vivirichter
Liebe Biggi, Meine Tochter ist jetzt 1 ½ und ich stille sie noch morgens, mittags und abends zum Einschlafen, sowie nachts nach Bedarf, also pro Nacht etwa 3-4 Mal. Wir stillen sitzend mit einem Stillkissen auf dem Schoß, da es liegend nicht klappt. Sobald sie beim Stillen wieder eingeschlafen ist, lege ich sie ab. Leider wird sie dabei oft wach, so dass ich sie wieder auf meinen Schoß legen muss. So geht das seit 1 ½ Jahren, seitdem schlafe ich auch die meiste Zeit im Sitzen. Nun tut mir natürlich der Rücken weh und ich bin chronisch müde, habe mir deshalb überlegt, nachts nicht mehr zu stillen. Ich gebe meiner Tochter deshalb seit 2 Wochen nachts einen Trinkbecher mit Wasser als Alternative zur Brust, morgens und abends stille ich nach wie vor. Allerdings will sie sich einfach nicht an den Becher gewöhnen. 2-3 mal wacht sie nachts auf und weint ganz bitterlich, weil sie die Brust nicht bekommt. Sie wird dabei sogar richtig wütend, bringt mir die Stillunterlagen und schubst mich weg, wenn ich sie trösten will. Erst nach etwa 15-30 Minuten nimmt sie resigniert den Trinkbecher in den Mund und schläft damit ein. Ich hatte gehofft, dass sie sich irgendwie daran gewöhnt, nachts nicht mehr zu stillen, aber so langsam habe ich Angst, dass ich ihrer kleinen Seele damit nur schade und am Ende ihr Urvertrauen Kratzer bekommt. Sollte ich lieber wieder zurück zum nächtlichen Stillen und abwarten, bis sie das alleine aufgeben will? Vielen Dank ;)
Liebe vivirichter, So lange DU nicht ABSOLUT sicher bist, dass Du weniger stillen möchtest, wird dein Kind das spüren. Ist die Mutter innerlich nicht davon überzeugt, dass sie ihr Kind ab- oder weniger stillen will, dann ist dieser Zweifel für das Kind sehr deutlich fühlbar und es reagiert in fast allen Fällen so, dass es eher noch häufiger gestillt werden mag. Zweifel und Unsicherheit sind für ein Kind unerträglich, Kinder brauchen Klarheit. Dein Kind spürt jetzt deinen Zwiespalt und da es sich nicht hinsetzen und sagen kann „Mama, ich spüre, dass Du dir nicht sicher bist, was jetzt das Richtige ist, deshalb werde ich dir jetzt bei deiner Entscheidungsfindung helfen" reagiert es auf deine Zweifel mit Unruhe, Weinen und Verunsicherung. Es hat keine anderen Ausdrucksmöglichkeiten als Weinen und (vermehrte) Anhänglichkeit. Kinder sind für „geordnete Verhältnisse", Unsicherheit und Zweifel bringen sie aus dem Gleichgewicht. Wichtig ist nun, dass ihr zum einen wirklich miteinander redet und Du deinem Kind klar erklärst und sagst, was Du willst und was Du nicht mehr willst. Zum anderen muss für dein Kind deutlich erkennbar sein, wo deine Grenzen gesetzt sind. Liebevolle Konsequenz ist das Zaubermittel in der Erziehung. Erkläre deinem Kind schon bei Tag, was sich in der Nacht ändern wird, und versuche, Signale zu definieren, die es wieder erkennen kann (z.B. "erst wenn der Radiowecker angeht, dann darfst Du trinken") und die sich eventuell anpassen lassen (den Radiowecker kann man etwa jeden 2. Tag eine viertel Stunde nach hinten programmieren, so dass die Pause immer länger wird). So wird die Nacht allmählich stillfrei. Wenn sich dein Kind dann in der Nacht beschwert, dass es nicht trinken darf (und das kann es natürlich nur durch weinen oder schreien), dann tröste es und sprich liebevoll-beruhigend mit ihm, und gestehe es ihm auch wirklich zu, sauer zu sein, aber bleib konsequent beim "Nein", bis der vereinbarte Zeitpunkt (z.B. der Radiowecker geht an) für das Stillen gekommen ist. Dann jedoch solltest Du auch von dir aus deinem Kind die Brust anbieten - so lernt es, dass es sich auf dein Wort verlassen kann. Vielleicht wäre es für Euch die richtige Lösung, dass dein Baby noch ein- oder zweimal in der Nacht trinken kann? So ist die Zeit für dein Kind nicht zu lange und es hat Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen? Deine Kleine wird vermutlich schreien, toben, treten oder dich schlagen wollen. Ist das schlimm? Nein, es ist völlig normal, denn es ist die einzige Art, wie sie in diesem zarten Alter ihren Frust ausdrücken kann. Wie kannst du damit umgehen? Lass es zu. Lass dich nicht verunsichern, denn es geht deinem Kind ja trotzdem gut, es bekommt kein Trauma fürs Leben, wird nicht an deiner Liebe zweifeln. Dein Kind ist sauer, und das wird auch wieder vergehen. Bleibe bei ihm und sei du ruhig und klar, so dass sie sich an dir orientieren kann. Vielleicht wirst du sie ein wenig ablenken wollen (falls sie sich ablenken lässt), vielleicht bleibst du auch einfach nur in ihrer Nähe und versicherst ihr, dass alles ok ist, und dass ihr weiter stillen könnt (oder kuscheln), sobald sie sich etwas beruhigt hat. Wenn du konsequent bleibst, wird es klappen. Nur davon hängt es ab: Schaffst DU es... Ich würde mich freuen, wenn Du mir in ein paar Tagen noch einmal schreibst, wie es Euch dann geht. LLLiebe Grüße, Biggi
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