Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Eingefrorene Milch

Frage: Eingefrorene Milch

Mitglied inaktiv

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Hallo, ich schon wieder, ich habe die ltzten Wochen fleißig Milch abgepumpt und anfang der Woche musste ein anderer mein Kind füttern und gab ihm die Milch (erwärmt im Wasserbad) und er wollte sie nicht, sie roch total komisch dann hatte ich zum Glück noch welche im Kühlschrank und die hat er getrunken. Warum wird meine Milch im Tiefkühler ungenießbar? ...ist die Milch nur einen Tag eingefroren dann trinkt er sie noch zwar richt die dann auch schon anders aber der Unterschied ist noch nicht so groß. Da ich länger brauche um genug Milch für eine Mahlzeit zusammen zubekommen kann ich nicht jeden Tag die für eine benötigte Mahlzeit Milch frisch zur verfügung stellen. Wie lang darf Milch im Kühlschrank stehen? Ist es möglich die eine Mahlzeit in der Krippe zu ersetzten, wenn ja denken sie Tee oder Milch und welche würden sie empfehlen? Er soll ja für 4,5 Stunden in die Krippe und ich hatte mir das mit der eingefrorenen Milch so gut vorgestellt. Bin jetzt echt ratlos warum meine Milch so übel wird. Danke für die Hilfe


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe 2010Muggel, was bei dir passiert ist leider gar nicht so selten, es kommt sogar einigermaßen häufig vor. Es gibt einige Erklärungsversuche für das Phänomen der "seifigen" oder "sauren" Milch, doch eine letztendlich sichere Erklärung gibt es bisher noch nicht. Das einzige was wohl feststeht ist, dass sich die Milchfette aus noch nicht richtig geklärten Gründen verändern und die Milch dann seifig schmeckt und riecht. Diese Milch ist nicht verdorben im eigentlichen Sinne und es gibt Babys, die diese Milch trinken, während andere Kinder sie (verständlicherweise) strikt ablehnen. Seltsamerweise ist nicht immer alle Milch der gleichen Frau (trotz gleicher Behandlung) betroffen. Auch dafür gibt es noch keine Erklärung. Ruth Lawrence gibt in ihrem Buch "Breastfeeding: A Guide for the Medical Profession" 6. Auflage, 2005 folgende Erklärung für diese Geruchs und Geschmacksveränderung der Muttermilch: "Frauen haben dem Lactation Study Center berichtet, dass ihre frisch eingefrorene Muttermilch sauer und sogar ranzig riecht und von ihrem Säugling abgelehnt wird. Ein leicht seifiger Geruch wurde gelegentlich festgestellt, doch es wurde nie davon berichtet, dass dies gefährlich für den Säuglings sei oder die Milch vom Kind abgelehnt wurde. Dieser seifige Geruch wird einer Veränderung der Lipidstruktur in Zusammenhang mit der Wirkung der Abtauautomatik von selbstabtauenden Gefriergeräten zugeschrieben. Die Fälle, die dem Lactation Study Center jedoch berichtet wurden, weisen darauf hin, dass dieser ranzige Geruch mit einer tatsächlichen Fettaufspaltung verbunden ist. Es wird spekuliert, dass manche Frauen eine höhere Lipaseaktivität haben als andere, wie es in der Studie über Lipase und Hyperbilirubinämie beobachtet wurde. Einige Mütter berichteten, dass ihre Milch bereits zu riechen begann, sobald sie abkühlte, ob nun im Kühlschrank oder im Gefriergerät. Andere haben festgestellt, dass ihr Milchvorrat, den sie peinlichst sauber für ihre Rückkehr an den Arbeitsplatz aufbewahrt hatten, ranzig geworden war und von ihrem Säugling abgelehnt wurde. Wenn diese Mütter ihre Milch sofort nach dem Abpumpen bis zum Siedepunkt erhitzten (nicht kochen) und schnell abkühlten und einfroren, kann es nicht zu dieser Veränderung und ihre Kinder nahmen die hitzebehandelte Milch an. Dieser Prozess inaktivierte die Lipase und stoppte den Prozess der Fettverdauung. Allerdings verbessert es den Geschmack oder Geruch der bereits ranzigen Milch nicht, wenn sie erhitzt wird." Aus der Erfahrung weiß man also, dass der geschmacklichen Veränderung durch kurzes Erhitzen der Milch (ähnlich wie beim Pasteurisieren) VOR dem Einfrieren entgegengewirkt werden kann. Das "Abkochen" der Milch kann eine Alternative sein, wenn die Mutter auf das Abpumpen und Aufbewahren angewiesen ist (z.B. wegen Berufstätigkeit). Die so behandelte Milch ist immer noch besser als künstliche Säuglingsnahrung, allerdings gehen der Großteil der Immunstoffe leider verloren. Vielleicht klappt es ja mit dem Abkochen der Milch, schreibst Du mir bitte von deinen Erfahrungen, wenn Du es probiert hast (falls du es probieren möchtest)? Wenn Du das nicht möchtest, würde ich Pre-Milch anbieten lassen, denn mit Tee bleibt das Baby hungrig. Muttermilch ist der Goldstandard und von allen künstlichen Säuglingsnahrungen ist diesem Goldstandard die Pre Nahrung noch am ähnlichsten. Alle weiteren Nahrungen entfernen sich immer weiter von Goldstandard, was keinerlei Vorteile für die Gesundheit des Kindes bringt. Deshalb ist es nicht sinnvoll und vom ernährungsphysiologischen Standpunkt her auch nicht notwendig, andere Nahrung als Muttermilchersatz zu geben, als eine Pre Nahrung. Wenn Du dir die Zusammensetzung der künstlichen Säuglingsnahrungen anschaust, dann kannst Du sehen, dass Pre Nahrung eindeutig zu bevorzugen ist. Spätestens bei der sogenannten Folgemilch 2 ist es dann sogar so, dass diese kaum noch an die Muttermilch angepasst ist, oft sehr süß ist und von der Zusammensetzung her so, dass sie nicht mehr als ausschließliche Nahrung für das Kind ausreicht. Sie darf deshalb auch nur in Zusammenhang mit Beikost gegeben werden. Es gibt Länder, in denen Folgenahrungen gar nicht erhältlich sind. Eltern erhoffen sich, was die Werbung ja auch deutlich suggeriert, dass ihre Kinder mit einer Folgenahrung seltener gefüttert werden müssen und länger schlafen. Das ist der Hauptgrund, warum diese Nahrungen verkauft werden. LLLiebe Grüße Biggi Welter Pre, 1 oder 2 - was bedeuten die Kürzel der Säuglingsnahrung von Denise Both, IBCLC Die EU Norm unterscheidet zwischen drei verschiedenen Nahrungsarten: · Säuglingsanfangsnahrung · Folgenahrung · Antigen Reduzierte Nahrung Säuglingsanfangsnahrungen sind künstliche Säuglingsnahrungen, die den Nährstoffbedarf eines Babys in den ersten vier bis sechs Monaten als Alleinnahrung decken und zusammen mit geeigneter Beikost das gesamte erste Lebensjahr gegeben werden können. Sie tragen die Silbe "Pre" oder die Zahl "1" im Namen. Unter einer Pre Nahrung wird eine adaptierte Säuglingsnahrung verstanden, die der Muttermilch weitestgehend angeglichen ist, was ihre Zusammensetzung an Mineralstoffen, Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß betrifft. Pre Nahrungen können, wie Muttermilch, nach Bedarf (ad libitum) gegeben werden. "1" steht für teiladaptierte Nahrung. Diese Säuglingsnahrung ist zum Teil der Muttermilch angeglichen, enthält mehr Eiweiß und außer Milchzucker noch weitere Zucker sowie Stärke. 1er Nahrung ist nicht so dünnflüssig wie Pre Nahrung und hält länger vor. Teiladaptierte Nahrung sollte nicht nach Bedarf gegeben werden. Folgenahrung wird durch eine "2" gekennzeichnet. Sie ist nicht mehr als alleinige Nahrung für den Säugling gedacht, sondern sollte frühestens ab dem fünften Monat zusammen mit Beikost gegeben werden. Ihre Zusammensetzung unterscheidet sich grundlegend von der der Muttermilch. Für allergiegefährdete Babys, zu denen zur Zeit etwa ein Drittel aller Neugeborenen zählen, gibt es antigen reduzierte Nahrungen, die durch die Abkürzung "HA" erkennbar sind. "HA" steht für hypoallergen und es bedeutet, dass in diesen Nahrungen das Kuhmilcheiweiß in kleinere Bestandteile aufgespalten wurde. Durch die Zerlegung des Eiweißes kann das Allergierisiko verringert werden. Außer den oben aufgezählten Nahrungen gibt es noch Spezialnahrungen (zum Beispiel laktosefreie Säuglingsnahrung oder Nahrungen mit sehr geringem Phenylalaningehalt), die besonderen Situationen vorbehalten sind. So kommt es zwar sehr selten vor, aber es gibt tatsächlich Fälle, in denen ein Baby keine Muttermilch erhalten darf (bei Galaktosämie, einer sehr seltenen Stoffwechselstörung) oder nicht ausschließlich gestillt werden darf (z.B. bei Phenylketonurie (PKU), ebenfalls eine Stoffwechselstörung).


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