GEGE13
Liebe Frau Welter, im Rahmen einer Umfrage haben wir bei GEGE mehr als 100 Mütter gefragt, welche Sorgen oder Unsicherheiten sie in den ersten Wochen des Stillens am meisten beschäftigt haben. Besonders überrascht hat uns, dass sich die Antworten – unabhängig davon, ob es das erste oder bereits ein weiteres Kind war – immer wieder um dieselben Themen drehten: wunde Brustwarzen, die Sorge, ob das Baby genug Milch bekommt, Unsicherheit beim richtigen Anlegen und vor allem die immer wiederkehrende Frage: „Ist das eigentlich normal?“ Ich bin Krista aus dem GEGE-Team und würde Ihre Einschätzung als erfahrene Stillberaterin sehr interessieren: Deckt sich dieses Bild mit Ihren langjährigen Erfahrungen in der Stillberatung? Und was würden Sie Müttern empfehlen, um in den ersten Wochen mehr Sicherheit und Vertrauen in das Stillen zu gewinnen? Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre wertvolle Arbeit! Herzliche Grüße Krista aus dem GEGE-Team
Liebe Krista, vielen Dank für Ihre Nachricht und für Ihr Interesse an meiner Meinung. Ja, dieses Bild deckt sich absolut mit meinen Erfahrungen und auch stimme ich völlig überein, dass es dabei keine Rolle spielt, ob es das erste oder auch vierte Kind ist. Immer wieder gibt es Unsicherheiten und die Erfahrung, dass jedes Kind auch tatsächlich verschieden ist. Besonders häufig geht es um die Sorge, ob das Baby ausreichend Milch bekommt. Viele Mütter können die getrunkene Milchmenge nicht sehen und zweifeln deshalb schnell an sich selbst. Auch Schmerzen beim Stillen, wunde Brustwarzen oder Unsicherheiten beim Anlegen gehören zu den häufigsten Gründen, weshalb Familien Unterstützung suchen. Ein Thema, das meiner Meinung nach oft unterschätzt wird, sind die hohen Erwartungen an sich selbst. Viele Mütter glauben, Stillen müsse von Anfang an ganz selbstverständlich funktionieren, tatsächlich jedoch ist Stillen ein gemeinsamer Lernprozess von Mutter und Kind. Es ist völlig normal, dass Mutter und Kind Zeit brauchen, um sich aufeinander einzustellen. Mein wichtigster Rat für die ersten Wochen lautet daher: Häufiges Stillen nach Bedarf sowie ausreichend Ruhe und Unterstützung sind meist die besten Voraussetzungen für einen gelungenen Stillstart. Jede Mutter sollte sich bewusst sein, dass sie Wöchnerin ist und sich diese so wertvolle Zeit auch gönnen. Außerdem möchte ich Mütter ermutigen, sich frühzeitig Hilfe zu holen, wenn Schmerzen auftreten oder Unsicherheiten bestehen. Viele Probleme lassen sich bereits mit kleinen Veränderungen beim Anlegen oder der Stillposition lösen. Keine Mutter muss diese Herausforderungen alleine bewältigen. Auch ist es immer sinnvoll, sich bereits vor der Geburt zu informieren und eine Stillberatung in Anspruch zu nehmen. So ist auch gleich ein Ansprechpartner da, wenn Hilfe gebraucht wird. Die ersten Wochen können intensiv und manchmal auch anstrengend sein. Mit Geduld, guter Begleitung und realistischen Erwartungen entwickeln die meisten Mutter-Kind-Paare jedoch mit der Zeit eine entspannte und schöne Stillbeziehung. Ganz kurz kann man die wichtigsten Punkte für den Grundstein einer erfolgreichen Stillbeziehung auf die folgenden Schlagworte zusammenfassen: Bald stillen oft stillen uneingeschränkt stillen keine Flüssigkeit oder andere Nahrung dazugeben außer bei medizinisch begründeten Fällen. Das Baby sollte so bald wie möglich nach der Geburt zum ersten Mal angelegt werden und dann jederzeit und ohne zeitliche Einschränkung an die Brust dürfen, wenn es das will. Bei eher schläfrigen Kindern oder Babys mit verstärkter Neugeborenengelbsucht muss die Mutter unter Umständen den Takt angeben und dafür sorgen, dass das Kind mindestens acht bis zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden an der Brust trinkt. Tee, Glukoselösung oder Wasser sind überflüssig und vor allem bei einer eventuell verstärkten Neugeborenengelbsucht sogar kontraproduktiv. Das Bilirubin (der gelbe Farbstoff, der für die Gelbfärbung der Haut bei der Neugeborenengelbsucht verantwortlich ist) wird nur zu zwei Prozent über den Urin ausgeschieden, der Rest wird durch den Darm ausgeschieden. Daher ist es unsinnig, die Gelbsucht "ausschwemmen" zu wollen. Wichtig ist, dass der Darm mit Nahrung versorgt wird und die Verdauung angeregt wird, das Mekonium möglichst rasch ausgeschieden wird. Das Kolostrum, die wichtige erste Milch wirkt abführend und begünstigt damit die Ausscheidung des Bilirubins. Der Organismus eines Neugeborenen ist auf viele, kleine Mahlzeiten eingestellt. Sein Magen hat etwa die Größe eines Teebeutels. Kleine Mengen an Muttermilch sind also absolut richtig und in Ordnung. Wichtig ist, dass das Baby ab dem zweiten, dritten Tag mindestens drei bis vier Darmentleerungen hat und ausreichend Urin ausscheidet. Eine Gewichtsabnahme von etwa sieben Prozent des Geburtsgewichtes innerhalb der ersten Tage ist normal, bis zehn Prozent sind bei einem ansonsten gesunden Kind tolerierbar. Spätestens mit drei Wochen sollte das Baby sein Geburtsgewicht wieder erreicht haben. Milchbildungstee ist nicht notwendig und es hat keinen Sinn ihn bereits während der Schwangerschaft zu trinken. Wenn überhaupt Milchbildungstee getrunken wird, dann bitte auch nicht mehr als höchstens zwei bis drei Tassen täglich, da mehr zu Bauchproblemen beim Kind führen kann. Wunden Brustwarzen und anderen Stillproblemen kann frau am besten dadurch vorbeugen, dass sie sich informiert. Wunde Brustwarzen entstehen in über 80 % der Fälle durch falsches Anlegen oder Ansaugen. Es ist extrem wichtig, korrekt anzulegen, nicht nur um wunde Brustwarzen zu vermeiden, sondern auch, damit die Brust gut stimuliert und richtig entleert wird und so die Milchbildung gut in Gang kommt bzw. aufrechterhalten wird. Herzliche Grüße Biggi
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