Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

Kind fehlt Motivation

Frage: Kind fehlt Motivation

MaDaS

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Guten Tag Frau Henkes! Mein Sohn ist 5,7 Jahre alt und kommt im Herbst in die Schule. Wir hatten ein Gespräch mit der Direktorin und sie meinte, dass er noch nicht ganz schulreif ist. Ich habe nichts dagegen, wenn er mit sieben Jahren in die erste Klasse kommt, bei ihm es aber so, dass er kognitiv schulreif ist und schon viel kann, was andere Kinder in seinem Alter nicht können, er sehr konzentriert arbeitet, die Sachen sehr genau macht und sprachlich auch alles in Ordnung ist. Sein Problem ist, dass ihm die Motivation fehlt etwas zu machen wozu er keine Lust hat bzw. was zu schwierig ist. Wenn er Lust hat etwas zu machen und die Aufgabe nicht zu lange ist, dann fällt es ihm leicht und er macht es auch ordentlich und genau. Wird er aber zu einer Aufgabe "gezwungen", weil er gerade keine Lust hat diese zu machen, dann macht er es schnell, ungenau oder es fehlt etwas. Bei der Schuleinschreibung war es auch so, dass er desinteressiert und müde war bzw. gewirkt hat und die Aufgaben ungenau und nicht alles gemacht hat, weil er eben keine Lust hatte. Wenn er zum Beispiel ein Muster fortsetzen muss dann wird er diese Aufgabe nicht zu Ende machen, weil dass für ihn langweilig ist, vielleicht zu schwer oder zu lange dauert, obwohl er die Aufgabenstellung versteht. Er lässt sich zu Hause von mir auch nichts zeigen/erklären und wenn ich dann sage, dass er zum Beispiel ein Bild ausmalen soll, dann will er das nicht machen, weil er malen nicht mag, keine Lust hat und alles doof ist. Wie kann ich ihm beibringen, dass er auch die weniger tollen Aufgaben genau und ordentlich machen muss? Zwingen will ich ihn nicht unbedingt, denn er soll es von sich aus gerne machen, aber wenn er dann bei einer einfachen Aufgabe zu lange braucht, nur weil er keine Lust hat diese zu machen, dann verzweifelt er noch mehr, hat keine Lust und sagt, dass er es nicht kann und die Aufgabe blöd ist. Eine Belohnung sehe ich auch als kritisch, da er nicht für jede gelöste Aufgabe eine Belohnung bekommen kann. Ich glaube auch nicht, dass er mit sieben Jahren eine andere Einstellung haben wird und die Aufgaben dann lieber macht als jetzt, da er einfach vom Charakter so ein Typ ist. Ich denke und hoffe, dass er sich in den nächsten sechs Monaten noch weiterentwickeln wird und vielleicht lernt er auch die Aufgaben zu machen, die keinen Spaß machen bzw. sieht und lernt er in der Schule von den anderen Kindern. Was denken Sie? Die Direktorin möchte gerne, dass er im Herbst in die Vorschule kommt, dh. er ist ein Vorschulkind, ist aber in der ersten Klasse mit den Erstklässler und bekommt die gleichen Aufgaben wie diese, nur mit dem Unterschied, dass er nicht alles genau und richtig machen muss bzw. es wird nicht so sehr darauf geachtet ob er alles kann oder nicht usw. Ich persönlich würde ihn mit der ersten Klasse starten lassen und falls er Schwierigkeiten hat, dann besteht die Möglichkeit ihn zurückzustufen und als Vorschulkind in der Klasse zu sein. Falls er im Herbst gleich als Vorschulkind startet und er im Laufe des Jahres sich verbessert, dann ist es möglich während des Schuljahres als Erstklässler eingestuft zu werden, aber das ist sehr selten der Fall und ich denke mir, wenn er merkt, dass er sich nicht so sehr bemühen muss, weil er ein Vorschulkind ist, dann wird er sich auch nicht anstrengen. Wie sehen Sie die ganze Situation und würden mir empfehlen? Vielen Dank LG Daniela


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, nach Ihrer Beschreibung teile ich Ihre Einschätzung, dass ein späterer Schuleintritt für Ihren Sonn nicht hilfreich wäre. In der Regel lernen Kinder in der Schule, dass sie Aufgaben nicht nur nach dem Lustprinzip lösen können, sondern sich an den Vorgaben von Lehrer/innen orientieren müssen. Es ist vermutlich nicht hilfreich, mit Ihrem Sohn zu Hause das Lösen schulischer Aufgaben zu üben. Zu Hause sollte Ihr Sohn nicht malen müssen. In der Schule wird er lernen, dass es Folgen hat, wenn er sich nicht an die schulischen Regeln hält. Da Ihr Sohn schlau ist, steht zu vermuten, dass er Wert auf Bestätigung und Lob durch die Lehrer/innen legt. Das kann schon helfen, sein Verhalten zu ändern. Zu Hause hat Ihr Sohn vielleicht auch schon kleine Pflichten wie Spielsachen aufräumen, die Jacke an den Haken zu hängen oder beim Tischdecken zu helfen. Damit können Sie zu Hause unterstützen, dass Ihr Sohn Pflichten übernimmt, zu denen er keine Lust haben muss. Eine reguläre Einschulung ist für Ihren Sohn sicherlich motivierender als die Chance eventuell vom Vorschulkind zum Erstklässler "hochgestuft" zu werden. Es hilft Ihrem Sohn, wenn Sie ihm ganz deutlich zutrauen, die Anforderungen der ersten Klasse zu erfüllen. Den Plan B muss er nichts kennen. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


MaDaS

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Danke für die Rückmeldung. Wir hatten noch einmal ein Gespräch und an dieser Schule ist es üblich, dass Kinder jetzt schon als "Vorschulkind" eingestuft werden, da die Schulleitung dann mehr Stunden für Voschulkinder zum Fördern bekommt. Mein Vorschlag wäre, dass mein Kind als Erstklässler im Herbst beginnt und im Laufe des Jahres zurückgestuft wird, falls er Schwierigkeiten hat, aber das wird an dieser Schule so nicht gehandhabt und außerdem würde die Schule dann weniger Förderstunden bekommen, wenn es ein Vorschuldkind weniger gibt. Ich könnte zwar einen Einspruch machen und um die Aufnahme als Erstklässler appellieren, aber ich bin mir nicht sicher ob das eine gute Idee ist, da ich nicht weiß, ob es genehmigt wird und falls ja, vielleicht wird die Schule im Herbst oder zu Weihnachten sagen, dass er zurückgestuft gehört. Zwar sitzt er in der Klasse gemeinsam mit den Erstklässler und alle Kinder bekommen die gleichen Aufgaben und Hausaufgaben auf, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Aufstufung erfolgen wird, wenn sich sein Charakter nicht ändert. Er ist bei neuen Aufgaben/Situationen zurückhaltend und beobachtet zuerst. Wenn er sich sicher ist, dann traut er sich auch etwas zu machen/sagen. Er hat bei der Schuleinschreibung einige Sachen nicht gemacht, aber aus dem Grund, weil er in diesem Moment keine Lust hatte und er die Aufgaben korrekt, genau und ordentlich machen will. Andere Kinder würden einfach anfangen die Aufgaben zu lösen (egal ob richtig oder falsch), aber mein Sohn macht es nicht, da er lieber nichts macht anstatt Fehler zu haben und wenn ihn eine Aufgabe nicht interessiert, dann macht er es unordentlich, nur damit er in Ruhe gelassen wird. Ich mache mir auch Gedanken, wie es sein wird, falls er nicht aufgestuft wird und er dann wiederholen muss....dann sitzt er in der Klasse und langweiligt sich vielleicht und im schlimmsten Fall stört er den Unterricht, weil er unterfordert ist und sein Charakter ist gleich wie jetzt. Wir haben auch einen Bescheid bekommen, wo genau steht wie er im sozialen, kognitiven, motorischen Bereich ist bzw. was bei der Einschreibung und mit Absprache des Kindergartens festgestellt wurde. Alle Bereiche sind normal bzw. überdurchschnittlich, der Grund für die Einstufung in die Vorschule ist: zurückhaltung gegenüber neuen oder ungewohnten Aufgaben und Schwierigkeiten in der Arbeitshaltung und Lernbereitschaft. Ich hoffe, dass sich seine Arbeitshaltung mit Schulbeginn ändert und einer Aufstufung nichts im Weg steht. LG Daniela


Mumpel

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Hallo! Die Probleme, die dein Sohn hat, sind für mich ein klarer Fall für Ergotherapie! Wenn ihr da zeitlich flexibel seid und vielleicht vormittags einen Termin wahr nehmen könntet, bekommt ihr vielleicht zügig einen Termin. Die Ergotherapuetin kann auch "Hausaufgaben" / Ergotherapie-Aufgaben für zu hause "aufgeben". Dann kann man ihn bestimmt in der verbleibenden Zeit bis zur Einschulung gezielt unterstützen. Wenn er kognitiv gut aufgestellt ist, wird er inhaltlich in der 1. Klasse nicht so viel neues Lernen. Das Hauptproblem wird Zeitmanagement, Arbeitsorganisation und Frusttationstoleranz sein und das kann man gut bearbeiten, auch über den Einschulungstermin hinaus.  Bei meiner Tochter hängt es total am Arbeitstempro. Wenn sie was nicht interessiert, dauert alles ewig lange ... die einfachsten Aufgaben werden zum "Problem", während schwierigere Aufgaben z.B. beim Mathe-Wettbewerb in der vorgesehenen Zeit geschafft werden! Im Unterricht Trödelliese hoch 10, bei Klassenarbeiten (vorgegebener Rahmen, hohe externe Struktur) liefert sie ab, auch bei einfachen Aufgaben ...  Ich würde ganz dringend mit dem Kinderarzt telefonieren, ob er Ergotherapie verschreiben kann und dann versuchen, so schnell wie möglich mit Ergo starten. Und selbst wenn ihr ein paar Monate auf einen Therapieplatz warten müsst, ist das auch kein Beinbruch. Inhaltlich wird er nicht viel verpassen ... 


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