Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Milch lässt nach?

Frage: Milch lässt nach?

Mitglied inaktiv

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Liebe Biggi, unser Sohn ist 3 1/2 Monate alt. Wider Erwarten hat es bei mir mit dem Stillen ganz gut geklappt. Wir haben das Glück, dass unser Sohn schon nach 8 Wochen durchgeschlafen hat und nachts keine Mahlzeit mehr eingefordert hat. Nachdem ich zunächst morgens regelmäßig "überflutet" war, habe ich nun inzwischen morgens nur noch so viel Milch, wie er trinkt. Ich habe allerdings das Gefühl, dass die Milchmenge im Laufe des Tages immer weniger wird. Meine Brüste nehmen von Stillzeit zu Stillzeit kaum noch an Volumen zu. Tagsüber scheint die Milchmegen wohl immer noch gerade zu reichen. Auf jeden Fall hält es immer für 2 1/2 bis 3 Stunden an. Abends allerdings habe ich nicht mehr genug Milch. Ich habe es nun schon mit Stilltee, Malzbier und öfterem Anlegen (über 2 Tage) versucht. Letzteres war allerdings auch nicht so erfolgreich, da ich den Kleinen dafür teilweise aus dem Schlaf reißen musste und ich das Gefühl hatte, er hatte von den kurzen Trinkabständen Bauchschmerzen (auf jeden Fall war er sehr unruhig und quängelig). Im Moment halte ich mich so über Wasser, indem ich nachts aufstehe und eine Flasche abpumpe. Da unser Sohn 12 Stunden schläft hat der Körper dann auch genug Zeit bis zum Morgen entsprechend nach zu produzieren. Diese abgepumpte Flasche gebe ich ihm dann abends wieder, nachdem ich angelegt habe. Nach dem Anlegen trinkt er dann auch immer noch ca. 100ml aus der Flasche. Besteht irgendwie die Chance, dass ich das wieder natürlich ausgleichen kann? Oder mussich mich darauf einstellen, dass die Milchversorgung dann jetzt irgendwann vorbei ist (was ich schade fänd). Allerdings höre ich immer wieder von Frauen, die nicht lange gestillt haben, weil irgendwann die Milch weg war. Im Moment stehe ich ziemlich unter psychischem Stress, was vielleicht auch ein Grund für die Milchreduzierung sein könnte. Ich versuche schon mit autogenem Training dagegenzuwirken. Mehr weiß ich nun wirklich nicht. Es wäre toll, wenn ich noch irgendeinen Tipp bekommen könnte, wie ich meine Milchproduktion wieder ankurbeln könnte. Vielen Dank und Herzliche Grüße Katrin


Biggi Welter

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Liebe Katrin, es kommt höchst selten vor, dass die Milch plötzlich „wegbleibt“. Solche Situationen gibt es, wenn die Mutter plötzlich einem überaus großen Stress ausgesetzt ist (z.B. weil das Kind einen Unfall hatte oder andere einschneidende Ereignisse vorgefallen sind). Dann kann es dazu kommen, dass die Muter so verkrampft ist, dass der Milchspendereflex ausbleibt. Aber wie schon gesagt, das ist sehr selten, außerdem vorübergehend und man kann etwas dagegen tun. Die Vorstellung, dass die Brust (ähnlich wie eine Flasche) nach dem Stillen eer ist und erst wieder aufgefüllt werden muss, ist so nicht richtig. Zwar wird zwischen den Stillmahlzeiten Milch produziert, der Hauptanteil der Milch wird jedoch erst während des Stillens gebildet. Das Saugen des Kindes gibt das entsprechende Signal zur Milchbildung, der Milchspendereflex wird dann ausgelöst. Deshalb ist es auch falsch zwischen den Stilmahlzeiten eine längere Pause einzulegen, damit sich die Milch in der Brust sammelt, sondern es muss häufiger angelegt werden, um die Milchmenge zu steigern. Dein Sohn ist im klassischen Alter für einen Wachstumsschub. Wachstumsschübe sind Zeiten erhöhter Nachfrage, in denen das Baby sehr oft gestillt werden möchte. Wird das Baby dann auch häufig angelegt (etwa alle zwei Stunden, manchmal sogar noch häufiger), erhält der Körper der Frau das Signal „mehr Milch bilden" und nach ein paar Tagen ist der Spuk vorbei und die Milchmenge hat sich dem Bedarf des Babys wieder angepasst. Stillen funktioniert nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Du hast dann nicht zu wenig Milch, sondern der Bedarf deines Babys hat sich vergrößert und die Brust muss darauf erst reagieren. Je häufiger angelegt und die Brust effektiv entleert wird, um so mehr Milch wird gebildet. Wird in dieser Situation zugefüttert, so kann das zu einem ungewollt frühen Abstillen führen. Du schreibst, dass dein Baby quengelt und Bauchschmerzen hat, wenn Du es oft anlegst, dass kann auf ein Anlegeproblem hindeuten. Der Flaschensauger kann die Ursache dafür sein, dass er sich an der Brust so irritiert benimmt. Das Trinken an einem künstlichen Sauger unterscheidet sich grundlegend vom Trinken an der Brust und viele Babys kommen mit diesem Wechsel der Trinktechniken nicht zurecht und reagieren mit einer „Saugverwirrung“, die sich in einem Verhalten wie es dein Sohn zeigt äußern kann. Versuche alle künstlichen Sauger (Flasche, Schnuller) wegzulassen. Alles Saugen deines Kindes sollte an deiner Brust stattfinden. Ich werde dir jetzt allgemeine Tipps geben, wie Du deine Milchmenge steigern kannst. Hab ein wenig Mut und Geduld und Du wirst sehen, dass auch ihr beide wieder zum vollen Stillen kommen könnt. Oberste Regel: Häufiges Anlegen und ein gut saugendes Kind stimulieren die Brust zu mehr Milchbildung. Deshalb solltest Du deine Babys in den nächsten Tagen oft anlegen. Um das Interesse des Babys an der Brust wachzuhalten, kannst Du es mit Wechselstillen versuchen. Dabei legst Du Dein Baby an und stillst es, solange es wirkungsvoll saugt, d.h. es schluckt nach jeder oder jeder zweiten Saugbewegung. Sobald es seltener schluckt, nimmst Du es sanft von der Brust (vergiss nicht den Saugschluss zu lösen) und läßt es aufstossen, streichelst seine Fußsohlen oder massierst es sanft entlang der Wirbelsäule, um seine Aufmerksamkeit zu wecken. Dann wird es an der anderen Brust angelegt und wieder gestillt, so lange es wirkungsvoll saugt. Schluckt es wieder seltener, wird es zurück an die erste Brust gelegt, nachdem Du es wieder etwas ermuntert hast. Dieses „Wecken und Wechseln" wird zwanzig bis dreißig Minuten lang ausgeführt, tagsüber alle zwei Stunden und nachts mindestens alle vier Stunden. Richte dich mit deiner Flüssigkeitszufuhr nach deinem Durstgefühl. Eine zu hohe Flüssigkeitsaufnahme führt nicht zu mehr, sondern zu weniger Milch, da sie dazu führt dazu, dass das antidiuretische Hormon (ADH) zurückgeht, die Frau erfährt dann eine vermehrte Wasserausscheidung („schwemmt aus") und die Milchbildung verringert sich. Zwei bis drei Liter Flüssigkeit (davon höchstens zwei bis Tassen Milchbildungstee) sind im Allgemeinen ausreichend. Wenn der Urin dunkelgelb wird und die Menge gering ist, trinkst Du zu wenig Schwarzer Tee, Matetee und Kaffee sollten nur mäßig genossen werden. Auf Limonaden oder Colagetränke sowie künstlich gesüßte Getränke sollte möglichst verzichtet werden. Auf die (angebliche) milchflussfördernde Wirkung von Bier oder Sekt sollte verzichtet werden. Alkohol geht bereits in kleinen Mengen in die Milch über und belastet den Stoffwechsel des Babys. Achte darauf, dass DU ausreichend und möglichst ausgewogen isst. Kohlenhydratreiche Nahrung hat einen positiven Einfluss auf die Milchbildung. Ruhe dich oft aus und entspanne dich. Arbeite für eine Weile so wenig wie möglich. Die Hausarbeit läuft dir nicht davon! Stress wirkt sich ungünstig auf den Milchspendereflex und auf die Milchbildung aus. Vielleicht kannst Du ja ein paar „Stilltage" einlegen, das heißt Du legst dich mit deinem Baby ins Bett und kümmerst dich ausschließlich um dein Baby und das Stillen. Nach ein paar Tagen müssten auf diese Weise sowohl deine Milchmenge als auch dein Baby zunehmen. Wenn nicht, melde dich nochmals. Es wäre zusätzlich günstig, wenn Du dich an eine Stillberaterin vor Ort wenden würdest, die dir im direkten Gespräch Tipps geben kann und eventuell auch sieht, wie dein Sohn an der Brust trinkt. Wenn Du mir deinen Wohnort mit Postleitzahl angibst, suche ich dir die nächstgelegene LLL Stillberaterin heraus. LLLiebe Grüße Biggi


Mitglied inaktiv

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Liebe Biggi, vielen Dank für den tollen Ratschlag. Das Stillen klappt inziwschen wieder problemlos!!! Ich bin wirklich begeistert. 2 Tage habe ich das mit dem "Wechselstillen" hartnäckig durchgeführt und den Kleinen alle 2 Stunden angelegt (nachts gar nicht, da er ja eh seine 12 Stunden schläft). Und es hat geklappt!! Meine Versuche mit Stilltee und Malzbier waren völlig überflüssig. Ich trinke beides kaum noch. Hab noch einmal vielen Dank für die schnelle Antwort und den tollen Ratschlag. Jetzt, wo ich weiß, nach welchem Prinzip die Milch gebildet wird, habe ich auch viel weniger Angst, dass noch mal etwas schief gehen kann. Liebe Grüße Katrin


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