Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Nächtliches Abstillen

Frage: Nächtliches Abstillen

FiDi_

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Liebe Frau Welter,  ich wende mich mich einer Frage an Sie, weil ich wirklich müde bin 😅 Unsere Tochter (13 Monate) wird nachts noch gestillt. Tagsüber isst sie gut und verlangt die Brust seit einiger Zeit überhaupt nicht mehr. Nachts kommt sie dafür alle 30-60 Minuten. Mal gibt es dazwischen eine Pause von 1,5 Stunden, aber länger schläft sie nie. Selten schafft sie es, ohne Stillen weiterzuschlafen, aber meistens protestiert sie lautstark, wenn ich ihr nur den Schnuller anbiete. So habe ich bisher erfolglos versucht, sie Stillintervalle zu verlängern. Tagsüber arbeite ich vollzeit und kann mich also auch nicht hinlegen, mein Mann betreut unsere Tochter in Elternzeit. Ich schlafe mit unserer Tochter im Großen Bett, mein Mann ist wegen der häufigen nächtlichen Schlafunterbrechungen bereits früh aufs Sofa ausgezogen. Nun ist der Plan, dass wir abstillen. Fraglich ist nur die Umsetzung. Mir kommt es hart vor, sie ab jetzt mit Papa alleine nachts schlafen zu lassen, da sie es ja nicht kennt. Tagsüber ist schlafen bei Papa allerdings normal und kein Problem. Fällt es unserer Tochter leichter, das abstillen zu akzeptieren, wenn ich aus dem Schlafzimmer ausziehe und die Brust nicht in Reichweite ist? Oder ist der gleichzeitige Entzug von Mama und Brust zu hart und ich biete meiner Tochter nachts kuscheln oder tragen statt Brust an? Ich möchte ihr das Abstillen gern so leicht wie möglich machen, rechne aber mit starkem Protest 😮‍💨 herzlichen Dank und VG FiDi 


Biggi Welter

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Liebe FiDi, Muttersein ist einer der härtesten und anstrengendsten Berufe der Welt ist, der sieben Tage die Woche und 52 Wochen im Jahr einen 24 Stunden Dienst ohne Urlaubsanspruch und Krankschreiben bedeutet. Und an dieser Tatsache ändert sich nichts, ob frau nun stillt oder nicht. Du musst dir bewusst sein, dass sich durch das Abstillen dein Leben keineswegs auf wundersame Weise positiv verändern wird und ich glaube auch nicht, dass du gut schlafen kannst, wenn dein Kind alleine bei deinem Mann weint. Es ist völlig okay, wenn du deinem Baby beistehst!  Falls Du diese Vorstellung haben solltest, kannst du eine herbe Enttäuschung nach dem Abstillen erleben. Um wenigstens ein bisschen ruhigere Nächte zu haben, kannst du probieren, ob deine Kleine es schafft, eine "stillfreie Zeit" in der Nacht zu akzeptieren. So könntest du wenigstens ein paar Stunden am Stück schlafen und dich erholen. Erkläre deinem Kind schon bei Tag, was sich in der Nacht ändern wird, und versuche, Signale zu definieren, die es wieder erkennen kann (z.B. "erst wenn der Radiowecker angeht, dann darfst du trinken") und die sich eventuell anpassen lassen (den Radiowecker kann man etwa jeden 2. Tag eine viertel Stunde nach hinten programmieren, so dass die Pause immer länger wird). So wird die Nacht allmählich stillfrei. Wenn sich dein Kind dann in der Nacht beschwert, dass es nicht trinken darf (und das kann es natürlich nur durch Weinen oder Schreien), dann tröste es und sprich liebevoll-beruhigend mit ihm, und gestehe es ihm auch wirklich zu, sauer zu sein, aber bleib konsequent beim "Nein", bis der vereinbarte Zeitpunkt (z.B. der Radiowecker geht an) für das Stillen gekommen ist. Dann jedoch solltest du auch von dir aus deinem Kind die Brust anbieten - so lernt es, dass es sich auf dein Wort verlassen kann. Natürlich kannst du deiner Tochter während der Nacht einen Schluck Wasser oder auch einen Schnuller anbieten, doch sei nicht allzu überrascht, wenn das anfangs mit Wut abgewiesen wird. Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass die ersten Nächte zwangsläufig sehr unruhig sein werden. Doch in der Regel akzeptieren Kinder relativ schnell die neuen "Spielregeln", und je älter sie sind, desto einfacher. Nur wenn sich dein Kind über mehrere Tage hinweg gegen diese stillfreie Zeit sperrt, oder gar tagsüber extrem anhänglich bzw. weinerlich wird, oder gar eine Hautreaktion zeigt, dann weißt du, dass es noch zu früh ist und du vielleicht einfach noch ein paar Wochen warten und durchhalten solltest. Dieser Vorschlag stammt von Elizabeth Pantley, Autorin des Buchs "Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch: Das 10-Schritte-Progamm für ruhige Nächte", das das ich wärmstens empfehlen kann. Pantley hat ein Programm entwickelt, mit dem man älteren Babys, auch Stillkinder, dabei helfen kann, auch ohne Brust oder ständiges Stillen die Nacht zu schaffen. Auch wenn man nicht alle ihre Schritte anwendet haben viele Mütter doch gute Erfahrungen mit diesem Buch gemacht. Ich hoffe, die Antwort hilft dir weiter. Liebe Grüße Biggi


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