Mitglied inaktiv
Hallo, ich habe folgendes Problem. Ich war zweimal in den Letzten Wochen so krank (Magen-Darm-Infekt), dass ich sehr stark dehydriert war und meine Milch komplett weg war. Ich (bzw. meiner Kleiner, 8 1/2 Monate alt) konnte die Milchproduktion wieder anregen, aber nicht mehr in dem Maße, wie vorher. Das sehe ich, wenn ich auf der Arbeit abpumpe. Ich habe nur noch ca. 80ml insgesamt in der Zeit zwischen 7 und 16h. Seitdem trinkt mein Kleiner tagsüber auch keine Milch mehr. Bzw. verlangt nicht danach. Er bekommt nur noch morgens und abends Milch. Dazwischen isst er in der Kita: um 11:30h Gemüse-und Fleischbrei mehr als ein Gläschen, Möhrensaft mit Fencheltee zum Trinken nach dem Mittagsschlaf: Obstgrießbrei, ein Gläschen 18h: abends zu Hause: ein Grießbrei mit etwas Pre-milch, dann stille ich ihn eine Stunde später um 19h kurz vor dem Schlafen. Jetzt kommt das Problem: Nachts habe ich nicht mehr so viel Milch wie früher und der Kleine zieht ohne, dass der Milchspendereflex ausgelöst wurde. Er will auch fast alle zwei Stunden trinken, dann kommt aber so schnell keine Milch, weil ich ja tagsüber auch nur wenig und nur einmal auf der Arbeit abpumpe. Also die Milchproduktion wenig anrege. Frage: muss ich nachts zusätzlich ein Fläschchen geben oder muss der Kleine dann einfach mit der wenigen Milch auskommen, die ich habe? Sorry, dass es so lang geworden ist, Katinka (mit Akin-Baby)
Liebe Katinka, wenn Ihr Baby nachts oft trinkt, wird auch die Milchmenge wieder gesteigert. Viele Frauen erleben im Laufe der Stillzeit, dass sie das Einsetzen des Milchspendereflexes nicht mehr spüren und denken dann, dass er ausbleibt. Deshalb ist es die Frage, ob es wirklich ein fehlender oder verzögerter Milchspendereflex ist oder ob Sie ihn schlicht nicht mehr bemerken. In jedem Fall ist der größte "Feind" des Milchspendereflexes das Warten darauf bzw. die Angst er könne nicht einsetzen. Diese Anspannung kann den Milchspendereflex tatsächlich blockieren. Die Milch ist nicht einfach plötzlich weg. Es kann schon mal vorkommen, dass der Milchspendereflex nicht gleich einsetzt. Wenn die Mutter verspannt ist oder das Kind nicht ganz so optimal saugt. Das ist aber kein Beinbruch und wenn die Mutter es dann schafft ruhig zu bleiben, vielleicht die Seite zu wechseln (eventuell mehrfach) und sich gezielt entspannen, dann ist meist alles bald wieder so wie es sein soll. Also: Keine Panik, sondern Ruhe bewahren und sich mit dem Kind bequem und in Ruhe hinsetzen oder hinlegen und auch mal an was anderes denken. Die Entspannungsübungen aus dem Geburtsvorbereitungskurs können ebenfalls sehr hilfreich sein. Plötzlicher Aktionismus und viel Trinken sind kontraproduktiv, wichtig ist es jetzt wirklich ruhig zu bleiben, am besten mit dem Baby zusammen ein paar reine Baby und Stilltage einzulegen. Das kann wahre Wunder wirken, wenn Sie sich für ein paar Tage mit Ihrem Kind ins Bett legen können (oder auf ein gemütliches Sofa) und sich um nichts anderes kümmern als um sich und Ihr Baby und sich selbst so richtig verwöhnen (lassen). Vielleicht können Sie am Wochenende einmal richtig ausruhen, Sie werden sehen, Ihrem Baby wird die Milch reichen und Sie müssen nachts nicht extra noch zufüttern. Es kann auch gut sein, dass Ihr Baby nachts nicht nur aus Hunger so oft aufwacht. Es ist ein normaler entwicklungsphysiologischer Verlauf, dass Babys in diesem Alter nachts (wieder) vermehrt aufwachen. Dieses Aufwachen liegt nicht an der Ernährung des Kindes, sondern ist entwicklungsbedingt. Deshalb ist die Einführung von fester Nahrung oder künstlicher Säuglingsnahrung oder eben das Abstillen auch keine Garantie für angenehmere Nächte. Die Kinder beginnen die Welt sehr konkret zu erleben, sie müssen das am Tag Erlebte in der Nacht verarbeiten, sie lernen neue Fähigkeiten (umdrehen, robben, krabbeln, gezieltes Greifen ...), sie beginnen den Unterschied zwischen fremd und bekannt zu erkennen. All dies ist ungeheuer aufregend und auch anstrengend. Dazu kommt, dass sich die Zähne verstärkt bemerkbar machen, dass vielleicht die erste Erkältung kommt und, und, und ... Der scheinbare Rückschritt im Schlafverhalten ist eigentlich ein Fortschritt, denn er zeigt, dass die Entwicklung des Kindes voranschreitet. Abgesehen von den umstrittenen Schlaftrainingsprogrammen, die von Stillexperten nahezu einhellig abgelehnt werden, bleibt in dieser Zeit nicht viel, als geduldig zu bleiben und sich die Tage und Nächte so einfach wie möglich zu gestalten. Der immer wieder verbreitete Gedanke, dass ein Baby ab sechs Monaten (oder einer anderen Altersgrenze) nachts nicht mehr aufwachen darf und nachts keine Nahrung mehr braucht entspringt in keinster Weise dem natürlichen Verhalten und den Bedürfnissen eines Babys oder Kleinkindes, sondern er entstammt dem (verständlichen) Wunsch der Erwachsenen, die gerne ihre Nachtruhe hätten. Eine Studie von Jelliffe und Jelliffe ergab, dass Babys im Alter von 10 Monaten mindestens 25 % ihrer Muttermilchaufnahme nachts zu sich nehmen. Das spricht eindeutig dafür, dass Babys auch nach den ersten sechs Monaten nachts noch hungrig sind. Es gibt Kinder, die nachts keine Nahrung mehr brauchen, aber es gibt eben auch sehr viele Kinder, die mit einem halben Jahr noch nicht so weit sind. So wie manche Kinder bereits mit elf Monaten laufen und andere damit erst mit 16 Monaten beginnen, so entwickeln sich auch alle anderen Dinge bei jedem Kind individuell verschieden und diese Entwicklung lässt sich begleiten, aber nicht beschleunigen. Es gibt kein Patentrezept, um ein Kind zu längeren Schlafphasen zu bringen. Hätte ich eines, das das Kind achtet, würde ich ein Buch darüber schreiben und damit einen Bestseller landen, an dem sich gut verdienen ließe. Wenn Sie gerne lesen und ein Buch lesen möchten, das sich mit dem Thema Schlaf auseinandersetzt und dessen Autor beim Thema Schlaf auch Achtung vor dem Baby zeigt und dessen Bedürfnisse ernst nimmt, kann ich Ihnen wärmstens `Schlafen und Wachen ein Elternbuch für Kindernächte" von Dr. William Sears empfehlen, das Sie im Buchhandel, bei der La Leche Liga und jeder LLL Stillberaterin bekommen können. LLLiebe Grüße Biggi Welter
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