Saeb
Liebe Biggi, vielen Dank für die Beratung hier. Meine Tochter ist jetzt 11,5 Monate. Sie ist ein sehr freundliches, fröhliches Baby, äußerst agil und kommt immer etwas schwerer zur Ruhe. Insgesamt kann man schon jetzt erkennen, dass sie sehr selbstbewusst ist. Sie probiert viel aus, klettert noch die höchste Rutsche hoch und kostet uns dabei so manche Nerven:) Sie isst und trinkt sehr gut, möchte aber dann und wann tagsüber plötzlich gestillt werden. Und das geht dann so: Unvermittelt setzt sie einen heulenden Jammerton auf und fängt an, an mir rumzufummeln. Das kann auf dem Spielplatz, beim Spiel mit ihrem Papa, beim Spaziergang sein. Aus der besten Laune heraus. Dann gibt's kein Halten mehr. Sie zieht an meinen Tshirt, fummelt an meiner Brust und wenn ich sie in den Arm nehme statt zu stillen, wird sie richtig wütend. Wirft sich nach hinten, drückt den Rücken durch, schlägt um sich, kneift etc. Ich habe es mit Nähe versucht und mit Ablenkung...nichts hilft. Heute saß sie dann heulend unterwegs auf dem Boden und nichts ging mehr. Kurz: ich bin genervt. Ich möchte auch mal tagsüber stillunfreundliche Sachen tragen und ich möchte vor allem nicht zum stillen genötigt werden. Ich hab schon echt Horror:) Nachts kommt sie alle zwei Stunden. Alles ok. Aber ich möchte tagsüber auch mal mit ihr rausgehen können, ohne die Brust auspacken zu müssen oder ein Drama zu riskieren. Wie kann das gehen?
Liebe Saeb, gerade WEIL deine Kleine so weit ist in der Entwicklung, scheint ihr das Stillen viel Rückhalt zu geben. Stillen ist viel, viel mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es ist Trost, Geborgenheit, sicherer Hafen und ein Weg zur Ruhe zu kommen, wenn die Wellen des Alltags so hoch geschlagen sind, dass das Kind keinen Weg mehr weiß, um mit sich selbst und der Umgebung ins Reine zu kommen. Das Stillen bietet in dem Alter der ersten Ablösung wichtige emotionale Hilfe Dein Kind kann immer wieder den "Heimathafen" ansteuern, wenn etwas beängstigend ist. Stillen ist aber auch eine Zweierbeziehung und wenn es dazu kommt, dass sich ein Partner dabei nicht wohl fühlt, dann müssen Lösungswege gefunden werden. Das Wichtigste überhaupt ist allerdings, dass Du fest zu deinem Entschluss stehst. Solange hier noch der geringste Zweifel besteht, wird dein Kind diese Zweifel spüren und Du wirst weiterhin `schwach" werden. Für viele von uns ist es sehr ungewohnt zu sehen, wie begeistert und mit wie viel Freude ein Kleinkind stillt. Deine Tochter verhält sich gar nicht so "brustversessen" wir Du glaubst, viele langzeitgestillte Kinder zeigen sehr deutlich wie viel ihnen das Stillen bedeutet. Sicher ist ein Kind in diesem Alter noch nicht in der Lage alles Gesprochene bis ins letzte Detail zu verstehen, doch ich denke, dass der erste Schritt für dich sein sollte, dass Du mit deiner Tochter darüber sprichst, wie es dir geht und was Du nicht mehr möchtest. Dann könnt ihr als Eltern eine Art Plan machen, wie ihr vorgehen wollt, um das Stillen etwas einzuschränken. Stillen nach Bedarf ist bei einem Kind über einem Jahr nicht mehr ein so eng gefasster Begriff wie bei einem kleinen Baby und liebevoller Konsequenz lassen sich auch bei einem Kind in diesem Alter in einem gewissen Rahmen Regeln aufstellen. Selbstverständlich wird sich nicht von heute auf morgen eine plötzliche Änderung ergeben, das geschieht in kleinen Schritten und selbstverständlich wirst Du mit Rückschritten rechnen müssen, doch mit viel Liebe und Beharrlichkeit, kannst Du einen Weg finden, dass ihr wieder zu einer harmonischen Stillbeziehung finden werdet. Wichtig ist, dass dein Kind weiterhin deine Liebe und Zuneigung spürt und Du allmählich und mit viel Liebe vorgehst und nicht zu schnell die Geduld verlierst. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. LLLiebe Grüße, Biggi
Saeb
Liebe Biggi, vielen Dank für deinen Rat. Ich möchte auch nicht generell abstillen, sondern so lange stillen, bis sie sich selbst abstillt. Nur manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich genervt bin von solchen Still-Attacken, obwohl ich das eigentlich nicht sein möchte. Ich denke auch, dass sie so viel verarbeiten muss und gerade weil sie so viel erlebt möchte ich ihr das runterkommen an der Brust weiterhin ermöglichen. Nur möchte ich nicht mehr so angenöhlt und angemotzt werden, wenn es mal nicht sofort geht und ich würde mir wünschen, dass sie dann auch mal ein Auf-den-Arm nehmen und kuscheln akzeptieren würde. Wobei sie eigentlich schon immer nur stillen als kuscheln akzeptiert hat, in der Trage sein zb mochte sie auch nie, weil sie das in ihrem Bewegungsdrang eingeschränkt hat:)) Liebe Grüße und danke für deine Unterstützung.
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