decembermom
Liebe Frau Welter, leider endete meine letzte Schwangerschaft nach vier normalen spontanen Geburten in einer Notsectio 5 Wochen vor Termin. Unser Kind liegt auf der Intensivstation, die ich alleine nicht erreichen kann. Die Geburt wurde mechanisch eingeleitet auf Grund auffälliger Doppler. Seit Wochen musste die Schwangerschaft Grund der Diagnose SGA und später IUGR engmaschig kontrolliert werden. Als die ersten Wehen begannen, drehte sich das Kind in querlage und die Nabelschnur lag über dem Muttermund. Es folgte eine notsectio gestern früh. Nun hoffe ich sehr, dass wenigstens das Stillen klappt, wo schon die Schwangerschaft und die Geburt enttäuschend waren. Direkt nach der Sectio konnte ich viel kolostrum abpumpen, seitdem wird es immer weniger. Was kann ich tun? Heute habe ich bisher dreimal abgepumpt pro Seite 10 min. Zuletzt kam nur 0,1 ml. Leider erhalte ich wenig Hilfe. Bei den anderen Kindern war es viel besser. Ich hatte spontan entbunden und das Stillen klappte sehr gut und auf Anhieb. Wo kann ich mir Hilfe holen? Vielen Dank für Ihren Rat
Liebe decembermom, lass dich erst einmal fest umarmen, nach vier unkomplizierten Geburten plötzlich eine Überwachungsschwangerschaft, Frühgeburt, Notsectio und jetzt ein Kind auf Intensivstation - das ist körperlich und emotional enorm belastend. Dass das Pumpen jetzt schlechter funktioniert, bedeutet nicht, dass das Stillen „gescheitert“ ist. In den ersten Tagen schwankt die Milchmenge oft stark, besonders nach einer frühen Sectio, Stress, Erschöpfung und Trennung vom Kind. Zunächst darf ich dich beruhigen, 0,1 ml Kolostrum am zweiten Tag kann trotz allem noch im dein Baby und du solltest jetzt möglichst häufig pumpen idealerweise 8–10× in 24 Stunden, auch nachts. Welche Pumpe verwendest du denn? Hast du ein Doppelpumpset? Zusätzlich kannst du per Hand ausstreichen. Gerade Kolostrum lässt sich oft besser ausstreichen als pumpen. Was das Pumpen betrifft, wäre es am besten, wenn du durch eine Stillberaterin vor Ort eine individuelle Pumpberatung erhalten könntest. Die Stillberaterin kann dich dann auch gleich weiter betreuen – gerade als Frühchenmutter brauchst du die direkte Unterstützung durch eine erfahrene Stillberaterin. Der Schlüssel zum erfolgreichen Abpumpen ist das Auslösen des Milchspendereflexes. Um ihn anzuregen, hilft es, wenn du dich in eine angenehme Umgebung zurückziehen kannst, in der du möglichst wenig gestört wirst und dich entspannen kannst. Das Einhalten eines Rituals beim Abpumpen und die Konzentration auf dein Baby – zum Beispiel vor einem Foto des Babys oder neben deinem Kind – tragen ebenfalls dazu bei, den Milchspendereflex auszulösen. Wärmeanwendungen und Massage der Brust stimulieren den Milchspendereflex zusätzlich. Es hat sich bewährt, nach folgendem Schema vorzugehen: 7 Minuten pumpen unterbrechen und die Brust massieren 5 Minuten pumpen wieder massieren 3 Minuten pumpen Eine Brustmassage kann außerdem dazu beitragen, den Fettgehalt der abgepumpten Milch zu erhöhen. Die besten Erfahrungen habe ich mit vollautomatischen elektrischen Pumpen mit Doppelpumpset gemacht. Da eine Pumpe nicht die gleichen Gefühle auslöst wie ein Baby, musst du – wie oben schon erwähnt – vor allem anfangs deinen Milchspendereflex bewusst anregen. Dazu kannst du einige der folgenden Methoden der körperlichen und seelischen Stimulation einsetzen: Abpumpen in einer vertrauten und angenehmen Umgebung, vielleicht immer am gleichen Platz, in einem bequemen Sessel. Störungen so gering wie möglich halten. Vielleicht entspannende Musik hören und alles bereitlegen, was du brauchst. Ein festes Ritual vor dem Abpumpen einhalten. Wärme auf die Brust geben, zum Beispiel mit warmen Kompressen oder einer warmen Dusche. Eine Decke um die Schultern legen oder dich warmhalten. Sanfte Brustmassage vor oder während des Pumpens. Brustwarzen sanft stimulieren. Einige Minuten bewusst entspannen oder ruhig atmen. Das Abpumpen zwischendurch unterbrechen und die Brust massieren. Um die Milchproduktion richtig in Gang zu bringen, solltest du häufiger als fünfmal pro Tag pumpen. Ein Baby würde jetzt mindestens acht bis zwölfmal innerhalb von 24 Stunden trinken. Versuche deshalb etwa alle zwei bis drei Stunden zu pumpen. Ob du nachts eine längere Pause einlegst oder nicht, musst du ausprobieren. Manche Mütter bevorzugen eine Nachtpause, andere kommen besser zurecht, wenn sie auch nachts regelmäßig weiterpumpen. Insgesamt solltest du auf mindestens 100 Minuten Pumpzeit innerhalb von 24 Stunden kommen. Es ist sinnvoller, häufiger kürzer abzupumpen als seltener und länger. Frühchenmütter sollten möglichst auf Überschuss pumpen, damit genügend Milch vorhanden ist, wenn der Bedarf des Kindes steigt. Außerdem musst du damit rechnen, dass es zwischendurch immer wieder Einbrüche bei der Milchmenge geben kann – besonders in stressigen Phasen. Solche Einbrüche erleben viele Frühchenmütter, sie sind aber meist nicht dauerhaft. Achte darauf, ausreichend und ausgewogen zu essen und nach deinem Durstgefühl zu trinken. Sehr viel trinken steigert die Milchmenge nicht automatisch. Solange dein Urin hell ist und du dich nicht ausgetrocknet fühlst, trinkst du genug. Für die Wirkung von Milchbildungstees gibt es keinen eindeutigen wissenschaftlichen Beweis. Wenn du einen Milchbildungstee trinken möchtest, dann besser nicht mehr als zwei bis drei Tassen täglich. Versuche außerdem, dir trotz der belastenden Situation möglichst viel Ruhe und Entspannung zu gönnen. Sehr hilfreich kann auch die Broschüre „Stillen von Frühgeborenen“ der La Leche Liga Deutschland sein. Dort findest du viele Informationen rund um das Stillen und Abpumpen bei Frühchen. Adressen von Stillberaterinnen findest du im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). Wenn du guten Empfang in der Klinik hast, können wir gerne auch miteinander per Videoberatung sprechen, du kannst den Termin kostenlos buchen. Du kannst auch hier jederzeit schreiben, ich bin gerne für dich da, ich selbst hatte ein Frühchen und kenne deine Ängste und Sorgen noch gut. Alles alles Gute und Liebe Biggi
decembermom
Liebe Biggi, Icv wollte mich nochmal ganz herzlich bedanken für Ihre ausführliche Antwort, die mir sehr geholfen hat! Mittlerweile klappt das Stillen gut. Unsere kleine liegt zwar leider noch auf intensiv, aber von 8 Mahlzeiten am Tag stille 4 komplett. Nachts und morgens früh bekommt sie Muttermilch mit der Flasche/pumpe. Zudem pumpe ich regelmäßig ab. Ich hoffe sehr, dass das Stillen dann auch weiterhin klappt nach der Entlassung. Ich pumpe ca. 5-6 in 24 h ab neben den 4 maligen anlegen. Ich hoffe, das Reicht aus, damit die Milchmenge auch in Zukunft gut ist. Herzlichen Dank für Ihre Hilfe und dafür, dass Sie hier so viel Zeit sich nehmen für junge Eltern.
decembermom
Liebe Biggi, Icv wollte mich nochmal ganz herzlich bedanken für Ihre ausführliche Antwort, die mir sehr geholfen hat! Mittlerweile klappt das Stillen gut. Unsere kleine liegt zwar leider noch auf intensiv, aber von 8 Mahlzeiten am Tag stille 4 komplett. Nachts und morgens früh bekommt sie Muttermilch mit der Flasche/pumpe. Zudem pumpe ich regelmäßig ab. Ich hoffe sehr, dass das Stillen dann auch weiterhin klappt nach der Entlassung. Ich pumpe ca. 5-6 in 24 h ab neben den 4 maligen anlegen. Ich hoffe, das Reicht aus, damit die Milchmenge auch in Zukunft gut ist. Herzlichen Dank für Ihre Hilfe und dafür, dass Sie hier so viel Zeit sich nehmen für junge Eltern.