Namib
Hallo Biggi, vielen Dank für deine tolle Beratung. Meine Situation ist folgende, Kind Nr.3 ist jetzt ein Jahr alt und wurde bis 6 Monate voll gestillt und seit Beikosteinführung wurde das Stillen tagsüber graduell weniger. Unter der Woche pumpe ich mittags auf der Arbeit und K3 trinkt dann am späteren Nachmittag wenn ich nachhause komme und dann erst wieder Abends zum schlafen. Wenn ich nicht da bin trinkt K3 aus der Flasche meine gepumpte Milch und wenn es nicht genug ist auch noch 1er Babymilch. K3 trinkt auch Wasser, aber nicht so gerne. Die Nacht trinkt K3 ca. alle zwei Stunden. Jetzt hatte ich aber die letzten Wochenenden das Gefühl K3 trinkt weniger wenn wir den ganzen Tag zusammen sind und auch wenn ich unter der Woche mal im Home Office bin ist K3 oft nur sehr kurz am stillen. Gleichzeitig ist auch die Milchmenge beim pumpen weniger geworden. Vor 3 Tagen habe ich dann begonnen mich schlecht zu fühlen mit Gliederschmerzen und fiebrig aber ohne Temperatur. Auf einer Seite ist auch der obere Teil der Brust verhärtet, eine größere harte Fläche. Hier meine Fragen: 1. Ist das ein Milchstau? Und wie kann ich ihn loswerden? Habe tagsüber auch vermehrtes anlegen probiert, aber K3 hat wiegesagt weniger Interesse und trinkt kaum auch bei Öfteren anlegen. Ich habe das Gefühl er stillt sich selber ab tagsüber. 2. Falls es nicht besser wird kann das die/der Gyn abklären? Ab wann sollte ich zum Arzt. Ich wohne im Ausland und hier gibt es keine Hebammen und kaum Stillberatung.. 3. Wie kann ich tagsüber die Milchmenge reduzieren ohne noch mehr Milchstau und ohne die Milchmenge nachts zu reduzieren, da K3 nach wie vor nachts alle 2h kommt? 4. Kann ich tagsüber auf Kuhmilch und mehr Wasser umsteigen falls das mit dem Abstillen so weiter geht oder ist es besser noch eine zeitlang 1er Babymilch zu geben? K3 isst gerne Joghurt und scheint keine Probleme mit Milchprodukten zu haben. Vielen Dank für Deinen Rat. Viele Grüße
Liebe Namib, das hört sich nach einem Milchstau an. Die Übergänge zwischen Milchstau und Brustentzündung sind fließend. In beiden Fällen ist die Brust (an einer Stelle oder komplett) hart und schmerzt. Es kann rote und heiße Bezirke geben. Bei einer Brustentzündung kommen dann immer noch Fieber und eventuell auch Kopf und Gliederschmerzen, wie bei einer Grippe dazu. Ein Milchstau kann vielfältige Ursachen haben: Stress, einengende Kleidungsstücke (schlecht sitzende Bhs) oder einschneidende Schultergurte von einer Umhängetasche oder einer Tragehilfe, zu geringe Entleerung der Brust, eben so wie bei dir, wenn das Baby plötzlich länger schläft oder tagsüber eine Mahlzeit überspringt, bei manchen Frauen auch Kälte oder Zugluft.). Bei einem Milchstau kannst du die schmerzende Stelle vor dem Stillen wärmen (z.B. in einer Schüssel mit warmem Wasser oder in der Badewanne). Du kannst auch ein warmes feuchtes Tuch um die Brust legen. Manche Frauen empfinden es als angenehm, wenn sie zwischen den Stillmahlzeiten ein Heizkissen oder eine Wärmflasche über die Brüste legen. Andere wiederum finden Quarkwickel (bitte die Brustwarze und den Warzenhof aussparen) als hilfreich. Um die gestaute Stelle zu entleeren, solltest du jede Stillmahlzeit auf der betroffenen Seite beginnen, bis der Knoten und die Schmerzen vergangen sind. Du solltest alle eineinhalb bis zwei Stunden anlegen und dabei das Baby so halten, dass sein Kinn gegen die schmerzende Stelle gerichtet ist (erfordert manchmal etwas Akrobatik), wenn dein Baby die Brust ablehnt, pumpe ab oder streiche Milch mit der Hand aus. Die Milch wird auf diese Weise besser herausgesogen und dadurch löst sich die Blockierung besser. Sanfte Massage kurz vor oder während des Stillens kann ebenfalls hilfreich sein. Und wie immer gilt auch hier: auf korrektes Anlegen und eine gute Stillposition achten. Außerdem solltest du dir möglichst viel Ruhe gönnen. Wenn möglich leg dich mit deinem Kind ins Bett und überlass die Hausarbeit jemandem anderen. Falls du plötzlich Fieber oder Schüttelfrost bekommst (die Symptome ähneln der einer Grippe), solltest Du zu einem Arzt gehen. Wichtig ist auch, dass du weißt, dass eine Brustentzündung kein Abstillgrund ist. Es gibt Medikamente, die mit dem Stillen zu vereinbaren sind und weiterstillen verkürzt den Krankheitsverlauf. Die Brust ist ein eher träges Organ, das keine plötzlichen Veränderungen mag und deshalb ist gerade wenn ein Kind sein Schlaf und/oder Trinkverhalten plötzlich ändert immer etwas Vorsicht angesagt, manchmal kann es auch sinnvoll sein, sich dann zumindest eine Weile den Wecker zu stellen, um die Brust bei Bedarf etwas auszustreichen. Ich wünsche dir eine schnelle gute Besserung. Dein Kind braucht jetzt keine Babymilch mehr, du kannst Vollmilch anbieten oder eben Käse und Joghurt. Liebe Grüße, gute Besserung! Biggi
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