Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

keine Milch mehr???

Frage: keine Milch mehr???

Mitglied inaktiv

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Hallo, ich bin gerade ziemlich verzweifelt... wenn Babys reden könnten... Kilian ist am 16.10. geboren und ich hatte bisher absolut keine Probleme beim Stillen, er hat auch von Anfang an durchgeschlafen (letzte Zeit von 20h bis 6h)... jetzt hatte er letzte Woche eine Augenentzündung und ich war wohl kurz vor einer Brustentzünduung, weil mir die linke Seite (nicht nur die Brust, die ganze Seite mit Arm und Bauch) ziemlich wehgetan haben, ich bin dann mit Kilian an dem Tag um 8 ins Bett, hatte auch "kurz" fieber und am nächsten Tag gings mir wieder besser. Jetzt bin ich zwar wieder schmerzfrei, aber Kilian trinkt sehr wenig, von der linken Brust gar nicht gern und kommt alle 2 Std egal ob Tag oder Nacht. Ich habe einfach das Gefühl, dass die Milch weg ist... also nicht komplett, denn er trinkt schon kurz, aber eben nicht lange genug. Woran kann das liegen? Kann ich das wieder "ankurbeln"? Kilian hat leichte Neurodermitis und ich hatte eigentlich geplant ein Jahr voll zu stillen... und jetzt das? Wenn ich wirklich nicht mehr stillen kann, welche Milch ist dann die Beste wegen der Haut??? Vielen Dank für die Hilfe!


Biggi Welter

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Liebe Steftigger, ob Ihr Kind gedeiht können Sie bei einem vollgestillten Baby an den folgenden Anzeichen erkennen: o mindestens fünf bis sechs nasse Wegwerfwindeln hat (um zu sehen wie nass "nass" ist, können Sie sechs Esslöffel Wasser auf eine trockene Windel geben). Diese Regel gilt aber nur für voll gestillte Kinder, das heißt das Baby bekommt nichts außer Muttermilch (kein Wasser, Tee, Saft usw.). o in den ersten sechs Wochen täglich mindestens zwei bis vier Stuhlentleerungen (später sind seltenere Darmentleerungen normal) o eine durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme von mindestens 110 g pro Woche ausgehend vom niedrigsten Gewicht (mit zunehmendem Alter verringert sich die durchschnittliche Gewichtszunahme), o eine gute Hautfarbe und eine feste Haut, o Wachstum in die Länge und Zunahme des Kopfumfangs o ein aufmerksames und lebhaftes Verhalten des Babys in den Wachphasen. Solange diese Kriterien erfüllt sind, dürfte alles in Ordnung sein, wenn nicht, melden Sie sich bitte noch einmal. Ihre Milch ist mit Sicherheit "reichhaltig" genug und die Stillabstände hängen auch nicht damit zusammen, dass die Zusammensetzung der Milch nicht in Ordnung wäre, sondern sind von sehr vielen anderen, insbesondere auch entwicklungsbedingten, Faktoren abhängig. Es ist ganz toll, dass Ihr Kind nachts immer noch fünf Stunden schläft, darum wird sie so manche Mutter beneiden. Das Verhalten Ihres Kindes ist typisch für Babys in diesem Alter und hat überhaupt nichts damit zu tun, dass die Muttermilch nicht ausreichen würde. Zum Einen gibt es in diesem Alter einen Wachstumsschub und der führt dazu, dass das Kind häufiger gestillt werden will und zum anderen schreitet die Entwicklung des Kindes mit Sieben Meilen Stiefeln heran. In unzähligen Ratgebern und Broschüren steht, dass ein Baby mit etwa zwei bis drei Monaten nachts längere Schlafphasen haben wird und mit etwa einem halben Jahr damit zu rechnen sei, dass es "durchschlafe". Und genau diese Erwartung, die allerdings absolut unrealistisch ist, haben dann auch die Eltern. Gleichzeitig ist der Markt überschwemmt von Büchern, in denen verschiedene Strategien propagiert werden, wie ein Baby oder Kleinkind das Schlafen "lernen" könne. Würde die Mehrzahl aller Kinder tatsächlich dem immer wieder verkündeten Schema gemäß schlafen, dann bräuchte kaum jemand alle diese Schlafratgeber und dann würde es sie auch nicht in jedem Buchladen geben. Es ist also einfach so, dass eine unrealistische Erwartungshaltung auf das reale Verhalten des Babys trifft und damit machen wir Eltern uns und unseren Kindern das Leben schwer. Vermehrtes nächtliches Aufwachen ist ab etwa vier bis sechs Monaten ein normales Verhalten bei Babys und zwar nicht, weil das Kind nicht mehr satt würde, sondern entwicklungsbedingt. Die Kinder beginnen um diesen Zeitraum die Welt sehr konkret zu erleben, sie müssen das am Tag Erlebte in der Nacht verarbeiten, sie lernen neue Fähigkeiten (umdrehen, robben, krabbeln, gezieltes Greifen ...), sie beginnen den Unterschied zwischen fremd und bekannt zu erkennen. All dies ist ungeheuer aufregend und auch anstrengend. Dazu kommt, dass sich die Zähne verstärkt bemerkbar machen, dass vielleicht die erste Erkältung kommt und, und, und ... Es gibt jedenfalls genügend Gründe dafür, dass das Kind unausgeglichen ist und nachts häufiger aufwacht. Für die Mütter ist es meist schwer, diesen "Rückschritt" zu akzeptieren. Doch in Wirklichkeit ist es ein Fortschritt, denn Ihr Kind hat wichtige neue Entwicklungsschritte gemeistert und ist dabei noch weitere anzugehen. Wo schläft Ihr Baby denn? Die Nächte können sehr viel einfacher werden, wenn das Baby in unmittelbarer Nähe der Mutter schlafen kann. Für die Mutter ist es sehr viel praktischer, wenn das Baby mit im eigenen Bett liegt (was weltweit bei Mehrzahl aller Kinder und in unserer Kultur sehr viel mehr als von den Eltern zugegeben wird der Fall ist) oder auf einer Matratze oder in einem Kinderbett direkt neben ihrem Bett. Die Mutter muss nachts nicht aufstehen, muss nicht erst richtig wach werden, sondern kann im Liegen stillen und unmittelbar danach weiterschlafen. Auch das Kind muss gar nicht erst richtig wach werden und zu schreien beginnen und kann somit auch schneller wieder einschlafen. Auf diese Weise kann viel Kraft gespart werden und die Nächte verlaufen für alle Beteiligten ruhiger. Als stillende Mutter haben Sie den ungeheuren Vorteil, dass Sie Ihr Kind durch diese für alle anstrengende Zeit begleiten können, ohne dass Sie richtig wach werden und aufstehen müssen. Genießen Sie dieses Privileg, sich einfach nur umdrehen zu müssen und dann, wenn schon nicht sofort weiterschlafen zu können, so doch zumindest ruhen können. Spannen Sie auch Ihren Partner (wenn Sie einen haben) ein. Väter können sehr wohl auch einen Teil der Kinderbetreuung übernehmen. Wenn Sie gerne lesen und ein Buch lesen möchten, das sich mit dem Thema Schlaf auseinandersetzt und dessen Autor beim Thema Schlaf auch Achtung vor dem Baby zeigt und dessen Bedürfnisse ernst nimmt, kann ich Ihnen wärmstens "Schlafen und Wachen ein Elternbuch für Kindernächte" von Dr. William Sears empfehlen, das Sie im Buchhandel, bei der La Leche Liga und jeder LLL Stillberaterin bekommen können. Sie schreiben, dass Sie Ihr Baby ein Jahr lang voll stillen möchten, meinen Sie wirklich VOLL, also ohne jegliche Beikost? Es stimmt nicht, was leider immer wieder verbreitet wird dass die WHO ein längeres Vollstillen empfehlen würde. Sicher ist es im Einzelfall möglich, dass ein Kind länger als sechs Monate ausschließlich gestillt wird, aber keinem Kind sollte ab etwa einem halben Jahr die Beikost vorenthalten werden, wenn es danach verlangt, auch dann nicht, wenn es mit der Muttermilch weiter "satt" wird. LLLiebe Grüße Biggi Welter


Mitglied inaktiv

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Danke für die ausführliche und schnelle Antwort. Jetzt bin ich schon sehr beruhigt. Ich habe zwar trotzdem das Gefühl, dass meine Milch weniger ist (abpumpen geht zur Zeit gar nicht), aber heute nacht kam Kilian um 20h, um 1h, 4h und um 7... etwas besser... er schläft bei uns im Schlafzimmer neben meinem Bett und ich kann ihn im Liegen stillen. Das mit dem Vollstillen war die Idee der Kinderärtzin, die meinte, das sei das beste bei Neurodermitis... ich selbst würde schon gern das halbe Jahr "durchhalten" und dann langsam zufüttern (so habe ich das bei der großen Schwester von Kilian auch gemacht und das hat ganz gut geklappt). Vielen Dank nochmal für die Hilfe!!!


Mitglied inaktiv

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ich habe noch was vergessen: Kilian entwickelt sich prächtig, wiegt mittlerweile 7300g und es geht ihm sehr gut!


Mitglied inaktiv

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Wieviel und ob was beim Abpumpen rauskommt, hat nix zu sagen. Ich stille voll und kann kaum abpumpen ;-) LG!


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