Isabell91
Hallo Frau Welter, ich habe vor knapp 2 Wochen entbunden. Bei der Geburt wog unser Sohn 4230g und war 51cm groß. Nun stille ich ihn nach Bedarf. Ich arbeite mit einer Still App und kann so gut nachvollziehen wann er getrunken hat. Bei dem letzten Besuch meiner Hebamme wurde er nach einer Woche gewogen. Er hat 470g in der Zeit zugenommen und sie meinte das wäre viel zu viel und ich sollte die Abstände der Mahlzeiten mind. auf 3 Stunden strecken. Ich hab in meiner App dann nochmal geschaut und eigentlich liegt der Abstand der Mahlzeiten meistens immer zwischen 2-3 Stunden. Lediglich abends sind die Abstände manchmal kürzer. Muss ich mir wegen der Gewichtszunahme Gedanken machen? Mir ist klar, dass mein Sohn schon mit einem hohem Gewicht gestartet hat und dass wir laut Gewichtskurve ziemlich weit über den Durchschnitt liegen. Ich möchte mein Baby aber ehrlich gesagt nicht hungern lassen und es auf biegen und brechen auf diese 3 Stunden warten lassen, wenn es schon vorher Hunger hat. Schnuller wurde bisher leider auch noch nicht ganz angenommen, so dass man es damit rauszögern könnte. Ich freue mich auf ihre Rückmeldung! Liebe Grüße
Liebe Isabell91, ALLE Stillexperten sind sich einig, dass Stillen nach Bedarf für Mutter und Kind am besten ist. So wird sichergestellt, dass das Baby die Nahrung, die es braucht, genau dann bekommt, wenn es sie braucht und sich das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage einstellen kann. Während eines Wachstumsschubs kann es durchaus sein, dass ein Baby alle Stunde an die Brust möchte. Stillen ist viel mehr als nur eine Form der Ernährung: es ist Trost, gibt Nähe, Geborgenheit und Zuwendung. Deshalb ist das Stillen in keiner Hinsicht mit dem Flaschegeben zu vergleichen. So kleine Babys wollen im Schnitt zwischen acht und zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden. Im Schnitt heißt, es gibt Babys die seltener nach der Brust verlangen (eher wenige Babys) und es gibt Babys, die häufiger an die Brust wollen (die Mehrzahl). Nun ist es jedoch nicht so, dass ein Kind zügig zwanzig Minuten trinkt und sich dann nach drei Stunden das nächste Mal rührt, sondern es kommt immer wieder zu Stillepisoden, die so ablaufen: das Kind trinkt eine kurze Weile, hört auf, döst vielleicht sogar weg und beginnt erneut kurz zu trinken usw. Dieses Verhalten heißt Clusterfeeding und ist absolut normal für kleine Babys. Besonders gehäuft treten diese Stillepisoden am Nachmittag und Abend auf, wie überhaupt die Abstände zwischen den Stillzeiten im Verlauf des Tages immer kürzer werden. Gerade Kinder, die nach Bedarf gestillt werden, behalten ein gutes Gefühl dafür, wann sie satt sind, denn sie entscheiden ja selbst, wann und wie viel sie trinken. Die Statur der Kinder ist genetisch festgelegt und bei einem Kind, das nach Bedarf gestillt wird, ist nicht zu befürchten, dass dadurch der Grundstein für ein späteres Problem mit Übergewicht gelegt wird. Im Gegenteil, Stillen schützt vor Übergewicht. Das heißt jedoch nicht, dass nicht auch ein gestilltes Baby zwischendurch wie ein kleiner Buddha aussehen kann. Im Gegensatz zur (industriell) stark weiterverarbeiteten Nahrung enthält Muttermilch keine leeren Kalorien. Es gibt keinen Beweis dafür, dass ein gestilltes Kind, das rasch zunimmt, als Erwachsener Gewichtsprobleme haben wird. Im Gegenteil es gibt mehrere Untersuchungen, die zeigen, dass Stillen eindeutig vor Übergewicht schützt und dass dieser Schutz nicht nur im Kindesalter sondern auch beim Erwachsenen anhält. Das Fett, das sich in der relativ passiven Phase vor dem Krabbelalter möglicherweise ansammelt, stellt einen Vorrat für die sehr aktive Phase dar, in der das quirlige Krabbelkind keine Zeit zum Essen haben will. Im Alter von ein bis zwei Jahren werden die Kinder, die schnell zugenommen haben, gewöhnlich von alleine schlanker. Wie gesagt, alle Stillexperten sprechen sich für das Stillen nach Bedarf aus, ohne Mindestabstand und Kontrolle! Ich hoffe, ich konnte dich schnell ein wenig beruhigen? Liebe Grüße Biggi
Isabell91
Lieben Dank für die ausführliche Antwort :-) Das beruhigt mich tatsächlich und ich werde weiter nach Bedarf stillen. Ich hatte nur Sorge, da die Zunahme innerhalb einer Woche wohl so stark war. Aber dann machen wir so weiter. Liebe Grüße Isabell
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