Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Vasospasmus und Anlegetechnik

Frage: Vasospasmus und Anlegetechnik

Kitty123

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Liebe Frau Welter, mein Sohn ist nun vier Wochen alt und wird von mir seit ca zwei Wochen voll gestillt. Er kam drei Wochen zu früh auf die Welt und hatte anfangs starke Probleme mit dem Trinken. Er ist ab Tag drei ab und zu mit Stillhütchen an die Brust gegangen. Wegen Gelbsucht und grenzwertigem Gewichtsverlust haben wir ihn einen Tag zufüttern müssen und die Mahlzeiten sonst meistens mit abgepumpter Milch und finger feeding durchgeführt. Auf Anraten unserer Hebamme hin, sind wir nach ca 1,5 Wochen vom finger feeding auf die Philips avent natural response mit dem airfree ventil umgestiegen. (Um das starke Saugen zu "üben" und weil wir den Eindruck hatten, dass er beim Trinken viel Luft schluckt) Nun zur Problematik:  Seit den zwei Wochen bin ich zwischendurch immer wieder auf das Stillhütchen umgestiegen, weil ich (ab Tag 2-3 voll Stillen) starke Schmerzen hatte. Mir ist auch aufgefallen, dass ich (wie ich jetzt gelernt habe) diesen Lipstick-nipple habe, nachdem er getrunken hat. Auch hat er starke Saugbläschen an Ober- und Unterlippe. Da das beides auf eine falsche Anlagetechnik hindeuten soll, übe ich seitdem das asymmetrische Anlegen und schaue auf alle Parameter. Laut Hebamme und Osteopathin sieht das Anlegen "perfekt" aus und von Außen ist kein Fehler oder Problem beim Saugen zu sehen. (Lediglich, dass er ein leicht fliehendes Kinn und offenstehenden Mund hat, was noch auf eine schwache Muskulatur hindeutet. Soll sich angeblich selbst verbessern, nachdem es nach der ersten Behandlung in die richtige Richtung geht). Diesen Lipstick-nipple habe ich nachwievor, auf der einen Seite stärker ausgeprägt. Teilweise habe ich anfangs so Schmerzen, dass ich einfach nur weinen muss. Die Nippel sind so gereizt, dass bei jedem Fuchteln von ihm und an den Nippel kommen (bevor er sich überhaupt andocken lässt) ein starker Schmerz da ist. Laut Freundinnen mit Kind ist das am Anfang auch normal? Dazu kommt noch, dass ich das Renaud Syndrom habe. Das liegt sowieso in der Familie, trat aber beim Stillen zum ersten Mal bei mir auf. Angeblich ist da eine gute Anlagetechnik ja auch die erste Stellschraube. Wir geben alle 1-2 Tage für eine Mahlzeit das Fläschchen, da uns das geraten wurde, um die Flasche als Alternative langfristig zu etablieren. Die zweite Problematik habe ich, dass er nach einer Flaschenmahlzeit mit abgepumpter Milch unglaublich zufrieden/satt wirkt und danach richtig schön schläft. An der Brust ist er oft sehr hastig, bekommt immer nervösen Schluckauf, Luft hängt quer, dockt oft ab (glaube eher wegen zu starkem Milchfluss) und ist quasi unersättlich. Die Mahlzeiten inklusive kleiner Pausen dauern teilweise 2-3 Stunden. Er ist zwischendurch so aufgeregt, dass er sich dann nur wieder an der Brust runterregulieren kann und dann aber noch weiter trinkt, obwohl er voll sein "müsste" und der Kreislauf von vorne los geht. Stillen an der Brust fühlt sich also gerade einfach nur frustrierend an und auch, als würde es keinem von uns beiden guttun. Gerade nachts auch sehr zermürbend. Ich habe jetzt schon wieder "Angst" vor dem nächsten Mal. Dabei hatte ich mich sehr gefreut, als er endlich an die Brust gegangen ist.   Meine Fragen an Sie: Was könnte ich noch falsch machen? Bzw. was kann ich ändern, damit es für uns beide schön ist? Ist das alles am Anfang einer Stillbeziehung normal und ich muss einfach dranbleiben? Kann das Renaud Syndrom an der Brust gefährlich werden? Hatte an einer Stelle, die nach dem Stillen weiß war, am nächsten Tag Hautfetzen in der Hand. Vielen herzlichen Dank vorab und ganz liebe Grüße!  


Biggi Welter

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Liebe Kitty123, wenn das Stillen so schmerzt, stimmt etwas mit der Anlegetechnik nicht! Da dein Kind auch noch die Flasche bekommt, kann es gut sein, dass es saugverwirrt ist und daher die Schmerzen kommen. Das Saugen an einem künstlichen Sauger unterscheidet sich grundlegend vom Saugen an der Brust. Der künstliche Sauger ist bereits vorgeformt und relativ steif. Die Brust ist weich und nachgiebig. Ein Schnuller kann in den geschlossenen Mund eines Babys gesteckt werden. Um die Brust zu erfassen, muss das Baby den Mund weit öffnen, die Brustwarze reicht dann weit nach hinten in den Mund, wo die Bewegungen des Kiefers und der Zunge nicht stören. Auch die Bewegungsmuster der Muskeln von Mund, Gesicht und Zunge, sind am künstlichen Sauger ganz anders als an der Brust. Mit der Saugtechnik, die das Baby beim Trinken an einem Flaschensauger oder beim Nuckeln an einem Beruhigungssauger anwendet, kann es kaum Milch aus der Brust bekommen. Ein Baby, das mit der Flasche gefüttert wurde, hat einen sofort einsetzenden, gleichmäßigen Milchfluss kennengelernt. An der Brust reagiert es dann frustriert, weil nicht der von ihm erwartete, sofortige und stetige Milchfluss einsetzt. Oft ist es dann so, dass ein Baby „stundenlang“ saugt und nicht satt wird. Du solltest deshalb, wenn möglich auf künstliche Sauger und Flasche verzichten. Hast du schon mal von einem Brusternährungsset oder der Becher- Fütterung gehört. Das kann in deinem Falle hilfreich sein und solltest du der Flaschenfütterung vorziehen. Das Brusternährungsset regt zu gutem Saugen an der Brust an, stimuliert die Milchproduktion und vermeidet den Einsatz von Flaschen. Das Brusternährungsset besteht aus einem Behälter für die zugefütterte Flüssigkeit (einem Plastikbeutel oder einer Flasche), der an einer Kordel um den Hals der Mutter hängt und zwischen ihren Brüsten ruht. Eine dünne Schlauchverbindung geht von dem Behälter zur Brust der Mutter, wo der Schlauch so befestigt wird, dass sein Ende etwa sechs Millimeter über die Brustwarze hinausragt. Bei einigen Modellen besteht die Möglichkeit, den Schlauch im Deckel abzuklemmen, um zu verhindern, dass die Milch bereits fließt, bevor das Baby saugt. Es gibt über verschieden dicke Schläuche je dicker der Schlauch, umso schneller fließt die Milch. Welcher Schlauch zum Einsatz kommt, hängt davon ab, wie wirkungsvoll das Baby saugt und welche Zufütterung es benötigt. Ein Brusternährungsset kann in der Apotheke bestellt werden oder über eine Stillberaterin oder die La Leche Liga bezogen werden. In Deutschland wird nur das Brusternährungsset der Firma Medela vertrieben. Bitte wende dich auch unbedingt an eine Kollegin vor Ort, die Euch sehen kann und so sehr viel gezielter beraten kann! Sie kann das Saugverhalten beurteilen und dir Tipps geben, wie du dein Baby an die Brust führen kannst. Adressen von Stillberaterinnen findest du im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). Zusätzlich kann es tatsächlich auch das Raynaud-Syndrom sein, welches die Probleme macht. Solche Gefäßkrämpfe sieht man immer wieder bei Frauen, die das Magnesium, das sie während der Schwangerschaft eingenommen haben, plötzlich abgesetzt haben. In seltenen Fällen handelt es sich dabei auch um ein Phänomen, das Raynaud Syndrom genannt wird und auch andere Körperteile z.B. die Finger befallen kann. Bei einem echten Raynaud Syndrom gibt es medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten, die auch in der Stillzeit möglich sind. Schau mal: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/schmerz/article/830590/schmerzen-stillen-mastitis-gefaessproblem.html Ich hoffe, ich konnte dir etwas weiterhelfen und bin jederzeit für dich da und stehe dir gerne zur Seite! Lieben Gruß Biggi  


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