Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Wie kann ich meinen Sohn (23 Mo) sanft abstillen

Frage: Wie kann ich meinen Sohn (23 Mo) sanft abstillen

Charlotta

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Hallo! Schön, dass es dieses Forum gibt und schade, dass ich es erst jetzt entdecke... Ich möchte meinen Sohn langsam abstillen, da er sich sprachlich so gut ausdrücken kann, dass er inzwischen allen erzählt, dass er an Mama´s Brust Milch tinkt und auch schon bei Oma/Tante/Freundin gefragt hat und Familie/Freunde/Bekannte das lange Stillen langsam seltsam finden... Wir stillen derzeit morgens nach dem Aufstehen,mittags nach dem Aufstehen und abends vor dem Zähneputzen,kein Einschlafstillen,sondern"Einschlafsingen";-). Habe diese Stillzeiten relativ problemlos festgelegt,als er 1 Jahr alt war. Wir hatten enorme Anfangsschwierigkeiten, bis zum Alter von 6 Wochen tat Stillen wahnsinnig weh (sehr flache Brustwarzen), habe immer geweint+viel geschimpft,danach kein Problem mehr. Er wollte erst mit 9 Monaten Brei essen, bis dahin voll gestillt ( alle 2Stunden,max. 3 Stunden Abstand) Haben mit 15 Monaten nachts abgestillt mit Tragen,Schnuller,Singen,Wasserflasche,da er zum Dauerstillen neigte u aufwachte, als ich abdockte. Bei mir hat er beim nächtlichen Abstillen nur geschrien u ich war dann leider genervt,so hat mein Mann das übernommen,obwohl er eigentlich zu mir wollte:-(. Er hat dann nachts 2 Monate durchgeschlafen, wollte nur ab und zu den Schnuller. Dann sind wir aus seinem Kinderzimmer ausgezogen in unser Elternschlafzimmer. Seitdem er alleine im Zimmer war schläft er nicht mehr durch. Habe dann leider den Fehler gemacht und nochmal 2-3 Nächte gestillt, weil er ja doch wach wurde und so blieb das ewige am Bett sitzen aus.. Danach wollte er jedoch 2-3 Monate lang nachts immer wieder an die Brust (hat er nicht bekommen),war bis zu 2 Stunden wach, mein Mann u ich haben ihn sanft wieder in den Schlaf begleitet. Erst als wir eingeführt haben, dass wir morgens erst Anziehen und dann Stillen weiß er, dass es nachts keine Brust gibt. Warum war das so? Im Nachhinein war es doch dem Konditionieren gleichzusetzen? Er hat es nicht verstanden und es tut mir so leid. Seit 2 Wo schläft er bei uns im Elternschlafzimmer und ab und an fragt er nachts immernoch nach der Brust. Hat das erst ein Ende, wenn wir ganz Abstillen? Tagsüber vergisst er es auch oft, wenn ich ihn ablenke und fragt zwischendurch nie danach.. Ich weiß ich habe so viele Fehler gemacht und es tut mir so leid, möchte ihn nun ganz sanft Abstillen, wir haben keinen Zeitdruck. Liebe Grüße und danke für Ihre Arbeit hier. Charlotta


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Charlotta, Stillen ist eine Zweierbeziehung und wenn es dazu kommt, dass sich ein Partner dabei nicht wohl fühlt, dann müssen Lösungswege gefunden werden. Wenn Sie es nicht eilig haben, würde ich noch eine Weile abwarten, denn Ihr Kind zeigt sehr deutlich, dass das Stillen doch sehr wichtig für es ist. Wichtig ist auch, dass Sie zu Ihrem Entschluss stehen und nicht nur abstillen, weil Ihre Umgebung das so möchte! Die WHO empfiehlt ausdrücklich für ALLE Kinder eine Stillzeit von bis zu zwei Jahren und darüber hinaus. Es steht in der Innocenti Deklaration ausdrücklich, dass diese Empfehlungen für alle Kinder und nicht nur für Kinder in Drittweltländern Anwendung finden. Die amerikanische Akademie der Kinderärzte (AAP) empfiehlt ebenfalls eine mindestens einjährige Stillzeit für alle Kinder und darüber hinaus solange Mutter und Kind es wollen. Vielleicht noch als erstaunliche Feststellung: In älteren Schriften aus Österreich findet sich der Spruch „drei Karfreitag soll das Kind ziehen", was ebenfalls auf eine mindestens zweijährige Stillzeit hinaus läuft. Wenn das längere Stillen tatsächlich negativ wäre, würden kaum renommierte Organisationen wie WHO und AAP dazu raten. Statistisch gesehen stillen sich die Mehrzahl der Kinder, denen der Zeitpunkt des Abstillens selbst überlassen wird irgendwann zwischen den zweiten und vierten Geburtstag ab, wobei es Abweichungen nach unten wie nach oben gibt. Wenn es Ihnen und Ihrem Kind beim Stillen gut geht, dann gibt es keinen Grund, dass Sie jetzt abstillen. Sie schaden damit weder dem Kind noch sich, im Gegenteil es gibt eine ganze Reihe von gut dokumentierten Vorteilen sowohl für Sie als auch Ihr Kind, die sich aus einer längeren Stillzeit ergeben. Ich werden Ihnen jetzt ein paar weniger drastische Methoden beschreiben, die sich beim Abstillen eines älteren Kindes bewährt haben, vielleicht ist ja etwas dabei, was Ihnen weiterhilft: Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt „biete nicht an, lehne nicht ab". Das bedeutet, dass Sie Ihrem Kind die Brust nicht von sich aus anbieten, aber auch nicht ablehnen, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Ihre Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Sie müssen die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Sie viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmen, die Ihrem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Sie Ihr übliches Verhalten in bestimmten Situationen verändern. Wenn Sie zum Beispiel sitzen bleiben anstatt sich hinzulegen, wenn Sie Ihr Kind zum einschlafen bringen. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal ist es sinnvoll, wenn der Vater das abendliche Zubettbringen übernimmt. Manchmal bringt es das Abstillen auch weiter, wenn Sie das Stillen immer dann, wenn Ihr Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschieben. Das können Sie flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Sie können auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Sie können Ihr Kind eine kleine Weile anlegen und ihn dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Womöglich wäre „punktuelles Abstillen" eine Lösung für Sie. Es ist eine Alternative zum vollständigen Abstillen. Damit meine ich, dass zu bestimmten Zeiten nicht mehr gestillt wird oder Sie versuchen Ihr Kind davon zu überzeugen, nach einer ausreichend langen Zeit an der Brust, etwas anderes zu tun. Außerdem möchte ich Ihnen das Buch „Wir stillen noch über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen. Das Buch ist im Buchhandel oder bei der La Leche Liga und bei jeder LLL Stillberaterin oder im Stillshop auf dieser Seite erhältlich. Zum Schluss noch etwas, was unter Umständen paradox klingt: einige Kinder stillen sich von alleine ab, sobald ihre Mutter die Abstillbemühungen aufgibt. LLLiebe Grüße, Biggi


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