und bedenke auch: Kinder müssen sich irgendwann abnabeln. Und dazu gehört auch oft, Kuscheln plötzlich nicht mehr in dem Maße zu wollen wie noch 6 Wochen zuvor.

von cube am 29.01.2019

Antwort:

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Hi, ich hoffe ich darf auch noch antworten. Mein Sohn mochte, bis er etwa zwei war, auch kaum kuscheln. Schon als Baby wollte er bald nicht mal mehr auf unserer Brust schlafen oder so. Getragen wurde er gern, aber ich glaube, eher weil er da was sehen konnte als wegen der Nähe. Ich fand das auch traurig, habe es aber respektiert -- er hat seine Bedürfnisse immer sehr klar gemacht. Inzwischen hat er auch schon mal echt kuschelige Momente, kommt und will umarmt werden, legt sich morgens zu uns ins Bett und kuschelt sich an, sagt, dass er kuscheln oder streicheln oder trösten will. Kürzlich hat sogar die Erzieherin in der Krippe gesagt, dass er plötzlich öfter mal zum Kuscheln kommt, was er vorher nie gemacht hat.

Ich schließe mich daher Dr. Nohr und cube an, jedes Kind ist anders. Und es kann sich noch ändern, deiner ist ja noch sehr klein! Meiner war schon immer sehr aufmerksam an seiner Umgebung interessiert, und an der Funktionsweise von Dingen. Beobachten und Verstehen ist wohl eher seins, als Körperkontakt und Nähe (und vielleicht allgemein als soziale Interaktion, das wird die Zukunft zeigen -- er spielt gern mit anderen Kindern, hält aber eine gewisse Distanz). Als Baby mochte er keine weichen Kuschelspielsachen, nur harte Spielsachen aus Holz oder so. Und auch jetzt noch interessiert er sich null für Kuscheltiere. Ist halt so, gehört für mich alles zu seinem Charakter.
LG

von MetaN am 31.01.2019

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