Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Wie endlich abstillen?

Frage: Wie endlich abstillen?

Deirdre

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Hallo, auch wenn derartige Fragen sicher schon x Mal gestellt wurden finde ich keine passende Antwort. Die Situation ist folgende: Mein Sohn ist inzwischen ein Jahr alt. Er isst mal mehr mal weniger gut, besteht aber auf jeden Fall mindestens zum Einschlafen auf's Stillen. Wie auch nachts, wenn er alle zwei bis drei Stunden wach wird. Da ich inzwischen wieder schwanger bin bräuchte ich so langsam wieder etwas mehr Schlaf, was in unserer Dachgeschosswohnung bei zurzeit ca 30°c Raumtemperatur ohnehin schwierig ist. Ich weiß jedenfalls bald nicht mehr weiter, das nächtliche Stillen und die langen und häufigen Wachsphasen machen mir wirklich zu schaffen. Wenn ich oder auch mein Mann versuchen den kleinen Mann anders in den Schlaf zu begleiten endet das jeweils mit Gebrüll, solange bis ich nachgebe und ihn stille (vorletzte Nacht waren es knapp drei Stunden). Inzwischen nervt mich die Situation auch wirklich und es fällt mir zunehmend schwer Ruhe zu bewahren. Selbst irgendwelchen drastischen Methoden wäre ich inzwischen gegenüber offen (dafür sorgen, dass die Milch versiegt oder nicht mehr schmeckt..) Zudem weigert er sich vehement irgendetwas anderes als Wasser aus der Flasche zu trinken, also auch irgendwelche "Sattmacher" kommen nicht infrage. Es ist übrigens nicht so, dass er allein schlafen soll oder muss. Seit er sein eigenes Zimmer bewohnt schlafe ich auf einer Gästematratze neben seinem Bett. Nur diese elende Stillerei und das ständige Wachsein kratzen zunehmend an meinem Nervenkostüm. Der Kinderarzt empfahl übrigens ihn schreien zu lassen, was erstens mir und meinem Mann falsch erscheint und zudem nur weiter meine Nerven strapaziert. Vielleicht haben Sie ja den ultimativen Tipp, ich hoffe es inständig. Ansonsten bleibt mir nur abzuwarten und mein zweites Kind auf gar keinen Fall zu stillen, was ich nicht optimal fände.


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Deirdre, ein Baby muss eine gewisse Reife erreichen, um längere Zeit schlafen zu können. Wann dieser Zeitpunkt erreicht wird, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Eine Flasche mit künstlicher Säuglingsnahrung (oder ein Abendbrei) verbessern das Schlafverhalten nicht (das wurde in Studien nachgewiesen). Es gibt nicht wenige Kinder, die dann sogar noch weniger schlafen. Auch wenn das Kind am Tag viel isst, schläft es nicht besser, denn es wacht ja nicht nur wegen dem Hunger auf, sondern sucht Nähe und Geborgenheit! Der immer wieder verbreitete Gedanke, dass ein Baby ab sechs Monaten (oder einer anderen Altersgrenze) nachts nicht mehr aufwachen darf und nachts keine Nahrung mehr braucht entspringt in keinster Weise dem natürlichen Verhalten und den Bedürfnissen eines Babys oder Kleinkindes, sondern er entstammt dem (verständlichen) Wunsch der Erwachsenen, die gerne ihre Nachtruhe hätten. Eine Studie von Jelliffe und Jelliffe ergab, dass Babys im Alter von 10 Monaten mindestens 25 % ihrer Muttermilchaufnahme nachts zu sich nehmen. Das spricht eindeutig dafür, dass Babys auch nach den ersten sechs Monaten nachts noch hungrig sind. Es gibt Kinder, die nachts keine Nahrung mehr brauchen, aber es gibt eben auch sehr viele Kinder, die auch mit 12 Monaten noch nicht so weit sind. Es kann also sein, dass Du in der Nacht noch die Flasche geben musst, wenn Du Pre-Milch gibst kann diese wie Muttermilch nach Bedarf gegeben werden. Du musst dir bewusst sein, dass sich durch das Abstillen dein Leben keineswegs auf wundersame Weise positiv verändern wird. Falls Du diese Vorstellung haben solltest, könntest Du eine herbe Enttäuschung nach dem Abstillen erleben. Natürlich kannst Du trotzdem versuchen, Dein Baby abzustillen. DU kennst DEIN Baby am besten und spüren, was dein Kind verkraften kann und was nicht. Wenn Du abstillen möchtest, dann sprich mit deinem Kind darüber, dass eure Stillzeit nun langsam zu Ende geht und zeige ihm, dass Du es selbstverständlich noch genau so lieb hast wie schon immer. Du entziehst ihm die Brust aber nicht dich selbst und deine Liebe. Dazu kannst Du die Stillzeiten immer weiter verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Du kannst dein Kind eine kleine Weile anlegen und es dann ablenken oder ihm etwas zu essen oder zu trinken anbieten. Ihr könnt ein festes Ritual mit Kuscheln und Vorlesen oder Geschichte erzählen einführen. Viele Eltern beginnen auch bereits bei einem wenige Monate alten Baby damit, den Tag am Abend noch einmal Revue passieren zu lassen und so ein Gespräch (das sich im Laufe der Zeit dann entwickeln wird) über die Erlebnisse, Freuden, aber auch Sorgen und Nöte des Kindes zu führen. Durch solch ein Gespräch bleiben Eltern dann auch in engem Kontakt mit ihrem Kind und der leider viel beobachtet Sprachlosigkeit zwischen Eltern und Kind kann entgegengewirkt werden. Wenn dein Partner nicht einspringen kann, bleibt es an dir, Euer Kind auf andere Weise zu trösten und zu beruhigen und ihm einen Ersatz für die Brust anzubieten. In dieser Situation ist ein Nachthemd bzw. Kleidung, die sich vorne nicht öffnen lässt oft hilfreich. Wichtig ist, dass dein Kind weiterhin deine Liebe und Zuneigung spürt und Du nicht gleich die Geduld verlierst, wenn es nicht so schnell klappt mit dem Abstillen. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Probiere es einmal mit immer kürzerem Stillen und viel Kuscheln. LLLiebe Grüße Biggi Welter


Deirdre

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Vielen Dank für die schnelle Antwort, jedoch habe ich dieselben Textbausteine schon in diversen anderen Antworten auf ähnliche Fragen gelesen. Meine persönliche Situation würde sich durch das Abstillen doch gravierend ändern, schon allein dadurch, dass ich aufgrund einer Lähmung nur einseitig stille und somit die Nacht oft reglos auf der rechten Körperseite liegend verbringen muss, was hinfällig wäre wenn der kleine Mann nicht mehr ständig an mir klebt. Die Stillzeiten zu verkürzen habe ich bereits versucht, manchmal klappt es auch. Ablenkung funktioniert nicht, insbesondere nachts nicht. Tagsüber zögere ich damit das Stillen nur hinaus. Und wie gesagt, die pre-Milch bekomme ich nicht in ihn hinein, außer Muttermilch trinkt er ausschließlich Wasser. Wir haben auch schon diverse andere Trinkbehältnisse und alles an Saugern durch was der Markt hergibt. Es bringt alles nichts, er weigert sich. Nun ja, dann hoffe ich, dass meine erneute Schwangerschaft trotz allem Stress nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, ebenso wie der kleine Mann.


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Deirdre, ich KANN Dir leider keine anderen Tipps geben, so gerne ich Dir mehr helfen würde. Probiere doch einmal, in der Nacht Milch aus der Tasse anzubieten, vielleicht reicht ja auch Wasser. DU kennst DEIN Kind am besten und wirst spüren, was Dein Baby verkraften kann. In diesem Alter kannst Du auch Vollmilch probieren, vielleicht klappt es damit besser. Und vor allem ist es auch wichtig, dass DU DICH wichtig nimmst und nun liebevoll konsequent bleibst. Dein Kind wird lernen, ohne Brust auszukommen, aber es wird nicht sofort und ohne Tränen klappen. In dieser Situation hilft allerdings nur absolute Klarheit und Konsequenz. Wenn Du magst, können wir beide auch gerne mal telefonieren? LLLiebe Grüße Biggi


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