Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Stillstreik

Frage: Stillstreik

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Liebe Biggi! Ich brauche wieder einmal Deinen Rat. Meine Tochter, 9 Wochen trinkt zur Zeit sehr schlecht an der Brust. Kann das die Hitze sein. Es gibt Tage da beginnt sie schon zu schreien wenn sie meine Brust nur sieht, sie schläft auch mehr als sonst und ich habe Angst, daß sie zu wenig Flüssigkeit bekommt. In den Wachphasen ist sie aber total aufgekratzt und lacht sehr viel. Ich denke mir, dann kann es ihr wohl nicht schlecht gehen, oder? Da ich einen sehr starken Milchspendereflex habe, lasse ich immer die erste Milch in eine Windel laufen, nur meistens ist es dann so, daß die Kleine nicht mehr trinken möchte. Sie trinkt also nur 3 Minuten und verweigert dann die Brust und beginnt zu schreien. Ich hab schon bündeln probiert, Stillen im Halbdunkeln, etc. aber nichts hat geholfen. Ich bin echt schon am Verzweifeln. Oder soll ich einfach warten, bis sie so großen Hunger hat und dann nicht mehr an der Brust meckert???? Bitte um Deinen Rat! Vielen Dank! (Mein Baby hatte Geburtsgewicht 3,5kg und wiegt jetzt 6,3 kg)


Biggi Welter

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Liebe Susanne, es kann gut sein, dass deine kleine Tochter mit dem starken Milchspendereflex nicht zurecht kommt. Bei einem sehr starken Milchspendereflex hat es sich bewährt, das Baby von der Brust zu nehmen sobald die Milch zu fließen beginnt (leg Dir eine Windel zum Auffangen der Milch hin und vergiss nicht den Saugschluss zu lösen) und erst nach ein bis zwei Minuten weiter zu stillen, wenn der Milchfluss etwas nachlässt. Eine weitere Möglichkeit ist das „Berg-auf-Stillen". Dazu hältst Du Dein Baby so, dass sein Kopf, Nacken und Hals höher liegen als Deine Brustwarze. Beim Stillen mit dem Rückengriff lehnst Du Dich dabei nach hinten, beim Wiegengriff stützt Du Dein Baby von unten mit zwei Kissen in Deinem Schoß und lehnst Dich, möglichst in einem bequemen Sessel sitzend, zurück. Weitere Möglichkeiten einem starken Milchspendereflex zu begegnen sind: - erhöhe die Häufigkeit der Stillmahlzeiten. Dadurch verringert sich die Menge der gestauten Milch in den Milchseen und damit die Milchmenge, die während des Milchspendereflexes freigegeben wird. Wenn Du die Abstände zwischen den Stillmahlzeiten vergrößerst , verschlimmert sich das Problem noch weiter. - biete nur eine Brust pro Mahlzeit an. Diese Vorgehensweise kann durchaus hilfreich sein, obwohl es nicht zu dem passt, was üblicherweise gesagt wird. Aber das Ziel ist es die Brust weniger zu stimulieren. Wenn dein Baby quengelt und oft trinken möchte, kann es nötig sein, dass Du ihm mehrere Male dies elbe Brust über einen Zeitraum von zwei bis drei Stunden anbietest, bevor Du die Seite wechselst. Wenn sich die zweite Brust zwischendrin zu voll anfühlt oder spannt, solltest Du gerade soviel Milch ausstreichen, dass Du dich wohlfühlst, um die Milchproduktion nicht zu sehr anzuregen. - stille dein Baby wenn es gerade wach geworden ist. Es wird dann eventuell nicht so stark saugen, wie wenn es richtig wach und hungrig ist. Wenn das Baby weniger intensiv saugt, ist häufig auch der Milchspendereflex weniger stark. - versuche verschiedene Stillpositionen (auch das oben beschriebene Berg-auf-Stillen) Eventuell kann dein Baby auch schon an deiner Brust trinken während es auf deinem Bauch liegt. So könntest Du dann im Liegen stillen und das Baby anschließend auf deinem Bauch einschlafen lassen.) - lass das Baby oft aufstoßen. - vermeide den Gebrauch von künstlichen Saugern und Schnuller. Mit dem Schnuller lässt sich ein Baby vielleicht hinhalten, aber es bleibt hungrig. Die Milch wird dann um so mehr mit Macht herausschießen, vor allem je mehr das ausgehungerte Baby kräftig saugen wird Besonders unruhige Babys, die sich an der Brust steif machen und nach hinten überstrecken, können auch gebündelt werden. Beim Bündeln wickelst Du dein Baby gut in eine Decke ein, so dass seine Schultern nach vorne geneigt und die Arme unterhalb der Brust gekreuzt sind. So kann es den Kopf nicht zurückwerfen. Bei manchen Babys bewährt es sich, wenn die Decke unten offen bleibt, so dass die Füße frei bleiben. Wenn Du dein Kind auf diese Weise eingepackt hast, sieht es wie ein „C" aus, mit dem Kinn auf der Brust und angezogenen Beinchen. Häufig reicht diese Maßnahme aus, das Baby zu beruhigen und es trinkt dann besser an der Brust. Manche Babys brauchen Halt im wahrsten Sinne des Wortes um weniger zappelig zu sein. Du schreibst außerdem, dass deine Tochter nach drei Minuten nicht mehr trinken mag. Kann es sein, dass deine Tochter den Schnuller oder ab und zu Fläschchen mit Milch, Wasser oder Tee bekommt? Einer der Unterschiede zwischen Brust und Flasche besteht darin, dass aus der Flasche sofort etwas herauskommt, während an der Brust etwas Arbeit notwendig sein kann, ehe die Milch zu fließen beginnt. Ein Kind, das nun die Flasche kennt, kann an der Brust frustriert sein und beginnt dann zu zappeln und zu zerren oder auch zu schreien. Es reagieren nicht alle Stillkinder so, aber einige und es lässt sich nie vorhersagen, welches Kind so auf die Flasche reagieren wird und welches nicht. Bitte verzichte in den nächsten Tagen auf alle künstlichen Sauger, vielleicht verbessert sich das Trinkverhalten deiner Tochter dann schon. Außerdem kannst Du noch folgende Tipps versuchen: • im Umhergehen stillen, • in der Badewanne oder im Schaukelstuhl stillen, • im Halbdunkeln stillen, • im Halbschlaf stillen, • das Baby mit der Brust spielen lassen, • unterschiedliche Stillhaltungen ausprobieren, • alle künstlichen Sauger vermeiden, • das Baby massieren, • viel Körperkontakt (Haut auf Haut), • und ganz wichtig: keinen Stillstress erzeugen, weder bei der Mutter noch beim Kind, Ruhe und Gelassenheit, auch wenn es schwer fällt. Ich hoffe, das Stillen klappt bald besser, über eine kurze Rückmeldung würde ich mich sehr freuen! LLLiebe Grüße Biggi


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