Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

"schmerzloses" Abstillen???

Frage: "schmerzloses" Abstillen???

Mitglied inaktiv

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Ich bin schon teilweise verzweifelt, weil ich eigentlich zwei Probleme mit Stillen habe. Ich habe bis jetzt voll gestillt. Mein jetzt 9 wochiger Sohn hat sich aber daran gewöhnt öfter angelegt zu werden und trinkt wenig. Ich versuchte immer auch alle Tricks in der Nacht: mit Wickeln u.s.w, um ihn wach zu kriegen. Klappt alles nicht. Ich lege ihn immer noch jede 2 Stunden an und manchmal meldet er sich sogar nach einer Stunde. Ich habe den Eindruck, daß er kann mehr trinken, mag aber nicht, weil er weiß, daß er sowieso bald wieder auf Befehl die Bruste bekommt kann daß sein? Das istso unregelmäßig, daß ich Nichts planen kann und der Tagesablauf ist immer nur chaotisch. Diese Woche tauchte ein neues Problem auf:er hat Nachmittags 6 Stunden am Stück geschrieien und wollte weder Bruste noch Flasche, und ist müde ohne zu essen eingeschlafen. Ich war beim Arzt und nach dem er ihn gewogen hat, hat er bemerkt, daß er innerhalb der letzten 5 Wochen nicht mehr soviel zunimmt wie vorher, also wahrscheinlich nervt sich wenn zu wenig Milch aus der Bruste kommt. Das stimmt, meine Bruste ist Nachmittags viel weicher als morgens. Der Arzt hat mir empfohlen zuzufütern. Da ich schon sowieso abstillen wollte (ich muß Medikamente einnehmen , die das Stillen ausschliessen), ist es nicht so schlimm. Wie kann ich das möglichst "schmerzlos" machen? Mein Söhnchen will immer noch die Flasche nicht, ich sehe auch, daß ich in der Bruste nicht viel habe. Das ist heute der dritte Tag, daß ich den Eindruck habe, daß mein Sohn verhungert. Er weint und ab und zu schläft mit dem Schnuller im Mund ein. Hilfe! Was kann ich machen, damit er (falls er sich an die Flasche gewöhnen sollte) regelmäßig, vielleicht in grösseren Abständen trinkt? Wieviel Mal kann man eine Flasche mit Alletemilch neu aufwärmen ( nachdem sie natürlich aus dem Kühlschrank rausgeholt wird) ? Ich wäre sehr dankbar für Tips. Kasia


Biggi Welter

Biggi Welter

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? Liebe Kasia, der Organismus eines Babys ist auf häufige, kleine Mahlzeiten eingerichtet. Ein Stillabstand von zwei Stunden (jeweils vom Beginn der letzten Stillzeit bis zum Beginn der nächsten Stillzeit gerechnet) ist normal. Muttermilch ist innerhalb von 60 bis 90 Minuten verdaut! So kleine Babys wollen im Schnitt zwischen acht und zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden. Im Schnitt heißt, es gibt Babys die seltener nach der Brust verlangen (eher wenige Babys) und es gibt Babys, die häufiger an die Brust wollen (die Mehrzahl). Nun ist es jedoch nicht so, dass ein Kind zügig zwanzig Minuten trinkt und sich dann nach drei Stunden das nächste Mal rührt, sondern es kommt immer wieder zu Stillepisoden, die so ablaufen: das Kind trinkt eine kurze Weile, hört auf, döst vielleicht sogar weg und beginnt erneut kurz zu trinken usw. Dieses Verhalten heißt Clusterfeeding und ist absolut normal für kleine Babys. Besonders gehäuft treten diese Stillepisoden am Nachmittag und Abend auf, wie überhaupt die Abstände zwischen den Stillzeiten im Verlauf des Tages immer kürzer werden. Dazu kommt, dass in bestimmten Alterstufen Wachstumsschübe zu erwarten sind, in denen die Baby manchmal schier ununterbrochen an die Brust wollen. Wenn Sie das wissen, dann wissen Sie auch, dass sich Ihr Baby genau so verhält, wie es von einem neun Wochen alten Kind zu erwarten ist. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Stillkind die Flasche ablehnt. Viele Stillkinder lehnen die Flasche zunächst ab, weil sie nicht wissen, was sie damit anfangen sollen. Die Techniken beim Trinken der Brust bzw. der Flasche unterscheiden sich völlig voneinander. Das Baby empfindet den Flaschensauger wahrscheinlich als etwas Befremdliches, dem es nichts abgewinnen kann. Wenn die Mutter die Flasche geben will kommt noch dazu, dass es sich denkt „Was soll denn damit? Ich kann doch die Milch meiner Mutter riechen und fühle ihre Brust und bekomme so etwas Seltsames in den Mund gesteckt". In einigen Fällen hilft es daher, wenn jemand Anderes die Flaschenfütterung übernimmt. Es empfiehlt sich auch, nicht zu warten, bis das Baby sehr hungrig oder müde ist. Müde oder hungrige Babys sind nicht unbedingt daran interessiert etwas Neues auszuprobieren. Manche Babys wollen auch einfach nicht aus einer Flasche trinken. Bei diesen Kindern kann man dann versuchen, ob sie aus einer Trinklerntasse (Schnabeltasse) trinken. Viele Mütter berichten, dass ihre Babys die Trinklerntasse von Avent mit dem weichen Schnabelaufsatz gerne (oder zumindest lieber) annehmen. Unter Umständen kann man auch löffeln. Hier noch ein paar Tipps, wie das Baby die Flasche vielleicht besser annimmt: • die Flasche anbieten, ehe das Baby zu hungrig ist • das Baby beim Flaschegeben in ein Kleidungsstück der Mutter (Geruch) einwickeln • den Flaschensauger nicht in den Mund des Babys stecken, sondern die Lippen des Babys damit berühren, so wie die Mutter dies mit der Brustwarze tut • den Flaschensauger mit warmem Wasser auf Körpertemperatur bringen oder beim einem zahnenden Baby abkühlen, um die Zahnleisten zu beruhigen • verschiedene Saugerformen und Lochgrössen ausprobieren • verschiedene Haltungen beim Füttern einnehmen • versuchen das Baby im Halbschlaf zu füttern • geduldig bleiben und auch alternative Fütterungsmethoden in Betracht ziehen (z.B. Becher, Löffel) Sie können damit rechnen, dass Ihr Baby auch nach dem Abstillen weiterhin kleine und häufige Mahlzeiten bevorzugen wird. Da es nur sehr wenige Situationen gibt, in denen es keine stillverträglichen Medikamente gibt, können Sie sich deshalb nochmals mit Ihrem Arzt unterhalten, ob es nicht doch eine Alternative zum Abstillen gibt, wenn „nur" die kurzen Abstände, die mit zunehmendem Alter höchstwahrscheinlich länger werden, ein Grund für das Abstillen von Ihrer Seite aus ist. Weder künstliche Säuglingsnahrung noch abgepumpte Muttermilch sollen mehrmals erwärmt werden. Reste einer Mahlzeit müssen weggeworfen werden. Ich hoffe, dass Sie bald wieder gesund sein werden. LLLiebe Grüße Biggi Welter


Mitglied inaktiv

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Liebe Frau Welter, Ich bedanke mich herzlichst für die so ausführliche Informationen, ich habe jetzt auch mehr Mut bekommen. Ich habe noch eine Frage. Falls ich doch noch nicht wegen gesundcheitlichen Problemen abstillen müsste, wass könnte ich noch machen , dass aus der Bruste noch mehr Milch kommt. Nachmittags habe ich kaum noch Milch und erst am morgen, nachdem mein Mann über die Nacht den kleinen die Flasche gegeben hat , habe ich die Brust voll Milch gehabt. Ich danke nochmal im voraus . Liebe, liebe Grüsse Kasia


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Kasia, Sie schreiben, dass Sie am Nachmittag keine Milch mehr haben. Die Vorstellung, dass die Brust (ähnlich wie eine Flasche) nach dem Stillen leer ist und erst wieder aufgefüllt werden muss, ist so nicht richtig. Zwar wird zwischen den Stillmahlzeiten Milch produziert, der Hauptanteil der Milch wird jedoch erst während des Stillens gebildet. Das Saugen des Kindes gibt das entsprechende Signal zur Milchbildung, der Milchspendereflex wird dann ausgelöst. Deshalb ist es auch falsch zwischen den Stilmahlzeiten eine längere Pause einzulegen, damit sich die Milch in der Brust sammelt, sondern es muss häufiger angelegt werden, um die Milchmenge zu steigern. Auch wenn die Brust sich leer anfühlt, ist sie es nicht! Oberste Regel ist darum: Häufiges Anlegen und ein gut saugendes Kind stimulieren die Brust zu mehr Milchbildung. Deshalb sollten Sie Ihr Baby in den nächsten Tagen oft anlegen. Um das Interesse des Babys an der Brust wach zu halten, können Sie es mit Wechselstillen versuchen. Dabei legen Sie Ihr Baby an und stillen es, solange es wirkungsvoll saugt, d.h. es schluckt nach jeder oder jeder zweiten Saugbewegung. Sobald es seltener schluckt, nehmen Sie es sanft von der Brust (vergessen Sie nicht den Saugschluss zu lösen) und lassen es aufstoßen, streicheln seine Fußsohlen oder massieren es sanft entlang der Wirbelsäule, um seine Aufmerksamkeit zu wecken. Dann wird es an der anderen Brust angelegt und wieder gestillt, so lange es wirkungsvoll saugt. Schluckt es wieder seltener, wird es zurück an die erste Brust gelegt, nachdem Sie es wieder etwas ermuntert haben. Dieses „Wecken und Wechseln“ wird zwanzig bis dreißig Minuten lang ausgeführt, wie bereits erwähnt tagsüber alle zwei Stunden und nachts mindestens alle vier Stunden Eventuell ist es sinnvoll zusätzlich zu pumpen. Wenn gepumpt wird, dann sollte eine möglichst effektive Pumpe verwendet werden, am besten eine vollautomatische, elektrische Kolbenpumpe mit Doppelpumpset. Zu wenig Milch ist eine medizinische Indikation für die Verordnung der Pumpe durch den Arzt (auf der Verordnung muss „mit Zubehör“ stehen, sonst müssen Sie das Zubehör selbst zahlen). Richten Sie sich mit der Flüssigkeitszufuhr nach Ihrem Durstgefühl. Eine zu hohe Flüssigkeitsaufnahme führt nicht zu mehr, sondern zu weniger Milch, da sie dazu führt , dass das antidiuretische Hormon (ADH) zurückgeht, die Frau erfährt dann eine vermehrte Wasserausscheidung („schwemmt aus“) und die Milchbildung verringert sich. Zwei bis drei Liter Flüssigkeit (davon höchstens zwei bis Tassen Milchbildungstee) sind im Allgemeinen ausreichend. Wenn der Urin dunkelgelb wird und die Menge gering ist, trinken Sie zu wenig. Schwarzer Tee, Matetee und Kaffee sollten nur mäßig genossen werden. Auf Limonaden oder Colagetränke sowie künstlich gesüßte Getränke sollte möglichst verzichtet werden. Auf die (angebliche) milchflussfördernde Wirkung von Bier oder Sekt sollte verzichtet werden. Alkohol geht bereits in kleinen Mengen in die Milch über und belastet den Stoffwechsel des Babys. Achten Sie darauf, dass SIE ausreichend und möglichst ausgewogen essen. Kohlenhydratreiche Nahrung hat einen positiven Einfluss auf die Milchbildung. Ruhen Sie sich oft aus und entspannen Sie sich. Arbeiten Sie für eine Weile so wenig wie möglich. Die Hausarbeit läuft Ihnen nicht davon! Stress wirkt sich ungünstig auf den Milchspendereflex und auf die Milchbildung aus. Vielleicht können Sie ja ein paar „Stilltage“ einlegen, das heißt Sie legen sich mit Ihrem Baby ins Bett und kümmern sich ausschließlich um das Baby und das Stillen. Wenn möglich, sollte Ihr Kind keinen Schnuller und auch keine Flaschensauger bekommen, denn diese können dazu führen, dass das Baby nicht mehr weiß, wie es richtig an der Brust trinken soll. Die eventuell notwendige Zusatznahrung sollte mit einer alternativen Fütterungsmethode gegeben werden. Außerdem sollten Sie Kontakt zu einer Stillberaterin vor Ort aufnehmen, die Sie und Ihr Kind beim Stillen beobachten kann. Es ist wichtig, dass Sie korrekt anlegen und dass Ihr Kind korrekt saugt. Wenn Sie mir Ihren Wohnort mit Postleitzahl angeben, suche ich Ihnen gerne die nächstgelegene LLL-Stillberaterin heraus, die Sie sicher bei Ihrem Problem im direkten Kontakt unterstützen wird. LLLiebe Grüße Biggi


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Liebe Frau Welter! Noch mal vielen, vielen dank für Ihre Unterstützung. Mein Ort: Kiel, PLZ: 24103 Liebe Grüsse Kasia


Biggi Welter

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Liebe Kasia, bitte wenden Sie sich an Frau MOHR, Susanne, Tel.: 04321-61624, sie kann Ihnen sicherlich weiterhelfen. Ganz llliebe Grüße Biggi


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