Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

Kind verändert - wegen Schnullerentzug?

Frage: Kind verändert - wegen Schnullerentzug?

Ichmagkekse00

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Guten Tag,  es geht um meine Tochter (wird im Mai 3 Jahre alt). Wir sind jetzt am Tag 4 vom Schnullerentzug. Eigentlich wollten wir das sanft ausschleichen (was aber auch nie so richtig geklappt hat). Sie hat aber nach und nach ihre Schnuller kaputt gekaut und gebissen, dass wir gesagt haben wir kaufen keine neuen... Jetzt hat sie natürlich ihre letzten beiden Schnuller zeitgleich kaputt gemacht... Und sie brauchte den Schnuller zuletzt noch relativ häufig teilweise...vor allem zum Beruhigen.. Wir wollten daher konsequent sein und die jetzt weglassen (wir haben ihr das vorher immer wieder so erklärt).... Ich fühle mich da auch grad so zwiegespalten, weil ich natürlich möchte, dass es meinen Kind gut geht. Aber anderseits haben wir ihr immer wieder erklärt, dass das die letzten Schnuller sind und es danach keinen mehr gibt...es wäre ja dann erzieherisch nicht besonders klug ihr jetzt wieder einen zu geben... Zu mal ich dann auch Angst habe, dass es wieder eher schlimmer wird und wir den garnicht los bekommen (leider merkt man es bereits vor allem an der Sprache und auch an den Zähnen dass sie extrem lange geschnullert hat) Einschlafen abends klappt eigentlich ganz gut, sie fragt halt danach aber es geht auch ohne....allerdings wenn sie nachts aufwacht fällt ihr das einschlafen ohne wieder schwer.. und am allerschlimmsten sind die Wutanfälle...sie kann sich ohne Schnuller überhaupt nicht beruhigen...das muss sie jetzt halt lernen dass ist uns klar. Was mir allerdings Gedanken macht, ist dass sie plötzlich total verändert ist.  Sie hat jetzt wochenlang quasi rund um die Uhr kuscheln wollen...teilweise so intensiv dass sie quasi wieder in mich reinkriechen wollte.  Das kam allerdings auch recht plötzlich vor ein paar Wochen/Monaten...also dieses intensive kuscheln hat sie vorher auch nicht so gemacht.  Seit dieser Woche will sie kaum bis garkeinen Körperkontakt mehr.  Das kuscheln ist total vorbei, weder tagsüber noch zum schlafen möchte sie das. Gestern bei ihrem Wutanfall durften wir sie nichtmal berühren... Auch kam sie wochenlang freudestrahlend in meinen Arm gelaufen wenn ich sie von der Tagesmutter abgeholt habe. Seit dieser Woche werde ich quasi nicht mal mehr begrüßt... Also auch das kenne ich; anfangs bei der Tagesmutter hat sie mich auch kaum beachtet wenn ich sie abgeholt habe... Und abends ins Bett gehen ist aktuell eine kleine Katastrophe....vor allem Zähne putzen ist ganz plötzlich ein Kampf..morgens auch aber da kriege ich sie noch überzeugt weil sie halt gerne zur Tagesmutter möchte. Aber freiwillig wie sonst keine Chance.. das war bisher nie ein Problem. Wir merken auch, dass sie aktuell wieder total aufgedreht und unruhig ist. Sie ist mit ihren Gedanken teilweise völlig woanders. Das wurde uns auch von der Tagesmutter so zurückgemeldet Kann das auch einfach wieder ein Entwicklungsschritt jetzt in der Autonomiephase sein?  Oder hängt das mit dem quasi ,,kalten Entzug" vom Schnuller zusammen?  Ich habe natürlich Angst, dass wir ihr mit diesem harten Entzug total schaden....


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, Sie müssen Ihrer Tochter den Schnuller nicht wieder geben. Das würde das dahinter stehende Problem nicht lösen. Das Verhalten Ihrer Tochter lässt darauf schließen, dass sie mit den Themen der Autonomiephase beschäftigt ist. Das Bedürfnis nach intensiver Nähe sowie der Wechsel zu völliger Ablehnung von Körperkontakt weisen darauf hin, dass Ihre Tochter sich innerpsychisch zwischen Autonomie und Abhängigkeit bewegt und diese für sich erprobt. Das beobachten Sie als Veränderung. So sehr Kinder Autonomie anstreben, kann diese auch eine Angst vor Alleinesein auslösen, was vorübergehend wieder zu einem Bedürfnis nach großer Nähe führt. Das wird sich im Laufe dieser Phase allmählich legen. Zu dieser Entwicklungsphase gehört auch das Wahrnehmen und Einsetzen der eigenen aggressiven Impulse. Das kann zu heftigen Wutanfällen bei Frustrationen führen. Kleinkinder beginnen in dieser Phase zu lernen, wie sie mit ihren aggressiven Impulsen sozial angemessener umgehen können. Ihre Tochter mag den fehlenden Schnuller als Anlass für ihre Wut nutzen. Der Grund dafür ist er nicht. Wenn Sie ihr den Schnuller wiedergeben, wird es einen anderen Anlass für Wutanfälle geben. Sie brauchen also den guten Start in die schnullerlose Zeit nicht aufs Spiel zu setzen. Unterstützen Sie Ihre Tochter bei der Entwicklung von Frustrationstoleranz, indem Sie sie trösten und beruhigen, wenn sie wütend ist. Dieses Gefühl ist für Kinder diesen Alters noch schwer erträglich. Bieten Sie ihr Alternativen und seien Sie vor allem großzügig. Dann werden eben die Zähne mal nicht geputzt oder sie macht es selbständig auf ihre Art. Für Ihre Tochter ist es wichtig, zu erfahren, dass Sie ihrer Wut standhalten können und sie Ihre Liebe deswegen nicht verliert. Das gibt ihr zunehmend die Sicherheit, sich neuen Entwicklungsaufgaben zuzuwenden. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


Ichmagkekse00

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Gerade hat sie sich wieder nach einem Wutanfall total in Rage geschrien und sich überhaupt nicht beruhigen lassen.... sie hat die ganze Zeit nach ihrem Schnuller geschrien.... Oder ist es doch besser ihr den Schnuller zurück zu geben?


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