Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen?

Frage: Abstillen?

lisa.a

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Liebe Biggi,  ich hatte dir bereits Anfang des Jahres geschrieben. Mein Sohn ist inzwischen 15 Monate alt und kam an 33+6 durch eine Not-Sectio zur Welt mit anschließenden Neo-Intensiv Aufenthalt. Trotz Stillberatung sind wir leider nie komplett vom Pumpen weggekommen. Mittlerweile Stille ich gar nicht mehr herkömmlich, sondern Pumpstille nur noch.  Ich habe das Abpumpen in den letzten Monaten stark reduziert und bin mittlerweile nur noch bei 2x am Tag. Mein Sohn ist seit Anfang an ein guter Esser, somit hat er recht schnell nach Beikoststart mit 6-7 Monaten, nur noch 1 Flasche zum Abend bekommen. Mit etwa 13 Monaten hat er plötzlich das Interesse an der Flasche verloren. Hat meist nur 1-2 Schlücke getrunken und wollte dann kuscheln. Nach etwa 1 Woche habe ich die Flasche dann komplett weggelassen. Diese vermisst er auch absolut nicht. Wir haben eine geregelte Abendroutine und er schläft gut. Meistens wird er 1x in der Nacht wach gegen 23 Uhr, schläft aber innerhalb weniger Minuten wieder ein. Nun hat sich meine Milchmenge durch das wenige Pumpen natürlich stark reduziert, komme auf etwa 100ml am Tag. Diese Milch friere ich zum Teil ein und zum Teil mische ich sie meinem Sohn morgens unter sein Porridge. Allerdings gibt es auch Tage an denen er etwas anderes frühstückt - da friere ich die Milch ein.  Das Abpumpen war für mich immer etwas belastendes. Ich hatte mir "normales" Stillen so sehr gewünscht, dazu die Zeit auf der Neo, das nächtliche Wecker stellen zum abpumpen während mein Baby auf der Intensivstation lag... leider habe ich fast nur negative Gefühle dem Abpumpen gegenüber. Nun stellt sich mir die Frage, wann stille ich ab? Mein Sohn ist es ja im Prinzip schon. Denke die paar Milliliter alle 2 Tage im Porridge wird er nicht vermissen.  Dazu ziehen wir in etwa 6 Wochen um und in 4 Monaten startet die Kita-Eingewöhnung. Ende des Jahres werde ich auch wieder Teilzeit arbeiten gehen. Mein Mann hat mich - berechtigter Weise - vor einigen Tagen gefragt, für wen ich eigentlich noch abpumpe. Für unseren Sohn oder für mich. Und das frage ich mich mittlerweile auch. Pumpstillen ist für mich eine Hassliebe. Ich bin meinem Körper und dem Pumpen sehr dankbar, dass mein Sohn trotz all der Umstände nahezu nur Muttermilch bekommen hat (3-6 Lebensmonat mussten wir gelegentlich etwas PRE zufüttern, da meine Milch nicht gereicht hat). - Aber die vielen negativen Emotionen sind leider auch da. Ich habe durch die schwere Schwangerschaft und Neo-Zeit eine Angst- und Zwangsstörung entwickelt. Den Umzug, Kitastart und die Rückkehr in meinen Beruf möchte ich zum "Los lassen" nutzen. Ich freue mich sehr auf unser neues Zuhause und auch darauf, dass mein Sohn nun Spielgefährten in seinem Alter bekommt (Einzelkind, was durch meine SS-Cholestase und Plazentainsuffizienz leider auch so bleiben wird. Auf's Arbeiten freue ich mich auch, da ich meinen Job sehr liebe. Ich frage mich, ob nun der richtige Zeitpunkt zum abstillen gekommen ist. Das Stillen/Pumpen los lassen und neue, positive Dinge in mein Leben lassen. Nur habe ich auch mit dem Gedanken zu kämpfen, dass ich nie wieder Stillen/Pumpen werde, wenn dies nun endet, da es keine weitere Schwangerschaft für mich geben wird. Andererseits endet so eine Zeit irgendwann nun mal.  Das Thema beschäftigt mich sehr und vielleicht kannst du mir deine Meinung dazu sagen.  Ganz liebe Grüße 🤍


Biggi Welter

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Liebe lisa.a, beim Lesen deiner Zeilen spüre ich, dass du bereits unglaublich viel geleistet hast. Nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Eine Schwangerschaft mit Cholestase und Plazentainsuffizienz, die Not-Sectio, die Zeit auf der Neo, das nächtliche Pumpen neben all den Sorgen um dein Baby - das hinterlässt Spuren! Und trotzdem hast du deinem Sohn über 15 Monate Muttermilch gegeben. Das ist etwas, worauf du wirklich stolz sein darfst und auch sein solltest!. Und BEIDES darf gleichzeitig wahr sein: Dankbarkeit für das Pumpstillen und Erschöpfung, Schmerz oder sogar Abneigung dagegen. Dein Sohn wirkt aus deiner Beschreibung heraus bereits sehr sicher und gut begleitet. Er isst gut, schläft stabil, fordert die Flasche nicht mehr ein und scheint emotional wunderbar gebunden zu sein. Das eigentliche „Abstillen“ hat bei euch im Alltag längst begonnen, vielleicht oder eigentlich fast sicher, sogar schon stattgefunden. Im Moment hältst eher du selbst noch den letzten kleinen Faden fest. Nicht aus Schwäche, sondern weil dieses Ende eben auch etwas Bedeutendes symbolisiert. Klar macht dich dieser Abschied auch traurig und wehmütig, obwohl du dich gleichzeitig nach Loslassen sehnst. Das ist völlig normal und nachvollziehbar. Und ehrlich gesagt klingt deine Nachricht schon danach, als ob in dir bereits eine Entscheidung gereift ist: „Es darf jetzt etwas Neues beginnen.“ Der Umzug, die Kita, die Rückkehr in deinen Beruf, neue Räume, neue Menschen, neue Routinen, all das klingt nicht nach Verlust, sondern nach Entwicklung. Nach Leben, das weitergeht. Und vielleicht darf das Abstillen genau dort seinen Platz finden: nicht als abruptes Ende, sondern als bewusster Übergang. Du bist auch eine wunderbare Mutter, wenn du nicht mehr stillst und ein neuer Abschnitt beginnt nun. Dass du trotz all dieser Erfahrungen wieder Vorfreude spürst auf euer Zuhause, die Kita, deinen Beruf, ist für mich ein sehr gutes Zeichen. Das klingt nicht nach Aufgeben, das klingt nach Heilung und Weitergehen. Ich glaube nicht, dass es „den perfekten Zeitpunkt“ zum Abstillen gibt. Aber ich glaube, dein Körper und dein Herz senden dir gerade ziemlich klare Signale, dass du bereit sein könntest. Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles alles Gute! Biggi


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